Neoprenanzug im Test: Kaufratgeber & Tipps 2020

Neoprenanzug im Test: Kaufratgeber & Tipps 2020

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Wie funktionieren Wetsuits? Wie werden sie gemacht? Gibt es umweltfreundliche Alternativen? Und natürlich, zuallererst: wie finde ich den richtigen Wetsuit? Dieser Guide bringt Licht ins Dunkel.

→ Das hier ist ist mein allwissender Ratgeber zum Thema Wetsuits. Los geht es aber mit der Abkürzung: Wie finde ich den richtigen Neoprenanzug – eine Kurzanleitung. Wenn du dich tiefer gehend mit dem Thema beschäftigen möchtest (und das würde ich dir empfehlen vor dem Wetsuit-Kauf) kannst du diese Anleitung überspringen. Denn die ist nur ein Rezept: Erstens können dir beim Nachkochen Fehler unterlaufen und zweitens unterscheiden sich die Geschmäcker. Besser ist daher, sich mit Hintergrundwissen vollaufen zu lassen, wie ein billiger Wetsuit oder ein Aussie auf Bali (Sorry Mates!).

→ Ich bin Surfer. Also Wellenreiter. Und deshalb sind Wetsuits zum Surfen mein Thema. Von Tauchanzügen habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Trotzdem hilft dir dieser Artikel (hoffentlich), auch wenn du einen Neoprenanzug zum SUPen, Schnorcheln, zum Kiten oder Windsurfen oder für was auch immer suchst. Die Anforderungen an so einen Wettie sind beim Surfen ziemlich groß. Und verdammt, die großen Surffirmen machen das jetzt auch schon seit fast 7 Jahrzehnten. So falsch kannst du also mit einem Surf-Neo nicht liegen, außer du suchst einen Trockenanzug oder etwas wirklich spezifisches.

Neoprenanzug im Test: Der Autor an einem kalten Herbsttag in Portugal.
Mit einem ordentlichen Neopernanzug kommst du auch bei kalten Wassertemperaturen wegen einer totalen Plättung aus dem Wasser und nicht, weil dir kalt ist.

Update: Wir haben dem Guide ein kurzes Kapitel zu den Unterschieden zwischen den Neos für verschiedene Sportarten hinzugefügt.

Wie finde ich den richtigen Neo zum Surfen? (Die Abkürzung)

  1. Wassertemperaturen recherchieren

    Überlege dir gut, wo (und wann!) du dich mit deinem Wetsuit ins Wasser werfen möchtest. Welche Wassertemperaturen dich erwarten, kannst zum Beispiel in unseren regionalen Guides nachlesen.

  2. Neo Typ auswählen

    Je nach Wassertemperatur gibt es kurze Neoprenanzüge (Shortys und Springsuits) oder lange Wetsuits (Steamer). Diese Tabelle sollte dir beim Zuordnen helfen.

  3. Die richtige Dicke

    Mit den Wassertemperaturen und deiner persönlichen Einschätzung findest du heraus, wie dick dein Neo sein sollte. Am häufigsten werden für Europa Steamer / Fullsuits in der Dicke 3/2 mm gekauft. Solche Wetsuits kann man etwa bei Wassertemperaturen zwischen 15°C und 22°C tragen, also im Sommer und Herbst zwischen Irland und Portugal.

  4. Performance und Komfort

    Ist dir eine gute Passform und viel Flexibilität wichtiger oder soll der Neo dich nur warm halten? Wenn du nur selten surfst, dann brauchst du eher ein solide verarbeitetes Modell, als einen Performance-Suit.

  5. Budget checken

    Bei Wetsuits bekommt man (mit vielen Ausnahmen) die Qualität, die man bezahlt. Dabei gibt es Unterschiede:

    bei der Verarbeitung, hier sollte man keine Abstriche machen
    bei der Verklebung und den Nähten, dieser Punkt wird mit kälteren Wassertemperaturen zunehmend wichtiger
    beim Verschluss: Chest-Zips sind am teuersten, lohnen sich aber schnell
    beim Innenfutter: Ein Feature, dass wichtig aber verzichtbar ist (wieder: je kälter, desto wichtiger)
    beim Material: Yulex von Patagonia ist einfach teurer, dafür aber wesentlich umweltverträglicher

  6. Informationen zusammenführen

    Nun weißt du, welche Neodicke du brauchst und was du ausgeben willst. Vielleicht schwankst du auch zwischen zwei Dicken? Wenn du am unteren Ende der Temperaturskala bist (also für einen 3/2 er bei etwa 15°C), kannst du statt dem dickeren eventuell einen wärmeren Neo kaufen, also einen, der besser verklebt ist und ein wärmeres Innenfutter hat. Kurz gesagt: Ein teureres Modell. Generell gilt: Wenn du einen sehr großen Temperaturbereich abdecken willst, greif am besten zu einem teureren Anzug.

  7. Deine Größe herausfinden

    Der dickste Neo hält dich nicht warm, wenn er dir zu groß ist. Es ist also wirklich entscheidend, dass er passt. Die Wetsuits werden mit der Zeit etwas größer, vor allem aber fühlen sie sich nass größer an. Und weil du ihn wahrscheinlich trocken anprobierst, sollte er bei der Anprobe entsprechend sehr eng sitzen. Bewege dazu Arme und Beine, versuch in die Knie zu gehen und hebe die Arme seitlich über die Brust. Der Neo muss überall eng anliegen! Wenn du das Gefühl hast, keine Luft zu bekommen oder die Arme nicht über den Kopf bekommst, dann – ja, dann ist er zu eng. Alle Hersteller bieten mittlerweile gute Größentabellen auf ihren Websites. Wenn du normal gebaut bist und dich gründlich einliest, ist es vertretbar, einen Neo online zu bestellen. Aber um den besten Neo für dich zu finden, musst du ein paar anprobieren.

