Nachhaltige Surfmode

Nachhaltige Surfmode

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Im Herbst 2021 findet in Glasgow der Weltklimagipfel statt. Es ist, wie Großbritanniens Premier Boris Johnson sagte, wieder einmal und nun wirklich “5 vor 12”. Während die Regierungen die Fortschritte loben sind Klimaaktivisten aufgebracht ob der Mutlosigkeit der Beschlüsse. Würden alle Versprechungen bis 2030 eingehalten, so landeten wir dennoch bei einer Klimaerwärmung von 2,4 Grad. Diese Prognose des Climate Action Trackers wurde auch auf der Konferenz vorgestellt.

Surfer*innen sind häufig sensibel, was das Thema angeht. Sie sehen, wie sich Surfspots und vor allem Surfdestinationen verändern, wenn sie einmal auf der Karte auftauchen. Kelly Slater, der beste Wettkampf-Surfer aller Zeiten, sagte dazu: “Ich denke, wenn ein Surfer zu einem Surfer wird, ist es eigentlich logisch, dass er auch zu einem Umweltschützer wird.”

Nur ist das der gleiche Typ, der seit Jahrzehnten für einen Swell um den halben Erdball fliegt, unzählige Surfboards snapt und in die Wüste von Lemoore eine Wellenmaschine gebaut hat, deren Energieverbrauch die Seite surfheater.com auf 15 kW/h schätzt – pro Welle. Der Tourstop der WSL(ein Wochenende mit etwa 100 Wellen) läge damit grob beim Energieverbrauch eines Singles für ein Jahr, nur für die Wellen.

Titelfoto: Juli Wey für milchplus.de

Warum es keine nachhaltige Surfmode gibt

Fangen wir mit zwei Zitaten an: Eines der bekanntesten Bonmots der Volkswirtschaft ist der Spruch “There ain’t no such thing as a free lunch.” Die Herkunft des Spruchs ist unbekannt, das erste Mal las ihn ein größeres Publikum 1966 in einem Science-Fiction-Roman von Robert Heinlein. Wirklich bekannt gemacht hat ihn aber der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman, als er das Zitat auf den Titel eines seiner Bücher setzte.

Nachhaltige Surfmode: Second Handkleidung tragen
Second-Hand Fleece Pullover aus dem Verschenkemarkt. / Juli Wey für milchplus.de

Es gibt keine Leistung ohne Gegenleistung, nichts ist umsonst. Man liest das gar nicht mehr so häufig, vielleicht, weil es so trivial ist. Schauen wir uns das zweite Zitat an: “Anyone who believes that exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.” – In einer endlichen Welt ist auch das Wachstum endlich, griffig formuliert von Kenneth Boulding (ebenfalls Wirtschaftswissenschaftler). Hierüber wird tatsächlich noch gestritten, viele verweisen auf die neue Dienstleistungs- und Wissensökonomie.

Worauf will ich hinaus? Es ist eigentlich ganz einfach: Konsum ist nie nachhaltig. “Nachhaltige Surfmode”, das ist ein Widerspruch in sich. Denn zum Einen ist nichts umsonst; und wenn es so scheint, dann bist entweder du die Ware, oder jemand anderes zahlt die Zeche, in vielen Fällen die Umwelt. Und zweitens verbraucht jedes T-Shirt Rohstoffe. Das ist im Grunde nicht schwer zu verstehen. Auch T-Shirts aus Biobaumwolle verbrauchen zwischen 1000 und 5000 Liter Wasser, je nachdem wo die Baumwolle angebaut wird. Etwa die Hälfte davon gelangt nicht zurück in den Wasserkreislauf und davon ist ein Teil am Ende sogar stark verschmutzt und nicht mehr zu gebrauchen. Ein Teil dieses “Grauwassers” fällt auch an, wenn ein Produkt aus recycelter Baumwolle ist.

Mehr zum Wasserverbrauch von Waren und Dienstleistungen mit dem Konzept des “virtuellen Wassers”(englisch)
Studie der TU Berlin zur Ökobilanz eines durchschnittlichen weißen T-Shirts

Vom Transport war noch nicht die Rede, nicht von Werbung oder davon, dass nur ein kleiner Teil der Kleidung tatsächlich überhaupt recycelt wird. Auch wenn der größte Teil der Umweltbelastung bei der Herstellung von Kleidung, Surfbrettern oder Neoprenanzügen anfällt, trägt auch das Waschen und Trocknen dazu bei. Das durchschnittliche T-Shirt aus der Studie wird übrigens genau 44-Mal getragen, bis es entsorgt wird.

