Skeleton Bay, Namibia

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Es mutet mitunter seltsam an, wenn Surfer davon sprechen, dass eine Welle “entdeckt” wurde. Denn die Wellen waren ja schon da, nur die Surfer nicht. Im ikonischen Film “The endless Summer” von 1966 heißt es dann auch von einem Fischer in Cape St. Francis, South Africa: “Die Wellen sehen immer so aus, Tag für Tag die selbe dumme Welle.” Doch tatsächlich war die Welle ein paar Jahre später, als Pat O’Connell und Robert Weaver für ein Sequel wiederkamen, schon nicht mehr so gut wie dereinst.

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Skeleton Bay ist eine ähnliche Geschichte und doch ganz anders, denn “The Times are A-Changin’”. Für einmal scheint das mit dem Entdecken irgendwie zu passen. Das Surfing Magazin schrieb 2008 einen Wettbewerb aus, bei dem die Teilnehmer via Google Earth eine bis dahin unbekannte Welle einreichen sollten. Der Lohn der Mühen? Eine Reise zu eben dieser Welle, zusammen mit Reportern vom Surfing Magazine und ein paar Pros für anständige Cover-Shots. Und so kams, dass der IT-Spezialist Brian Gable aus Kalifornien Skeleton Bay auf die Karte brachte. Cory Lopez war dann derjenige, der eine gute Minute nichts falsch machte und mit ungläubigen Handzeichen zu allem Überfluss auch noch signalisierte, dass sich diese Barrel im Grunde von alleine surft.

Die Welle

Stats

Name:       Skeleton Bay (aka Donkey Bay), Namibia, Westafrika
Wellentyp:  Linker Pointbreak, Shorebreak
Level:      Experten
Saison:     Mai bis September
Swell:      Groß bis sehr groß, SW, lange Periode, hält i.d.R. bis 48 Stunden
Wind:       Südwest, meist offshore
Untergrund: Sand
Länge:      300 m bis 3 Kilometer
Größe:      4 bis 8 Fuß, Energie ca. 3x so hoch
Gefahren:   Die Kraft der Welle, Strömungen, Abgeschiedenheit, Haie; in dieser Reihenfolge (evt. eins und zwei tauschen)
Skeleton Bay, Namibia: Spotmap mit den wichtigsten Infos.

Surfen in Namibia: Eher nichts für Anfänger

Die diversen Barrelsections surfen sich von selbst, so wie es die Videos nahelegen? Nun, das war eine Lüge. Das Ding ist hohl und heftig, ein Biest. Großes Supertubos in Ericeira oder La Graviere in Frankreich sind die Beachbreak-Paten, der ultimative Reefbreak Teahupoo wird oft vergleichsweise genannt, weil die Lippe so eine Kraft hat. Wer sich nicht traut oder den Drop nicht packt, der sitzt bei einer Strömungsgeschwindigkeit von rund 20 Km/h schnell wieder am Anfang der Bucht. Vor der Welle ist das Wasser knietief, immer sieht man Sand in der Wand. Es gibt auch einen ähnlichen rechten Point, wenn es groß wird ist Rattlesnake (wie Mick Fanning den Spot nannte) sogar fast noch heftiger.

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Was auch nicht so ganz stimmte: Dass Brian Gable die Welle entdeckte. Tatsächlich hatten einige Locals den Spot schon seit Jahren auf dem Schirm – sie kamen regelmäßig zum Angeln und bemerkten, dass ein Sandfinger hinter einem kleinen See immer mehr Raum einnahm und irgendwann mit der Küste verschmolz. Die archivierten Satellitenbilder bei Google Earth zeigen das gut. Der neue Küstenverlauf traf das Ende der Bucht im goldenen Schnitt, sozusagen, und in großen Swells räumen die Setwellen auch schnell die Sandbank zurecht. Wobei Sandbank, das ganze wird oft auch als Shorebreak bezeichnet.