  8. Kaufen

    Zusammengefasst: Kauf einen Neo, der dir wirklich passt! Kauf den besten Neo, den du dir leisten willst! Du wirst es nicht bereuen. Häufig lohnt es sich auf die Abverkäufe im Herbst zu warten.

(Warum) Brauche ich überhaupt einen Wetsuit?

Oder brauche ich am Ende sogar zwei? Wetsuits halten uns im Wasser warm. Ohne könnten wir den Sport nicht so ausüben, wie wir das heute tun: Im Herbst geht es nach Mundaka, im Frühling nach Hossegor und im Winter zum Surfen an der Algarve. Ohne Wetsuit ist natürlich immer schöner, ich fühle mich einfach agiler und surfe mehr Wellen. Theoretisch sollte auch mein Surfen an sich besser sein ohne Neo – denn die Gummischicht raubt den Bewegungen Energie. Praktisch bin ich mir nicht so sicher, ob ich wirklich explosiver bin ohne den Wetsuit. Auf jeden Fall bin ich ausgesprochen schnell in meinem Wetsuit, wenn die Wellen gut sind. Und das ist (in Europa) eben meistens zwischen Herbst und Winter, wenn das Wasser auf 11 bis 18 Grad kommt. Das ist ziemlich genau die Spanne, die Normalos mit Neo ohne Testikelschwund überstehen. Dafür wurden Wetsuits erfunden!

Wenn du jetzt schon überzeugt bist, dass du einen eigenen Neo brauchst, dann wahrscheinlich, weil…

  • du einfach keine Lust auf Leih-Wetsuits hast
  • du bisher immer Verleih Neos hattest, die nicht richtig gepasst haben und auch nicht richtig warm gehalten haben
  • du in eine Region möchtest, in der man sich nur schwer überhaupt Material leihen kann
  • du einen längeren Surftrip planst und es sich jetzt einfach mal lohnt
  • du in Zukunft öfter Surfen gehen willst und es praktischer, günstiger und wärmer ist, einen eigenen, guten Neo zu haben

und wenn ich jetzt noch weiter spekuliere, dann suchst du wahrscheinlich nach dem einen Wetsuit, der dich möglichst überall hin begleitet. Das ist aber nur realistisch wenn du immer bei ähnlichen Wassertemperaturen unterwegs bist. Etwa im Herbst zwischen Hossegor und Asturien. Dann bist du aber halt irgendwie geneigt, immer wieder an Orte zu fahren, die deinen Neo nicht überfordern. Kurzum, eine gewisse Temperatur-Range kann ein Neoprenanzug schon abdecken, die allermeisten SurferInnen in Europa haben aber (mindestens) zwei Wetsuits.

Neoprenanzug im Test: Im Winter in Galizien mit Steamer, Haube und Booties.
Dick eingepackt mit Steamer, Haube und Booties bei knapp 12°C Wassertemperatur im Winter in Galizien.

→ Vielleicht denkst du darüber nach, dir einen dünneren Neo zu kaufen und ihn mit einer Weste oder einem Lycra flexibel dicker zu machen. Gute Neos sind so passgenau und wasserdicht (vor allem am Hals), das es mindestens unkomfortabel ist, etwas drunter zu ziehen. Und drüber bringt fast nix, weil das Wasser einfach unter dem Lycra durchläuft. Das einzige, was einigermaßen funktioniert, sind Neoprenwesten mit Kapuze.

Ach so, neben Wärme haben Neos auch noch weitere Benefits: Sie geben richtig gut Auftrieb, was wiederum ein echter Sicherheitsfaktor ist, und sie schützen dich vor der Sonne und ein bisschen auch vor dem bösen Riff.

Die richtige Wetsuit Dicke für verschiedene Wassertemperaturen

Mit Dicke meine ich die Stärke des Neoprens. Da gibt es alles zwischen einem und 7 mm. Je dicker der Neoprenanzug ist, desto länger hält er dich warm. Allerdings kann man nicht einfach den dicksten Neo der Welt kaufen und ist dann immer auf der warmen Seite des Lebens – denn es gibt tatsächlich auch ein zu warm, das fühlt sich nicht gut an und der Körper braucht Energie, um abzukühlen. Und außerdem: Je dicker der Wetsuit, desto eingeschränkter bist du in deinen Bewegungen. Der richtige Wetsuit tanzt also immer auf dem schmalen Seil zwischen Flex (Beweglichkeit) und Wärme.

Die Tabelle ist eine Orientierung. Bedenke aber, dass das Kälteempfinden sehr unterschiedlich ist!

Wassertemperatur Wetsuit-Typ Dicke
23°C und mehr Boardshort, Rashguard
18°C – 24°C Top / Shorty  1 mm – 2/1 mm
17°C – 20°C Springsuit / Steamer 2 mm – 3/2 mm
15°C – 17°C Steamer, (Booties) 3/2 mm – 4/3 mm
11°C – 15°C Steamer, Booties, (Haube) 4/3 mm – 5/4/3 mm
8°C – 11°C Steamer, Booties, Haube, Handschuhe 5/3 mm – 5/4 mm
unter 8°C Steamer, Booties, Haube, Handschuhe 6/4 mm – 6/5/4 mm
Die Wetsuitdicke (rechts) wird oft mit zwei Zahlen angegeben: Die erste gibt die Neoprendicke am Torso an, die zweite an Armen und Beinen. Werden drei Zahlen genannt, ist die zweite für die Beine und die dritte für die Arme.

Neben der Wassertemperatur spielen noch weitere Faktoren für das Wärmeempfinden eine Rolle:

  • Lufttemperatur
  • Wind
  • dein persönliches Kälte-/Wärmeempfinden
  • wie viel du dich bewegst

→ Normalerweise korrelieren Wasser und Lufttemperaturen. Allerdings hinkt das Wasser etwas hinterher, weil es eine höhere Wärmekapazität hat als die Luft. Soll heißen: Wenn es im Herbst abends kühler wird in Frankreich, ist das Wasser noch angenehm warm. Diese Tabelle orientiert sich an solchen europäischen Begebenheiten. Es gibt aber auch Regionen, in denen Luft- und Wassertemperaturen durch Winde und Strömungen ziemlich entkoppelt sind. Südwestafrika ist so ein Beispiel, oder auch Chile und Südperu. Orientiere dich immer an den Wassertemperaturen und nimm den Neo im Zweifel etwas dicker.