  • es gibt keinen nachhaltigen Konsum
  • viele Faktoren tragen zur Umweltwirkung von Kleidung bei
  • Recycling ist wichtig. Wichtiger ist aber ein langer Lebenszyklus.
  • Baumwollanbau verbraucht viel Wasser und Fläche, der Boden muss häufig gedüngt werden, der Pestizideinsatz ist gewaltig
  • Polyester wäscht in der Waschmaschine aus, Mikroplastik gelangt ins Abwasser

9 “nachhaltige” Surf-Marken 

Wie gesagt, echte Nachhaltigkeit ist nicht zu erwarten. Aber welche Firmen bemühen sich, Produkte so umweltfreundlich wie möglich herzustellen?

Patagonia 

Im Bestseller “Let my people go surfing” des Gründers Yvon Chouinard lässt sich nachlesen, wie Patagonia zum Vorreiter (in der Bekleidungsindustrie) in Sachen Umweltschutz wurde. Die ersten Maßnahmen dienten dem Schutz von Surfspots und Klettergebieten. Nach und nach wurde Nachhaltigkeit eines der Unternehmensziele. Patagonia ist Mitgründer der Sustainable Apparel Coalition. Die genutzte Baumwolle ist zu 100% GOTS zertifiziert, 2020 waren in 87% der Produkte recycelte Materialien, tierische Produkte sind nach den höchsten Standards zertifiziert und in den USA bezieht Patagonia nur Energie aus erneuerbaren Quellen. Außerdem ist Patagonia bei 1% for the Planet. 83% der Patagonia Produkte sind Fairtrade zertifiziert, einen höheren Anteil schafft nach Unternehmensangaben keine andere Bekleidungsmarke.

Nachhaltige Surfmode: T-Shirt von Patagonia
Fast-Fashion Jogginghose, Patagonia Logo T-Shirt aus Bio-Baumwolle / Juli Wey für milchplus.de

Der wichtigste Impact der Marke ist die Schärfung des Bewusstseins dafür, dass jeder Konsum Ressourcen verbraucht. Patagonia bietet einen kostenlosen Reparaturservice für viele Produkte und ermutigt seine Kunden dazu, weniger zu shoppen. Patagonia gibt jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht (PDF für 2019) heraus. Im Surfbereich hat Patagonia vor allem mit seinen Wetsuits aus Yulex™ Naturkautschuk einen großen Einfluss, seit 2016 ist Patagonia neopren frei. Patagonia stellt das Material auch anderen Firmen zur Verfügung und langsam aber sicher wird es auch genutzt.

Doch es gibt auch Kritik. Diese betrifft oft Zulieferbetriebe, meist reagiert Patagonia dann schnell. Der Spiegel macht Widersprüche im Anspruch deutlich, nachhaltige Outdoorkleidung machen zu wollen. Auch Patagonia selbst ist klar darüber, dass es noch viel zu verbessern gibt. Das Wichtigste wäre aber, mehr Menschen würden die berühmte Werbung beim Wort nehmen: “Don’t buy this jacket”.

Marke Patagonia
Herstellungs-Transparenz 4/5
Zertifikate und Programme GOTS, Fairtrade, RWS, FSC, 1% FTP, weitere
Beurteilung “sehr gut”
Produkte Outdoorkleidung, Wetsuits
Besonderheiten Reparatur-Service, Qualität

Picture

Picture ist ein relativ junges französisches Unternehmen, das vor allem Surf und Snowboard Kleidung produziert. Der Anspruch der Marke ist, dass “eine ökologisch konzipierte Jacke den Verbraucher dasselbe kostet, wie eine normale Jacke.” Ist das realistisch? Und was macht Picture dafür? Picture stellt die Informationen jedenfalls bereitwillig ins Netz. Die Marke nutzt vielfach umweltfreundliche Materialien.

Allerdings: Die Entscheidung beim Preis konkurrenzfähig sein zu wollen wirkt sich auch auf die Herstellung aus. Produziert wird hauptsächlich außerhalb Europas. Die Verarbeitung und damit die Haltbarkeit vieler Kleidungsstücke ist durchschnittlich. Die Seite “Good on You” benotet Picture mit “Good”, in Bezug auf die Nachhaltigkeits-Bemühungen.