Die Welle brach dann aber erstmal nicht so gut, wie sie sich das erhofft hatten: Eine frustrierend schnelle Linke, lang zwar aber mit Sections die unerbittlich in den Sand knallen. Das war so 2005. Als das Team um Cory scorte sah die Sache schon anders aus. Und heute ist die Welle nichts als Perfektion, Perfektion aber, die den Besten vorbehalten bleibt. Und auch die leiden mitunter. Wie Teahupoo auf Sand, heißt es häufig, so hat es auch der hawaiianische Waterman Billy Kemper nach seinem ersten Trip 2019 bei Surfline berichtet:

“Es war wie 6-Fuß Teahupoo, aber zwei Meilen lang in absolut perfekten Bedingungen… die besten Wellen, die ich je im Leben gesehen habe. Es ist schwer zu glauben, dass eine Welle so gut sein kann; als würde man ein Videospiel zocken oder so. Man muss es wirklich gesehen haben, um zu verstehen, wie gut es ist.”

Billy Kemper

Skeleton Bay ist eine klassische Strike-Mission Destination. Das bedeutet, dass zwischen der Reiseplanung und dem Surf nur ein paar Tage liegen. Weil du diesen Swell nicht verpassen darfst. Wenn der Chart auf deinem Laptop passt, greifst du den Boardbag und buchst im Taxi Flüge. Oder so ähnlich, wir machen keine Strike Missions. Noch vor Sonnenaufgang reihen sich die 4WD nur Meter vom Wasser entfernt wie die Familien SUVs bei Aldi am Samstag Vormittag. Später werden die Filmer auf den Dächern ihre Stative ausklappen und aufstellen um möglichst viele der Setwellen auf die Speicherkarten zu nageln. Die Surfer hüpfen so lange um die Autos und grinsen debil. Dann geht’s in die Neos (Wassertemperatur im Juni um die 15 Grad) und zum Point, fast zwei Kilometer südwestlich. Kalter Sand, Angst und Vorfreude sollten dich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen: Beim Rauspaddeln ist Timing gefragt, um nicht sofort wieder runter gewaschen zu werden. Und im Line-up braucht es absolute Air-Drop-Magie: Ungefähr drei Versuche hat man, dann hat die Strömung dich wieder den Point hinunter gespült.

2019 waren sich die angereisten Pros dann schon recht sicher: Das wird nichts mehr. Über den Sommer hatte sich der Sand in der Mitte der Well eingelagert und die Welle in Sections aufgebrochen. Doch als dann der Swell anrauschte, wusch er den Sand einfach aus und legte eine Präzision von ungeahnter Qualität vor. Zwei Kilometer und mehr, down the line und die Videos, die wir alle kennen. Das beste Skeleton Bay aller Zeiten? Vielleicht, denn die Welle ist immer im Wandel und wird irgendwann auch wieder weg sein, da sind sich die meisten einig.

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Hilfreiche Tipps zum Surftrip nach Namibia

Wie kommt man zur Welle?

Skeleton Bay ist grob 300 Kilometer westlich von Windhoek und ziemlich nah bei Swakopmund, einer mittelgroßen Kleinstadt, die bei Safari-Touristen bekannt ist. Außerdem ist direkt westlich der Landung der Flughafen Walvis Bay. Von dort ist es eine Dreiviertelstunde bis auf den Strand. Nach Windhoek sind es etwa sechs Stunden. Und sonst bleibt noch die Fahrt von Kapstadt, die Google mit 17 Stunden veranschlagt, one-way. In 24 soll man es tatsächlich schaffen, aber die meisten Surfer fliegen nach Windhoek.

Skeleton Bay, Namibia: Karte mit Anreiseoptionen
Die beiden Flughäfen in der Umgebung, die Halbinsel, der Spot und vor allem: Wüste.

Reisevorbereitung

Vielleicht ist dir die Erkenntnis schon aus den Zeilen entgegen gepurzelt: Das ist kein Spot für dahergelaufene Dullis. Semi-Local Ruan de Bruyn behauptet sogar, dass nur 20 bis 30 % der Surfer, die am Strand aufschlagen, tatsächlich die Welle ihres Lebens erwischen. Zu heftig ist die Strömung, zu bodenlos und schnell der Take-Off. Und die Konkurrenz im Wasser ist anderswo auch etwas niedriger. Das man auch mal over the falls geht, ist kaum zu vermeiden. Tatsächlich kommen die meisten Pros mit mindestens vier Brettern, denn dass eins snapt ist fast garantiert.

Für die Fahrt braucht man einen 4×4 Drive und eigentlich auch einen Fahrer, auch wenn Namibia sehr sicher ist, die Straßen sind es nicht unbedingt. Und schließlich willst du die Straßen ja auch verlassen. Auch wenn der Spot in der Wüste liegt, mit heißem Strandwetter solltest du auch nicht rechnen: So 15 Grad hats tagsüber, nachts weniger. Apropos nachts: Viele Unterkünfte gibt es in der Nähe nicht, entweder du schläfst im Zelt oder in einfachen Family-Stays in der Walfischbucht.