Neopren – was ist das überhaupt?

Der korrekte Name für den Hauptbestandteil deines Wetsuits ist Polychloropren oder auch Chloropren-Kautschuk. Neopren ist der Markenname, den sich die Firma DuPont um 1930 ausgedacht hat – und der ist eben hängen geblieben. Erstmal haben wir einen Thermoplasten (Chloropren). Der wird durch Vulkanisierung zu einem Elastomer (Gummi) und damit dehnbar (Neopren). Und für Wetsuits (oder andere Isolierungen) wird das Ganze dann noch aufgeschäumt. Dabei werden Millionen Gasbläschen im Material eingeschlossen – und eben die isolieren und halten dich im Wasser warm.

Neopren-Chips: So wird Chloropren-Kautschuk gehandelt.
Daraus werden Neopren Platten, hier schon beidseitig mit Nylon kaschiert.
Der fertige Neoprenanzug.

In allen Schritten des Verfahrens kommen bedenkliche Chemikalien zum Einsatz: Da ist der Vulkanisationsbeschleuniger Ethylenthioharnstoff, der als krebserregend gilt (und ein häufiges Allergen ist) oder das Umweltgift Bleioxid. Und natürlich ist das alles letztlich aus Erdöl. Dazu gibt es allerdings Alternativen.

Neoprenanzug im Test: Kalkstein Neopren ist nicht umweltfreundlich. Auf dem Bild ist eine Welle zu sehen, die über ein Kalkstein Riff bricht.

Limestone (Kalkstein) Neopren

Für einen Erdöl freien Wetsuit arbeiten einige Firmen mit Neopren aus Kalkstein. Ehrlich gesagt ist das aber eine Mogelpackung, denn der Extraktionsprozess ist wahnsinnig energieintensiv. Und Kalkstein braucht dann doch auch eine ganze Weile, um nachzuwachsen. Wie lang? Ein paar Millionen Jahre halt. Limestone Neopren, das muss man klar sagen, ist kein Schritt in die richtige Richtung. Links eine Welle über ein Kalksteinriff. Was wäre wohl in der Szene los, würden die Neos aus den weltbesten Riffs hergestellt?

Auf Kalkstein setzen mittlerweile einige Wetsuit Marken, wenigstens teilweise, und Start-Ups: SRFCE, Wildsuits aber auch Vissla und Quiksilver.

Neoprenanzug im Test: Ein umweltfreundlicher Naturkautschuk wird aus nachhaltigem Anbau produziert und von einigen Firmen verwendet.

Yulex™ Naturkautschuk

Der von Patagonia entwickelte Naturkautschuk Yulex ist das Maß der Dinge für Wetsuits ohne Petrochemie. Stand heute wird Yulex zu 85 % aus Naturkautschuk gemacht. 15 % sind aber auch weiterhin Synthetik-Kautschuk, vor allem wegen der Haltbarkeit. Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit das Material tatsächlich konkurrenzfähig ist, wenn auch Patagonia noch Synthetikkautschuk beimengt.

Ein weiterer Punkt ist, dass Kautschuk hauptsächlich in Südostasien als Monokultur angebaut wird. Das Vorgehen ist dabei mitunter ähnlich wie bei der Palmölgewinnung. Am besten wachsen die Bäume auf verbranntem Regenwald. Und auch aus frisch gerodetem Regenwald kann man Kautschuk gewinnen. Das schafft natürlich völlig falsche Anreize.

Patagonia kontrolliert daher mit Partnern vor Ort, dass der Kautschuk tatsächlich nachhaltig und (fair) produziert wird. Der gute Wille wird auch durch die Tatsache deutlich, dass Patagonia aus der Herstellung von Yulex kein Geheimnis macht, sondern es im Gegenteil der Branche offensiv ans Herz legt.

Neben Patagonia nutzt Soöruz das Material und mittlerweile auch ein paar klein Brands. Die Big Player haben aber anscheinend noch Angst umzuschwenken. Dabei würde ein Anruf bei Sheico (der Neoprenhersteller für fast alle Wetsuits der Welt) wahrscheinlich reichen.

Wetsuits

Jetzt wissen wir schon mal einiges über Neopren. Damit Wetsuits daraus werden, wird das Material in Panels geschnitten, Stoß auf Stoß verklebt, vernäht (jedenfalls meistens, dazu kommen wir noch) und mit einem Kunststoff kaschiert. Letzteres schützt das Neopren vor Beschädigungen und bringt zum Beispiel das “fast-dry” und andere Eigenschaften mit sich.

Die unterschiedlichen Wetsuit-Typen

Man unterscheidet Wetsuits danach, wie viel Haut sie bedecken:

Neoprenanzug im Test: Ein sogenanntes Top
Top: Nur ein Oberteil, das vor allem vor der Sonne schützt und nur wenig Wärme gibt
Neoprenanzug im Test: Ein Shorty von Hurley
Shorty: Der Anzug hat kurze Beine und Arme
Neoprenanzug im Test: Die Neovariante Long Jane
Long John / Long Jane: Ein absolut saucooler Anzug: Lange Beine, keine Arme. Kann sinnvoll sein, wenn man sich immer unter den Armen aufscheuert. Der Fokus liegt aber auf dem Style.
Neoprenanzug im Test: Ein klassischer Springsuit
Springsuit: Der Anzug bedeckt die Beine ganz und hat kurze Arme. Genau anders herum kommt aber auch vor, häufig bei Wetsuits für Damen (dann mit sehr kurzem Beinstück oder sogar ganz ohne)
Neoprenanzug im Test: Ein Steamer / Fullsuit von Ripcurl
Fullsuit / Steamer: Diese Neos machen den größten Teil der Wetsuits aus. Eigentlich logisch, wo es doch darum geht, möglichst lange im Wasser zu bleiben. Full Suits haben lange Beine und Arme. Steamer heißen die Wetsuits, wenn die Nähte wasserdicht versiegelt sind.
Neoprenanzug im Test: Ein Winteranzug mit integrierter Haube
Fullsuit mit Haube: Ein Steamer mit Kapuze. Mit diesen Kaltwasseranzügen kann man die kältesten Wasser der Welt besurfen.