Marke Picture
Herstellungs-Transparenz 4/5
Zertifikate und Programme B-Corp, GOTS, Fair Wear, weitere
Beurteilung “gut”
Produkte Outdoorkleidung, Wetsuits
Besonderheiten Relativ (zu?) günstig

Vissla

Vissla ist eine Marke des jungen US-amerikanischen Modeunternehmens Stokehouse Unlimited. Erst seit 5 Jahren sind die Kalifornier am Markt, also in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit durchaus schon ein Thema ist. Und Vissla gibt sich sehr bemüht. Konkrete Ergebnisse gibt es aber nur bedingt. Die Informationen muss man sich aus einem animierten Imagefilm sammeln. Demnach werden 55% der Kleidung aus biologischen oder recycelten Materialien gefertigt.

Es gibt einen Verhaltenskodex für Zulieferer, der allerdings nur das Mindeste beinhaltet. Bisher macht Vissla pro Kategorie jeweils eine “Öko-Linie”. Die Wetsuits sind allerdings aus Kalkstein-Neopren, was nur ein kleine Verbesserung zu herkömmlichen Neopren ist. Mehr dazu in unserem Neoprenanzug Test. Vissla macht nicht genug, um sich glaubhaft als nachhaltige Surfmarke zu präsentieren. Aber sie verbessern sich relativ schnell.

Marke Vissla
Herstellungs-Transparenz 2/5
Zertifikate und Programme Keine Infos
Beurteilung “erste Schritte”
Produkte Surfmode, Wetsuits
Besonderheiten ?

Twothirds

Zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt, daher der Name. Die Modemarke steht für den beginnenden Erfolg einer möglichst nachhaltigen Textilproduktion. Hergestellt werden die Produkte in Europa, in Frankreich, Italien und Portugal. Ein großer Teil der Produktlinie wird auf Vorbestellung gefertigt. So wird eine Überproduktion vermieden. Twothirds vertreibt die Klamotten direkt über die eigene Website. Ein Problem dabei: Retouren. Nicht immer passt die Kleidung. Die Retouren kosten 20 Euro, auch, damit nicht wahllos bestellt wird. Es kann aber natürlich sein, dass nicht passende T-Shirts dann behalten werden und nicht getragen.

Nachhaltige Surfmode: TwoThirds
Vissla Walkshorts, TwoThirds T-Shirt. Schwere Qualität. / Juli Wey für milchplus.de

TwoThirds macht keine nachvollziehbaren Angaben zu den Ausgangsmaterialien, nur dass sie organisch, recycelt und/oder abbaubar seien. Two thirds kompensiert seinen CO2 Ausstoß mit einem Partnerunternehmen, macht aber keine genauen Angaben über die Maßnahmen und die Kosten pro Tonne. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen seit 2021 klimaneutral, inklusive Fertigung und Transport.

Marke TwoThirds
Herstellungs-Transparenz 2/5
Zertifikate und Programme Keine Infos
Beurteilung “gut”
Produkte Bekleidung
Besonderheiten Auf Vorbestellung

Salzwasser

Salzwasser ist ein junges Modelabel aus Hamburg – gerade feierte die Marke ihr Zweijähriges. Das Label ist in dem Sinne keine Surfermarke, wie auch TwoThirds. Aber ein Ozean-Bezug ist schon da und auch des Namens wegen ist die Marke bei Surfer*innen vor allem in Deutschland sehr beliebt. Salzwasser schützt über einen gemeinnützigen Verein gleichen Namens die Weltmeere. Dafür gehen 1 bis 4 Euro pro Produkt an den Verein. Salzwasser bindet Konsumenten in die Gestaltung der Produkte ein und bietet ein hohes Maß an Transparenz. Die Produkte sind hochwertig und eher hochpreisig.

Salzwasser verkauft die Pullis, T-Shirts und Seemannsmützen direkt über den eigenen Webshop. Normalerweise verdienen Läden etwa 40% am Verkaufspreis. Entsprechend ist Direktdistribution ein wirksames Mittel, um die Gewinnmarge zu erhöhen und um hohe Produktionskosten zu finanzieren. Produziert wird in Deutschland und Portugal. Die zertifizierte Bio-Baumwolle kommt aus Indien.