Skeleton Bay, Namibia: Eine Drohnenaufnahme
Screenshot von Surfers Village TV / Youtube

Eine gute Idee ist, sich an einen erfahrenen Surftripguide für Westafrika zu wenden. Das kostet natürlich, ist aber die sicherste Wette auf die Barrel des Lebens.

Gibt es Haie in der Skeleton Bay?

So genau weiß das niemand glücklicherweise. Klar ist: Die großen Weißen Fische recht weit oben in der Nahrungskette leben in den namibischen Gewässern. Und dann ist auch noch eine Robbenkolonie am Ende der Bucht. Trotzdem gab es bisher keine Zwischenfälle. Vielleicht auch, weil die Bucht nicht besonders regulär gesurft wird, sondern nur etwa 12 Tage im Jahr. Außerdem läuft man einen beträchtlichen Teil der Sessions. Im Wasser würde man Haie nicht sehen, das ist immer recht brackig. War das jetzt beruhigend genug? Falls nicht: Die Gefahr durch die pure und buchstäblich atemberaubende Kraft der Welle ist ein vielfaches höher als durch einen Hai Angriff. Nicht zu sprechen von der Strömung, die am Ende der Bucht auf das Meer hinaus zieht.

Wieso eigentlich Skeleton Bay?

Eine Sache wäre noch zu klären: Warum heißt dieser magische Ort eigentlich Skeleton Bay? Oder wollen wir es gar nicht wissen? Nun, das war ja im Grunde schon die Antwort. Tatsächlich heißt der ganze Abschnitt Skeleton Coast. Der Surfspot liegt ja auf einer ins Meer ragenden Halbinsel. In der Bucht dahinter war die Walindustrie lange angesiedelt, die Bucht heißt immer noch Walfischbucht. Überall liegen die Skelette dieser und anderer Säuger herum. Einer davon ist auch der Homo Sapiens. Denn die namibischen Wasser sind undankbar und ein echtes Matrosengrab, “A porta do inferno”, wie die Portugiesen sagen. Und dabei wollen wir es jetzt mal belassen. Hier nochmal die Bilder der Welle, die dein Leben verändern können. Sagen jedenfalls alle, die sich schon mal da rein gesteckt haben.

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Oft gefragt

Was ist die Skeleton Bay?

Skeleton Bay ist auch unter dem Namen Donkey Bay bekannt. Die wiederum liegt eben an der Skeleton Coast in Namibia in Südwestafrika. In der Bucht, die auf einer Halbinsel liegt, laufen die vielleicht besten linken Wellen der Welt.

Wie ist die Welle?

Die Welle ist heftig, ein gut aussehendes Monster. Im Grunde ist es ein Shorebreak, so flach ist das Wasser hinter der Welle. Allerdings ein Shorebreak, der bricht wie ein linker Pointbreak, und nicht wie irgendein Pointbreak, nein hohler, kräftiger und länger, 300 m bis 2 Kilometer lang.

Wie kommt man in die Skeleton Bay?

Die Skeleton Bay liegt westlich von der namibischen Hauptstadt Windhuk, knapp 300 Kilometer beziehungsweise 6 Stunden Fahrt entfernt. Die meisten Surfer reisen über Windhoek an, mieten dort ein 4WD mit Fahrer. Allerdings kann man auch bis fast in die Bucht fliegen, in die Walvis Bay International. Oder man fährt von Johannesburg oder Kapstadt.

Gibt es Gefahren?

Die Welle selbst ist durch ihre schiere Kraft sehr gefährlich. Außerdem ist die Strömung stark, bis zu 20 Km/h schnell und zieht am Ende der Bucht aufs Meer hinaus. Möglicherweise sind auch Haie am Spot unterwegs, allerdings gab es noch keine Zwischenfälle.

Gibt es vergleichbare Wellen in Europa?

Nein, das kann man so nicht sagen. Wahrscheinlich gibt es überhaupt keine vergleichbare Welle. Allerdings gibt es einige sehr guten linke Wellen in Europa, die wahrscheinlich sogar für die meisten SurferInnen deutlich besser passen: Zum Beispiel Rodiles, Mundaka und Santoña in Nordspanien.

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