→ Ab etwa 15°C ziehe ich mir zusätzlich Neoprenschuhe (Booties) an. Die gibt es auch in verschiedenen Dicken. Zusätzlich ist eine Kapuze sinnvoll, die schützt auch bei Wind gut. Und als letzte Maßnahme vor einer Session im Eiswasser werden auch noch Handschuhe übergestülpt.

→ Häufig werden Neos von den Models auf links getragen, damit man das Innenfutter sehen kann. Bei der Übersicht oben zum Beispiel der Steamer Bild 5

Wie funktionieren Wetsuits?

Es gab eine Zeitlang Experimente mit beheizbaren Neos. Aber eigentlich ist es das wunderbare Kraftwerk Körper, das die Wärme liefert. Ohne Wetsuit hast du allerdings bei kühlerem Wasser keine Chance: Wasser leitet Wärme einfach sehr gut und ein Körper kühlt darin etwa 25 mal schneller aus, als an der Luft. 

Wetsuits isolieren dich gegen das Wasser. In der Hauptsache durch die Bläschen, die beim Aufschäumen des Neoprens entstehen. Auch die Nylon Kaschierung kann wärmen. Je dicker der Neoprenanzug ist, desto besser isoliert er.

→ oft wird behauptet, es sei die dünne Wasserschicht zwischen Körper und Neo, die dich warm hält. Das ist Quatsch. Es ist schon der Neo selbst, und da eben das eingeschlossene Gas. Eindringendes Wasser ist nicht so schlimm, solange es eben drin bleibt und nicht ständig ausgetauscht wird. Noch besser wäre aber ein Anzug, in den gar kein Wasser kommt (und die gibt es ja auch). Das ist auch der Grund, warum es einen riesen Unterschied macht, ob dir der Anzug gut passt oder nicht.

Kaltes Wasser dringt üblicherweise durch die Halsöffnung ein. Aber auch der Reißverschluss und die Nähte sind Stellen, an denen Wasser in den Anzug kommen kann. Beides besprechen wir noch.

Wärme versus Beweglichkeit

Je dicker der Neo, desto besser die isolierenden Eigenschaften. Aber gleichzeitig wird es immer schwerer zu paddeln und außerdem hängt einem ein ziemliches Zusatzgewicht am Körper. Es ist einfach so: Wetsuits nerven. Jedenfalls, wenn man das Gefühl kennt, ohne zu surfen.

Wenn die Wetsuit Marken deshalb von einem bahnbrechenden neuen Neopren reden, meinen sie meistens, dass die Wetsuits wärmer werden, ohne dicker zu werden oder flexibler, ohne dünner zu werden. Und diese Stellschrauben werden gedreht!

Neoprenanzug im Test: Modernes Neopren ist sehr dehnbar.
Modernes Neopren ist unglaublich dehnbar. Hier Material von O`Neill. / (c) O’Neill
Neoprenanzug im Test: Durch Nylon Kachierungen können die Neos wärmer werden, obwohl die Neo-Stärke gleich bleibt.
Wärmer werden, ohne dicker zu werden? In der Regel wird mit Nylonhohl- und Mineralfasern experimentiert. / (c) Quiksilver
Neoprenanzug im Test: Kleber ist flexibler als eine Naht.
Die Nähte sind das unflexibelste an einem Neo. Die Marken nutzen daher immer öfter Kleber statt Nadel und Faden. / (c) O`Neill

Allerdings gelten besonders flexible Anzüge auch als weniger haltbar. Häufig sind die flexibelsten Anzüge im Sortiment die Performance Wetsuits. Für die meisten Surfer ist der Zugewinn an Flex aber nicht den Preis und die Einbußen bei der Haltbarkeit wert. Eine der jüngsten Volten schlägt hier Quicksilver mit einem 1mm dicken (dünnen) Neo für 720 Euro.

Die richtige Größe

Der alles überstrahlende Punkt! Dein Wunsch Neo ist im super-mega Schlussverkauf, nur leider eine Nummer zu groß? Schlag es dir aus dem Kopf! Modernes Neopren ist sehr flexibel, so dass du dich im Zweifel in einen etwas zu kleinen Anzug zwängen kannst. Wenn er aber zu groß ist, kann Wasser leicht eintreten und dann hilft das dickste Neopren nichts.

Wetsuits werden mit der Zeit minimal größer, vor allem aber fühlen sie sich nass größer an als trocken. Wenn du also im Laden einen anprobierst, sollte der schon richtig spack sitzen. Nicht luftabschnürend eng und auch nicht so, dass du die Arme nicht mehr heben kannst, aber doch so eng, dass er überall (außer unter den Achseln bei gehobenen Armen) anliegt und sich nirgends Falten bilden.

Neoprenanzug im Test: Luca im aktuellen Ripcurl E6 E-Bomb
Ich (1,85 m / 80 Kg) trage seit jeher L, aber wenn Schultern und Brust so schmal bleiben, sollte ich vielleicht mal wieder einen in MT anprobieren…

Die Größen für Männer werden normalerweise (wie bei T-Shirts etc.) amerikanisch angegeben: In S, M, L und so weiter. Allerdings gibt es hier eine Besonderheit: Einige Marken haben Zwischengrößen. Diese richten sich an eher dicke Surfer oder Surfer, die für ihre Größe sehr dünn sind. Die Größen heißen dann MT oder MS oder LT und so weiter. T steht für tall, S steht für small. MT heißt also, dass der Anzug sich an große, eher schlanke Surfer richtet. Also solche, denen L lang genug ist, aber etwas zu weit. Die Größen mit dem Zusatz S richten sich dagegen eher an breiter gebaute Surfer – das ist schon etwas kontraintuitiv.