Marke Salzwasser
Herstellungs-Transparenz 4/5
Zertifikate und Programme GOTS, GRS, OCS, OekoTex 100
Beurteilung “sehr gut”
Produkte Bekleidung
Besonderheiten Direktvertrieb, hohe Spendenquote

Florence Marine X

John Florence ist einer der besten Surfer der Welt. Und äußerst zurückhaltend im Umgang mit Medien. Zu seinen Hobbies gehören Imkern, Segeln und analoge Fotografie. Kurz: Man nimmt es ihm ab, wenn er sagt, dass er mit Florence Marine X die bestmöglichen Produkte herstellen möchte, mit dem geringstmöglichen Schaden für Mensch und Natur.

Die Schwierigkeiten sind aber zahlreich. In der Praxis dürfte das Start-Up die branchenüblichen Probleme erwarten. Marine X nutzt Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle und recyceltes Polyester, macht aber keine Angaben zur genauen Provenienz und zu Zertifikaten.

Marke Florence Marine X
Herstellungs-Transparenz 2/5
Zertifikate und Programme Keine Infos
Beurteilung “gut”
Produkte Surfwear, Wetsuits, Bekleidung
Besonderheiten Qualität, Mitgliederboni

Salty Concepts

Salty Concepts ist ein kleines Surfmode-Label aus Köln. “Wir (…) produzieren in Kleinserie, nachhaltig und fair” heißt es auf der Website. Ist es einfacher als kleine Marke nachhaltig zu produzieren? Wahrscheinlich schon. Aber Salty Concepts produziert gar nicht selbst, sondern bedruckt nur GOTS zertifizierte bzw. recycelte Stücke. Die Farben für das Siebdruckverfahren sind auf Wasserbasis und “somit sind die Farben (…) nach den Kriterien des Öko-Tex 100 Standard.” Zertifiziert sind sie aber nicht.

Marke Salty Concepts
Herstellungs-Transparenz 2/5
Zertifikate und Programme GOTS
Beurteilung “gut”
Produkte Surfmode
Besonderheiten Mini-Label

Langbrett

“Weniger, aber besser kaufen”, das ist das Langbrett-Motto. Nicht nur die Devise erinnert an Patagonia. Der erste Shop in Berlin von Langbrett ist ein Patagonia-Store – mit Langbrett Produkten. Und Langbrett macht immer mehr: Beliebt sind vor allem die Sweatshirts und Schuhe. Vor allem bei den Schuhen ist Langbrett State of the Art of Closed Loop. Langbrett arbeitet auch mit Vaude und Hessnatur zusammen. Shops gibt es in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt.

Marke Langbrett
Herstellungs-Transparenz 4/5
Zertifikate und Programme GOTS, KBT
Beurteilung “sehr gut”
Produkte Surfmode
Besonderheiten Surfer für Surfer

Oy surf

Dieses Modelabel führen wir auf, weil es ein typisches Insta-Erfolgsmodell fährt. Warum gibt es keine Surf-Bikinis, die den Namen verdienen? Dieses Problem war der Gründungs-Funke 2012. Heute macht Oy surf Surf-Bikinis und Yoga-Mode. Im Vordergrund steht der Anspruch an die Funktion. Die komplette Kleidung der Marke ist aus recyceltem Plastik. Ein Industrieabfall-Polyamid namens Econyl® wird für die einfarbigen Surf-Bikinis und Yoga Leggings verwendet. Bedruckte Stücke sind aus recyceltem Polyester. Allerdings ist in allen Oy Sachen Elastan. Das ist in der Produktion schlecht und verhindert das neuerliche Recycling, außerdem wird es vergleichsweise schnell brüchig. Produziert wird in Portugal.