Frauen Neoprenanzüge werden in den Größen 4, 6, 8, 10, 12 und 14 angegeben. Das ist leider weniger differenziert und macht eine Anprobe noch sinnvoller als bei den Wetsuits für Männer.

→ Es ist wirklich sinnvoll, verschiedene Wetsuits anzuprobieren. Die Schnitte der Marken fallen auch verschieden aus und daher hat fast jeder Surfer irgendwann seine Lieblingsmarke. Welche für dich am besten ist, lässt sich nur durch eine gute Beratung im Laden und vor allem das Ausprobieren im Wasser sicher sagen.

Die Größentabellen für Wetsuits der wichtigsten Marken

Damen Herren
Rip Curl Größentabelle für Frauen Rip Curl Größentabelle für Männer
Patagonia Wetsuits für Frauen Patagonia Wetsuits für Männer
Roxy Größen Frauen Quiksilver Größen Männer
Hurley Wetsuit Größen Frauen Hurley Größentabelle für Männer
O`Neill Wetsuit Größen Frauen O`Neill Größentabelle für Männer
Allgemeine Größentabelle XCEL Allgemeine Größentabelle XCEL
Animal Size Guide Männer
Vissla Größen Männer

Die wichtigsten Features

Die Dicke

Die Dicke ist die wichtigste Eigenschaft deines Zukünftigen. Je dicker, desto kuscheliger. Das darf man doch wohl noch sagen! Bei Wetsuits ist aber eigentlich eher die Stärke des Neoprens gemeint. Die variiert von 0,5 mm bis 7 mm. Bei Wetsuits zum Surfen ist dabei der Torso dicker eingepackt als Arme und Beine. Meist sind daher zwei Zahlen angegeben: 4/3 etwa. Die erste Zahl meint die Stärke des Neoprens an Bauch und Rücken, die zweite an Armen und Beinen. Manchmal (vor allem bei den Winter Wetsuits) sind Neos aus drei verschieden dicken Panels: 5/4/3 etwa. Dann ist die zweite Zahl für die Beine und die dritte für die Arme. 

Denn während es besonders wichtig ist, dass die Körpermitte warm bleibt, musst du die Arme viel bewegen. Dabei entsteht auch wieder Wärme und außerdem bietet dir das dünnere Neopren an dieser Stelle mehr Beweglichkeit.

Neoprenanzug im Test: Ein 3/2 Wetsuit
Die Dicke wird meist auf dem Ärmel angegeben. Hier ein 3/2 Neoprenanzug.
Neoprenanzug im Test: Ein 5/3 Flashbomb
Ein 5/3. Innen im Bein ist das Futter zu sehen.
Neoprenanzug im Test: Drei verschiedene Dicken nebeneinander
Drei unterschiedlich dicke Beine: 5 mm, 3 mm und 2 mm.

Wetsuits zum Tauchen müssen nicht so viel Flexibilität bieten. Es ist sogar sinnvoll, sich weniger zu bewegen, um den Puls niedrig zu halten und wenig Sauerstoff zu verbrauchen. Deshalb sind diese Wetsuits in der Regel aus einer Dicke gefertigt und insgesamt etwas dicker. Auch wer einen Wetsuit zum Schnorcheln sucht, braucht die Beweglichkeit der Arme nicht unbedingt.

→ Bei Wärmeleistung und der Ratio aus Flexibilität / Dicke hat sich über die Jahrzehnte einiges getan. Ein gut passender 3/2er wird von den Eisbären da draußen teilweise das ganze Jahr gesurft. Gleichzeitig ist auch ein 5/3er mittlerweile recht angenehm zu tragen und hat einen guten Flex.

Auf Kante: Hintergrundwissen zu Wetsuit-Nähten

Daraus wurde auch eine echte Wissenschaft gemacht. Obwohl es mittlerweile sehr gute Nähte gibt, sind es immer auch Schwachstellen. Denn durch die Löcher (wenn durchgenäht wird) kommt Wasser. Und Nähte können aufgehen, reißen und sind außerdem die unflexibelsten Stellen an einem Wetsuit. Deshalb versuchen die Hersteller insgesamt mehr zu kleben und weniger zu nähen – und weniger Teile zu verwenden. Dazu gleich mehr.

Overlocknähte

Overlocknähte werden nur noch in sehr günstigen Wetsuits verwendet. Dabei werden gleichzeitig die beiden Arbeitsstücke aneinandergenäht und die Naht versäubert. Das ist effizient, aber es trägt auf und hinterlässt viele kleine Löcher. Wasser kommt leicht durch diese Nähte. Meist werden sie verwendet, wenn es darauf ohnehin nicht so ankommt, zum Beispiel bei den günstigen Shorties von Decathlon

→ recht stabil, günstig, scheuert, lässt Wasser rein

Flachnähte

Die Flachnaht liegt auf der Wetsuit Innenseite flach an. Die Naht selbst hat aber die gleichen Nachteile wie die Overlocknaht: Sie hinterlässt viele Löcher, durch die Wasser eindringen kann und ist außen anfällig für Beschädigungen. Dafür sorgt der überlappende Faden innen dafür, dass die Naht recht stabil ist.

→ recht stabil, günstig, lässt Wasser rein

Blindstich Nähte

Jetzt wird es schon interessanter. Bei Blindstich-Nähten wird nur die eine Seite des Materials penetriert. Innen ist keine Naht zu sehen! Das ist natürlich bequemer, vor allem ist der Wetsuit mit Blindnähten aber “wasserdicht”. Was allerdings passieren kann: Wenn der Kleber innen einen Spalt aufgeht (durch Trocknen in der Sonne und häufige Benutzung), geht auch die Naht möglicherweise von innen auf. Diese Nähte heißen auch “GBS” Nähte: Glued and blindstitched: Vor dem Vernähen werden die Neostücke geklebt (und danach ja auch nochmal).

Um die Blindnähte stabiler zu machen, werden sie häufig

  • getaped (stabil, aufwendig & teuer, warm, nicht so flexibel)
  • mit Neoprenstreifen getaped (stabil, aufwendig & sehr teuer, flexibel)
  • mit Liquid Tape versiegelt, das heißt ein flüssiges Tape verschließt auch letzte Löcher
  • doppelt blind genäht: Erst von der einen Seite, dann von der anderen. Ein guter Kompromiss für Wärme und Stabilität!
  • Stress Points (da, wo drei Nähte/Verklebungen aufeinander treffen) werden extra getaped

→ teuer, Stabilität hängt vom Kleber und den Ergänzungen ab, wasserdicht, warm

Neoprenanzug im Test: Eine stilisierte Flachnaht
Eine stabile Naht, die allerdings nicht wasserdicht ist: Die Flachnaht. / (c) O’Neill
Neoprenanzug im Test: Eine Blindnaht von außen und innen
Du siehst mich, du siehst mich nicht. Eine einfache Blindnaht ohne Tape (nur am Ärmel außen) oder Versiegelung.
Neoprenanzug im Test: EIne versiegelte Naht von Quiksilver
Die Liquid Flex Seal von Quiksilver dehnt sich mit und dichtet die Naht zusätzlich ab. / (c) Quiksilver

Keine Nähte / Seamless

Die Kleber sind mittlerweile so gut, dass wenig beanspruchte Nähte (etwa an den Unterarmen) einfach wegrationalisiert wurden. Manche Wetsuits werden sogar überhaupt nicht mehr genäht! Die Verklebung wird dann noch mit “Liquid Tape” gesichert und abgedichtet. Diese Herstellungsweise hat natürlich die beste Flexibilität und lässt außerdem kein Wasser in den Neo, ist also sehr warm. Dafür kann sie bei der Haltbarkeit nicht mit verklebten und getapten Nähten mithalten.

→ teuer, warm, gute Flexibilität, mittlere Haltbarkeit

Zusammenfassung Nähte

Das war schon mal ein Batzen Informationen. Der Goldstandard (meines Erachtens) sind doppelte Blindnähte, innen mit Neotape verstärkt und außen mit “Liquid Tape” versiegelt. Das Problem hier (wie eigentlich bei allem was mit Wetsuits oder generell Surf-Stuff zu tun hat) ist die unmögliche Nomenklatur. Jede minimale Innovation (aber auch jede Verschlimmbesserung) bekommt einen eigenen Marketing Namen. Es ist wie bei einem Zaubertrick: Auf der Bühne taucht ein Elefant auf, was wirklich passiert, bekommen wir nicht zu sehen. Daher ist es so schwer einzuschätzen, welche Features Sinn ergeben und was nur ein neuer Name für einen alten Hut ist.

Wer einen warmen Neo möchte, sollte sich einen mit wasserdichten Nähten kaufen. Mir ist hier die Haltbarkeit wichtiger als die Beweglichkeit. Ich achte also darauf, dass die Blindnähte gut gesichert sind, am Besten mit Neotape.

→ Wenn du dir einen Eindruck von den Basics machen möchtest, lies diesen kurzen Bericht über die Herstellung von Wetsuits.

Panel Design

Ein weiteres Puzzlestück in dem Rätsel, was einen guten Neo ausmacht. Wir haben schon gelernt, dass die Nähte das unflexibelste an deinem Wetsuit sind. Daher gilt: Je weniger Neoprenpanels vernäht werden, desto weniger Wasser kann eintreten und desto beweglicher ist der Anzug. Dabei muss natürlich die Passform ideal ergonomisch bleiben.

Die High End Wetsuits sind meiner Meinung nach in diesem Punkt kaum noch zu verbessern.

Die unterschiedlichen Verschluss-Systeme

Eine Zeitlang wirkte alles zu einfach, um wahr zu sein: Back Zips waren günstig, Front Zips die Zukunft. Heute dominieren die Neos ohne Reißverschluss den Markt. Und die Back Zips kommen bei den richtig dicken Winter Neos wieder.

Neoprenanzug im Test: Ein Surfer am Strand mit Backzip Wetsuit

Back Zip

Der Reißverschluss ist am Rücken. Klassischerweise legt er den ganzen Weg zurück, vom Lendenwirbel bis zum Hals. Dadurch sind die Neos tendenziell weniger flexibel, auf jeden Fall ist der Reißverschluss anfällig für eintretendes Wasser. Deshalb haben Winterneos meist ein überlappendes Stück Neo innen. So kann das Wasser, dass durch den Reißverschluss kommt, abfließen und tropft unten durch die “Drain Holes” raus.

Ich bin kein Fan von Back Zips, oft scheuern sie auch an der Halskrause und die langen Zipper sind anfällig für Beschädigungen. Aber sie sind oft günstig und man kommt schnell rein und raus.

Neoprenanzug im Test: Ein Wetsuit mit Frontzip

Front Zip

Front Zip meint hier den senkrechten Verschluss wie bei einer Jacke oder Weste. Diese Verschlüsse spielen eigentlich keine Rolle, weil sie Wasser durchlässig sind und vor allem unbequem drücken, wenn man darauf liegt. Man sollte daher nicht aus Versehen einen Neo mit Front Zip (statt Chest Zip) kaufen. Die Front Zips sind aber auch nur bei Springsuits und eben Neoprenwesten zu finden.

Neoprenanzug im Test: Ein Surfer mit Chestzip Wetsuit

Chest Zip

Das ist der heiße Scheiß. Oder war es. Denn Achtung, jetzt kommt es: Der Chest Zip war die Weiterentwicklung von Zip-Free Surfanzügen. Ja wirklich! Man kam einfach zu schwer rein in die Neos und leierte den Eingang schnell aus. Also bekamen die Neos ein Kopfteil und einen kurzen Reißverschluss über der Brust. Ich finde das richtig gut: Man liegt nicht auf dem Zipper, kommt aber trotzdem gut dran. Der Wetsuit sitzt gut und lässt kaum Wasser rein, ist aber relativ leicht an- und auszuziehen.