Marke Oy surf
Herstellungs-Transparenz 3/5
Zertifikate und Programme keine Infos
Beurteilung “Ok”
Produkte Surfwear
Besonderheiten Surfwear für Frauen

Weitere Surfmarken mit Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit

Outerknown: Die Marke von Kelly Slater hat einen mit Patagonia vergleichbaren Anspruch. Dank des bekannten Gesichts hat Outerknown in kurzer Zeit eine gewisse Reichweite aufgebaut. Und kooperiert mit klassischen Modemarken. 90% des verwendeten Materials ist Bio oder recycelt. Das ist schon ziemlich gut. Outerknown fokussiert sich auch auf die Arbeitsbedingungen. Leider gibt es die Marke nur in wenigen Shops in Europa:
Outerknown bei Surfdome

Soöruz: Ist eine französische Marke für Surfmode. Seit 2015 macht Soöruz auch Wetsuits und war dabei eines der ersten Unternehmen nach Patagonia, die Yulex nutzten. Soöruz entwickelte aber weiter und macht heute Wetsuits aus einem Mix aus Naturkautschuk, Zucker und Austernschalen. Das versteht man, wenn man mal in Saint-Malo Austern essen will: Der Strand besteht nur aus Schalen.
Zu den Wetsuits von Soöruz

Wavepatrol: Die Produkte des kleinen Münchner Labels bestehen “idealerweise aus umweltfreundlichen, recycelten und wiederverwendbaren Materialien.” Das gilt aber längst nicht für alle Produkte und scheint eher Marketing als Überzeugung.
Wavepatrol bei Santo Loco in München

Rebel Fins: Finnen aus recyceltem Plastik. Das Produkt selbst ist natürlich eine super Idee. Wichtiger ist aber wahrscheinlich, noch mehr Surfer*innen auf das Plastikproblem aufmerksam zu machen.
Zur Website von Rebel Fins

Ist Rip Curl nachhaltig? Was ist mit den anderen Surf-Marken?

Hurley ist eine Marke von Nike. Die Marke mit dem Swoosh wiederum wurde gerade von einem deutschen Rechercheverbund dabei ertappt, wie sie neue Schuhe shredderten. Hurley hat ein paar Ziele für sozial gerechtere und nachhaltigere Produktion formuliert, macht aktuell aber noch fast nichts in die Richtung. Lediglich einige Boardshorts enthalten recyceltes Polyester – zu rund einem Drittel. Der Rest ist konventionelle Baumwolle und Spandex. Das als “sustainably sourced” zu bewerben ist eher Greenwashing als echte Bemühung. Die Wetsuits sind aus Kalksteinneopren.

O’Neill ist eine Surfmarken mit der längsten Historie: Hier gab es den ersten Wetsuit und die erste Leash. Das Unternehmen gibt es seit 1952. Seit 2018 veröffentlicht O’Neill Nachhaltigkeitsberichte. Die Corona Krise habe hier nochmal zu einem Umdenken geführt, heißt es im aktuellen Bericht. Neben den aktuellen Erfolgen sind ziemlich ambitionierte Ziele formuliert. Etwas erschwert wird die Nachvollziehbarkeit, weil O’Neill sich für die besseren Produkte ein eigenes Label verpasst hat: O’Neill blue. 2020 waren 63% der Produkte “blue”. Dafür müssen die Produkte zu mindestens 40% aus “preferred material” der Kategorien “good” und “best” sein. Darunter fallen recycelte Materialien, Bio Baumwolle, aber auch Fairtrade Baumwolle (die nicht Bio sein muss) oder konventioneller Hanf und Leinen. Ein bisschen eine Mogelpackung, trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Und nachvollziehbar, wenn man sich die Mühe macht.

Rip Curl mache nicht genug für die Umwelt und nicht für die Arbeiter in den Zulieferbetrieben. Das ist das Fazit der Rating-Website Good on you. Weder gebe es Bemühungen, gefährliche Chemikalien zu ersetzen, noch den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Tatsächlich tut sich nur langsam etwas: Es gibt eine Kollektion aus recycelten Materialien. Gerade ist Rip Curl der better Cotton Initiative beigetreten und hat sich verpflichtet, dass bis 2025 65% der Baumwolle deren Standards erfüllt. Produktmanager Nichol Wayle wird in der Pressemitteilung dazu zitiert: Es sei ein langer Weg, “daher wollten wir uns ein realistisches Ziel setzen, von dem wir überzeugt sind, dass wir es erreichen können. Sobald wir es erreicht haben, freuen wir uns darauf, uns von diesem Ziel aus weiter zu entwickeln.”