Neoprenanzug im Test: Ein Surfer mit einem Zip Free Wetsuit

Zip Free

Ja was soll ich sagen. Die Zip Free Neos sind zurück, und zwar richtig. Mit verbesserten Einstiegs-Überlappungen und vor allem Verschlusszügen sind die Wetsuits mittlerweile auch richtig dicht. Keine Angst, das kann man sich erst so richtig vorstellen, wenn man mal einen angezogen hat.

Ein großes Verkaufsargument ist aber: Was nicht da ist, kann nicht kaputtgehen. Gemeint ist hier natürlich der Reißverschluss, der tatsächlich zu den anfälligen Teilen an einem Neo gehört. Ganz überzeugt bin ich aber nicht, denn die Spannung ist ja trotzdem da, muss nun aber von der Verschlusskordel gehalten werden. Außerdem ist die Öffnung zum Einsteigen in den Neo doch recht groß, und wenn man den Verschlusszug an der Schulter nicht zuknallt, kommt doch recht leicht Wasser in den Suit.

Nylon Kaschierungen

Dein Wetsuit ist natürlich aus Neopren. Oder aus Yulex. Jedenfalls zu einem sehr großen Teil. Denn dann wird auch noch ein kleiner Anteil Kunststofffasern (Natur bei Patagonia) verarbeitet. Das Neopren an sich ist nämlich schwer anzuziehen (es klebt auf der Haut) und recht anfällig für Beschädigungen. Deshalb wird es durch eine Nylonschicht innen (single lined) oder innen und außen (double lined) geschützt (kaschiert).

Einfach (innen)

Das Neopren hat nur innen eine Nylonschicht, außen nicht: Das ist dann ein sogenanntes Glatthaut Neopren. Häufig findet man das als Panel im Brust und Rückenbereich. Der Grund ist, dass eine Nylonkaschierung etwas Wasser aufnimmt, welches dann verdunstet und dadurch den Surfer kühlt. Von dem glatten Neopren tropft das Wasser einfach ab. Clever und so einfach. Der einzige Nachteil ist die Anfälligkeit für Finnen und andere spitze Gegenstände. Glatthautneopren wird auch oft an der Halskrause verwendet, weil es eben auf der Hut klebt und wasserabweisend ist. Der Spaß bekommt dann noch einen tollen Namen: Mesh Skin etwa oder Thermal Smoothie, wie Quiksilver es nennt.

Doppelt (innen und außen)

Die allermeisten Neos sind außen auch kaschiert. So kann man sie färben und es macht sie haltbarer und weniger anfällig für Beschädigungen.

→ Kiteboarder, Windsurfer, SUPler und alle anderen Wassersportler, die viel im Wind sind, sollten auf einen größeren Glatthaut-Neopren Anteil achten. Wer sich die Unterschiede noch genauer erschließen möchte, sollte diesen guten Artikel über Glatthaut vs. kaschiertes Neopren lesen.

Abschlüsse an Armen und Beinen

Ein sehr großer Teil der Wetsuit Innovationen zielt darauf ab, dass kein Wasser in den Neo kommt. Da liegt es nahe, alle Öffnungen möglichst eng zu gestalten und zu verstärken. Dabei kommen an den Armen und Beinen verschiedene Techniken zum Einsatz. Kurze Reißverschlüsse sieht man vor allem im Tauchbereich. Bei den Surf-Wetsuits gibt es aktuell zwei gute Varianten. Ein Tape (Quiksilver: Flush-Lock-2.0-Stretch-Band), das die Dehnung verhindert. Oder “fused edges” – das sind abgeflachte Profile an den Ärmeln, die weniger Wasserwiderstand bieten.

Was es auch noch gibt sind die Hydrolock Abschlüsse. Dabei wird auf die Arme und Beine noch ein kleines rundes Stück Neopren aufgesetzt, das noch enger abschließt. Ein Problem: Wenn der Wetsuit altert, reißt er hier gerne ein.

Neoprenanzug im Test: Ein Bündchen mit Tapeverstärkung
Bündchen mit Liquid Seal. Das Flüssige Tape ist weniger dehnbar, als das Neopren.
Neoprenanzug im Test: Ein Wetsuit Ärmel mit verschweißter Naht
Super Seal von O’Neill: Die verschweißte Naht sorgt für ein flaches Profil und ist sehr strapazierfähig. / (c) O’Neill
Neoprenanzug im Test: Ein Wetsuit Ärmel mit Drylock von XCEL
Ein drylock Ärmel von XCEL

→ Insgesamt muss man sagen, dass die meisten besseren Neoprenanzüge sehr eng an den Hand-und Fußgelenken sind und besonders am Hals. Das muss aber so sein, sonst bringt die ganze Technologie nichts. Denn der Wetsuit kann nur isolieren, wenn nicht die ganze Zeit Wasser eindringt.

Das Innenfutter: Flash Lining, Thermo Futter, Warm Flight und alles andere

Wir hatten es ja schon von der Kaschierung. Die Magie moderner Wetsuits steckt im Inneren! Dabei wird alles mögliche auf das Neopren kaschiert. Die beiden Hauptziele sind:

  • den Wetsuit wärmer zu machen (ohne ihn dicker zu machen)
  • schneller zu trocknen

Die größte Rolle spielen aktuell synthetische Fasern, in der Regel aus Polyester. Die Fasern schließen jede Menge Luft ein, was zusätzlich isoliert und vor allem das Wasser schnell aus dem Futter transportiert.

Futter aus synthetischen Hohlfasern ist aktuell gängig bei den besseren Wetsuits. Luft wird nicht nur zwischen den Fasern, sondern auch darin eingeschlossen. Das bringt zusätzliche Wärme. Wie viel Wärme? Das ist umstritten, weil das Futter ja recht eng auf die Haut drückt.