Quiksilver / Roxy wird in Bezug auf Nachhaltigkeit von Good on you sogar mit “we avoid” bewertet, also noch schlechter als Rip Curl. Allerdings sieht man das bei der Marke anders. In Versalien prangt die Botschaft prominent auf der Website: Nachhaltigkeit sei in den vergangen 20 Jahren in die DNA des Unternehmens übergegangen. Es gibt eine Produktlinie aus REPREVE® einem Gewebe aus recyceltem Polyester. Aktuell gibt es 103 Produkte in der Kategorie Nachhaltigkeit bei Quiksilver. Bei Roxy Europe sind 276 als nachhaltig getagged. Good on you kritisiert vor allem, dass Boardriders, die Mutterfirma, keine nachvollziehbaren Informationen herausgebe.

Billabong, DC Shoes, RVCA und Element gehören ebenfalls zu Boardriders (wie Roxy und Quiksilver). Billabong macht immerhin einen neopren freien Wetsuit, wird von Good on you aber ebenfalls mit “very poor” bewertet. Ähnlich sieht es bei den anderen Brands von Boardriders aus.

Volcom gehört zur Authentic Brands Group. Die Marke wird von Good on you als “very poor” bewertet. In die Bewertung fließt eine Einschätzung des Umweltschutzes, der Arbeitsbedingungen und des Tierschutzes. Vor allem in Bezug auf nachhaltige Materialien wird Volcom sehr schlecht bewertet. Allerdings hat Volcom deutlich mehr Produkte aus Biobaumwolle, Repreve® und ECONYL® als die in dieser Kategorie genannten Bewerber. 

Was kann man tun, um nachhaltiger zu konsumieren?

Woran kann man nachhaltige Kleidung erkennen?

Second-Hand Kleidung

Am einfachsten ist es, nur gebrauchte Kleidung zu kaufen. Egal unter welchen Bedingungen sie gefertigt wurde, die Schadstoffe sind größtenteils schon in der Umwelt. Das gilt freilich nicht immer: So enthielten die bis vor kurzem gängige Beschichtungen von Outdoorklamotten oder Boardshorts per- und polyfluorierte Carbone. Sie gelangen zum Beispiel durch Auswaschen in die Wasserversorgung. Eine gesteigerte Nachfrage durch den Kauf von nicht nachhaltiger Kleidung ist dagegen zu vernachlässigen.

Nachhaltige Surfmode: Second Hand Kleidung
Second-Hand Pullover aus Merinowolle, Second Hand Hose aus Baumwolle / Juli Wey für milchplus.de

Die beste Adresse, um gebrauchte Surfmode zu finden ist Ebay Kleinanzeigen. Auch auf Vinted und Momox Fashion findet sich Mode von Rip Curl, Billabong, Patagonia und anderen Surfmarken.

Zertifikate

Zertifikate sollen Transparenz schaffen: Sie setzten Mindeststandards, auf die sich der Verbraucher verlassen kann. Dabei gibt es zwei Probleme. Das erste ist, dass es so viele Zertifikate gibt, das man kaum den Überblick behalten kann. Das zweite ist, dass die Zertifikate meist Gebühren verlangen. Das heißt, sie haben in vielen Fällen ein Interesse daran, mehr Unternehmen zu zertifizieren.

  • Global Organic Textile Standard (GOTS)

Dieses Siegel wird vom Verband der Naturtextilwirtschaft iVN vergeben. Dabei gibt es zwei Siegel, einmal für Kleidung mit 75-95% Naturfasern (hier wird der genaue Prozentsatz angegeben) und einmal für Kleidung mit 95% Bio-Naturfasern und mehr. GOTS ist der Standard für Bio-Baumwolle. Zusätzlich gibt es soziale Mindeststandards. Auch Verarbeitungs- und Färbemittel dürfen nur begrenzt eingesetzt werden. 2020 steigerte sich die Zahl der GOTS zertifizierten Fabriken um 34% auf 10388. U.a. haben Patagonia, Salzwasser und Picture GOTS-zertifizierte Kleidung.

  • iVN BEST

iVN Best wird ebenfalls vom Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben, hier sind die Anforderungen noch etwas höher als bei GOTS: Zertifiziert werden kann Kleidung aus 100% Bio-Naturfasern. Für alle Schritte der Herstellung vom Anbau bis zum Färben gelten strenge Vorgaben. Zusätzlich definiert das Siegel Sozialstandards. Nach unseren Erkenntnissen ist keine Surfmarke iVN Best zertifiziert. Das ROC-Siegel, das von Patagonia mitgegründet wurde, hat vergleichbare Standards.

  • Regenerative Organic Certified (ROC™)

ROC™ ist das recht neue (2019) Siegel einer Allianz aus Farmern, Unternehmen und Umweltexperten. Das Zertifikat, das sich an Nahrungsmittelproduzenten wie an Textilunternehmen richtet, basiert auf drei Säulen. Bodengesundheit, Tierfreundlichkeit und sozialer Fairness. Der amerikanische Winzer Jason Haas sagte der Washington Post, dass er glaube, dass ROC der Goldstandard bei Weinen werde. Das Label habe einen dem Demeter Siegel vergleichbaren Anspruch ohne die Mystifizierung. Tatsächlich geht das Siegel sogar noch weiter: Die Bodenqualität soll durch den Anbau sogar wieder besser werden, daher das “regenerativ”. Wie auch immer, ROC wird von Patagonia, Dr. Bronner und dem Rodale Institute finanziert.

  • bluesign® Standard

Voraussetzung für die Vergabe des Siegels ist die Einhaltung des UN Global Compact, ein Abkommen der vereinten Nationen für mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Das Abkommen formuliert 10 Grundsätze zu den Themen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention. Zusätzlich gibt es Bedingungen für die Nutzung von Chemikalien und für den Produktionsprozess. Viele große Unternehmen arbeiten mit bluesign zusammen. Zertifizierte Produkte gibt es z.B. bei Outerknown und Patagonia. Zu bluesign.

  • Öko-Tex

Dieses Siegel zertifiziert die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte. Textilien werden auf Schadstoffe geprüft. Der Öko-Tex Standard 100 ist weit verbreitet. Geprüft werden lediglich Proben, nicht die Fabriken. Die Textilien von Salzwasser sind überwiegend Öko-Tex zertifiziert.

  • Fairtrade Certified Cotton

Das Fairtrade Logo ist eines der bekannteren Siegel. Es zertifiziert eine Vielzahl an Produkten, auch Baumwolle. Dafür müssen faire Preise und ein Bonus gezahlt werden, außerdem wird der Einsatz von Schadstoffen reglementiert. Patagonia hat einige Fairtrade zertifizierte Stücke im Angebot.

  • Fair Wear

Das Fair Wear Label wird von der Fair Wear Foundation vergeben. Ihre Kleider damit schmücken dürfen Mitgliedsunternehmen, die in die beste Kategorie (Leader) eingestuft werden. Bei Fear Wear geht es um die Arbeitsbedingungen im Produktionsprozess. Picture ist Mitglied bei Fair Wear, allerdings kein “Leader”.

  • Global Recycled Standard (GRS)

Das GRS wird von der gemeinützigen Organisation Textil Exchange vergeben. Es soll den Unternehmen helfen, den Anteil von recycelten Materialien in ihren Produkten zu erhöhen und enthält Bestimmungen zur Weiterverarbeitung und der Verwendung von Chemikalien. Textil Exchange hat außerdem Siegel im Programm.

Nicht nur auf Nachhaltigkeit achten, sondern auch auf Qualität

Das allerwichtigste Frage bei einem neuen Kleidungsstück ist immer: Brauche ich das? In den meisten Fällen ist die Antwort klar. Wenn aber trotzdem ein neues Stück her soll, dann ist die Qualität und Verarbeitung entscheidend. Der größte Teil der Emissionen, Schadstoffe und des Wasserverbrauchs gehen auf die Produktion zurück. Je länger ein Kleidungsstück getragen wird, desto nachhaltiger ist es.

Nachhaltige Surfmode: Auf Qualität achten
Patagonia Synchilla® Snap-T® Fleece Pullover aus recyceltem Polyester. 100+ Mal getragen, keine Abnutzung. / Juli Wey für milchplus.de

Viele Surfmarken kommen aus einer Zeit des gnadenlosen Hedonismus. Diese Markentanker wie RipCurl, Billabong oder O’Neill sind mit der Branche groß geworden. Dabei hat kaum eine Marke darauf geachtet, was das Wachstum mit der Umwelt macht. Mittlerweile haben einige umgedacht, aber für einen radikalen Wandel scheint die Surfmode noch nicht bereit. Einzelne Produkte sind aber bei fast allen Marken aus zertifizierten nachhaltigen Rohstoffen oder aus recycelten Materialien. Kauft ausschließlich solche Produkte, dann merken sie es vielleicht schneller.

Reparieren

Einige Unternehmen ermuntern ihre Kunden zur Reparatur. Im Idealfall werden kleine Reparaturen selbst gemacht, damit die Kleider nicht verschickt werden müssen. Oft finden sich Reparaturhinweise auf den Internetseiten der Unternehmen. Wer sich das nicht zutraut, kann auch in ein Repair-Café gehen. Auf dieser Internetseite kann man sich über das Prinzip informieren und Cafés in der Nähe finden. 

Bei Patagonia kann man beschädigte Kleidung in die Shops bringen, die Mitarbeiter sind geschult, kleinere Reparaturen durchzuführen. Bei größeren Schäden können die Stücke eingeschickt werden.

Richtig recyceln 

Wenn das Lebensende eines Kleidungsstücks gekommen ist, dann muss es noch richtig recycelt werden, um den Impact auf die umwelt zu reduzieren. Einige Unternehmen nehmen Kleidung zurück, vorgeblich um sie zu recyclen. Mit der Sneakerjagd deckt ein Rechercheverbund gerade auf, dass da oft nicht viel dahintersteckt. Das Problem ist, dass es durch Fast Fashion viel zu viel Kleidung zum sogenannten Downcycling gibt: Da werden dann Dämmstoffe daraus. Das Sortieren ist dagegen zu aufwändig, am Ende wird kaputte Kleidung in der Regel verbrannt. Der Dachverband der gemeinnützigen Altkleidersammler in Deutschland FairWertung empfiehlt deshalb, wirklich kaputte Kleidung direkt in den Hausmüll zu geben.

Was aber, wenn die Kleidung noch gar nicht kaputt ist? Auch dann ist die Sache gar nicht so einfach. Die Comic-Zeichnerin Sarah Mirk hat für Patagonia eine Geschichte über das Ausmisten ihrer Kleider gezeichnet (auf englisch). Werbung, aber lehrreich und unterhaltsam!

Nachhaltige Surfmode kaufen

Meist muss man die nachhaltigeren Stücke (so ganz nachhaltig ist Mode wie gesagt ja nie) meist im Internet direkt bei den Anbietern bestellen. Alternativ finden sich auch Vertriebspartner auf den Websites. Surfshops, die nur Mode aus ökologischen oder recycelten Materialien anbietet gibt es (noch) nicht. Die Auswahl wäre auch nicht so groß.

Oft gefragt zum Thema nachhaltige Surfmode

Welche Marken produzieren nachhaltige Surfmode?

Es gibt nur wenige große Marken, die überwiegend “nachhaltig” produzieren. Und auch deren Produkte können meist noch verbessert werden. Dazu gehören Patagonia, Picture, Soöruz, Outerknown, Florence Marine X, Langbrett und finisterre. Außerdem gibt es einige Ozean-nahen Modemarken wie TwoThirds und Salzwasser. Und sehr viele Mini-Marken wie Salty Concepts, die nicht selbst Kleidung produzieren aber nur Bio bzw. recycelte Mode bedrucken und vermarkten.

Was sind die größten Probleme?

Die Produktion von Kleidung ist enorm umweltbelastend. Der Anbau von Baumwolle braucht viel Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Tierische Materialien sind häufig sehr problematisch. Viele Chemikalien, die eingesetzt werden sind giftig oder gesundheitsschädlich. Dazu kommt, dass in vielen Produktionsländern unter menschenunwürdigen Bedingungen gearbeitet wird. Das größte Problem ist, dass all das zu wenig wahrgenommen wird.

Ist Rip Curl nachhaltig?

Nein. Rip Curl hat erste Schritte gemacht und produziert einen Teil der Produkte aus recycelten Materialien. Weit mehr aber werden konventionell gefertigt. Die Rating-Website Good on You bewertet Rip Curl in Bezug auf Nachhaltigkeit, Tierschutz und Arbeitsbedingungen mit “not good enough”

Was sind die wichtigsten Umweltsiegel für Surfmarken?

Das wichtigste ist wohl das GOTS Siegel, das Bio-Baumwolle zertifiziert. Wichtig ist auch das Öko-Tex Siegel, es bescheinigt aber nur Schadstofffreiheit und ist in dem Sinne kein Umweltsiegel. Wenige Kleider werden nach den Maßgaben des Fair Trade hergestellt. Die Siegel von Textile Exchange sollen die Provenienz von Recycling-Material kontrollieren.

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