Neoprenanzug im Test: Das Smoothscin Lining von O`Neill
Das Smoothskin Carbon Futter von O`Neill soll Wärme speichern könnnen. / (c) O’Neill
Neoprenanzug im Test: Das wärmste Lining von Quiksilver
Bei dem Highend Futter Warmflight X2 von Quiksilver sieht man gut die zwei Schichten Nylon: Die obere zur Isolierung, die untere für Flex und Wasserabtransport. / (c) Quiksilver
Neoprenanzug im Test: Zwei Wetsuits, einer mit einfacher Nylon Kaschierung, einer mit Flash Dry
Zwei Ripcurl Wetsuits: Der linke hat eine einfache Nylon Kaschierung, der rechte Flash Dry von der Brust bis zu den Beinen.

Unbestritten ist aber, das einige Varianten (insbesondere das E5 Flash Lining von Ripcurl) das Wasser ultraschnell aus dem Neo transportieren. Nach 15 min fühlt der sich trocken an! Das Neopren ist dann natürlich noch nass, das Futter aber trocken und das ist schon ein echter Vorteil an kalten und verregneten Tagen in Galizien.

Es gibt echt die wildesten Sachen. Man stolpert zum Beispiel über “Far-Infrared-Thermal-Lining”. Infrarotes Licht ist nicht zu sehen, wird aber vom Körper als warm empfunden. Man kennt das von Babylampen über dem Wickeltisch. Far Infrared Thermal Lining soll nun den anderen Weg gehen: Die Körperwärme in infrarotes Licht verwandeln und so speichern. Das ist mindestens dubios. Ich will nicht sagen, dass es unmöglich ist. Aber es ist hochkomplex, wie man in diesem Artikel über Infrarotlicht zur Stromerzeugung lesen kann.

Aktuell scheint die beste Variante eine doppelte Fütterung zu sein. Die untere Lage speichert Luft und damit Wärme, die obere transportiert das Wasser schnell aus dem Futter. Das Ganze gibt es bei allen Herstellern in unterschiedlicher Benennung.

Jedes Futter trägt minimal auf. Der Wetsuit wird sich in der Regel aber eher bequemer als enger anfühlen, weil das Polyestergewebe weich ist. Es schränkt aber auch die Beweglichkeit ein und deshalb findet man das Futter meist am Torso, manchmal auch an den Beinen aber nicht so oft an den Armen.

Verstärkte Kniepads

Die Knie müssen einiges mitmachen. Bei schlechten Duck-Dives oder Take-Offs werden sie über das Board gezogen, und die Vorderseite wird extrem gedehnt, wenn man in die Knie geht. Verstärkte Kniepads sind also Standart, aber die Wetsuit Hersteller machen auch daraus wieder eine Wissenschaft.

Das Mindeste ist ein Aufdruck, der die Knie schützt. Besser sind aber extra Knie Pads, die besonders strapazierfähig sind. Weil man auf dem Board tendenziell leicht in den Knien steht, sind die Knee-Pads oft ergonomisch für diese Haltung vorgebogen.

Wetsuit Zubehör / Accessoires

Ab einer gewissen Temperatur braucht man noch weiteren Schutz vor der Kälte.

Neoprenschuhe

Booties kommen meistens als erstes zum Einsatz. Die Füße sind die meiste Zeit im Wasser, daher kühlen sie schnell aus. Booties schützen so natürlich auch davor, dass der restliche Körper über die Füße auskühlt. Es gibt Varianten von 2 mm bis 7 mm. Die mittlere Dicke (4 – 5 mm) ist dabei der beste Kompromiss für Wassertemperaturen zwischen 8°C und 16°C. Auf den dicken 7 mm Sohlen hat man manchmal das Gefühl, auf der Sohle wegzurutschen.

Neoprenanzug im Test: Verschiedenes Neoprenzubehör zum Surfen
Zahlreiches Neopren-Zubehör: Schuhe, Hauben und eine Dryrobe zum wechseln des Wetsuits.

Sehr beliebt sind die Neo-Booties von Decathlon, die günstig sind, gut sitzen und sogar ein Thermo-Lining haben.

Neben Schuhen gegen die Kälte gibt es auch noch Schuhe gegen Reef Cuts, die Reefbooties. Diese sind natürlich dünner, haben aber eine stabile Sohle und sind oft sinnvoll, zum Beispiel beim Surfen in Corralejo, wo die besten Wellen über scharfkantiges Lavariff laufen.

→ Es gibt Schuhe mit einer Teilung zwischen großem Zeh und den restlichen Zehen (Split-Toe-Booties) und “Füßlinge” (Round-Toe-Booties). Letztere wärmen besser, erstere haben einen besseren Halt.

Hauben

Hauben sind der nächste Schritt auf der Temperaturskala von Bali bis Island. Sie schützen (wenn sie gut sitzen) vor eintretendem Wasser und dem Kälte-Kopfschmerz bei Duck-Dives. Außerdem vor Wind, was besonders wichtig wegen der Verdunstungskälte ist. 

Es gibt auch Winter Wetsuits mit integrierter Haube. Die haben nicht das Problem, dass zwischen Haube und Wetsuit Wasser in den Hals laufen kann, sind aber auch oft zu warm. O`neill hat darum einen modularen Wetsuit mit abnembarer Kaputze entwickelt.

Neoprenanzug im Test: Eine Haube von Decathlon
Im Winter ist eine Haube auch in Portugal Standardzubehör.

Oft werden auch Neoprenwesten mit Hauben kombiniert. Die Weste ist aus 1-2 mm Neopren und wird unter dem Wetsuit getragen. Sie wärmt den Körper zusätzlich. Mit so einer Haubenweste unter einem guten 3/2 kann man auch den Winter in Portugal und Spanien überstehen, wenn man nicht so kälteempfindlich ist.

Handschuhe

Handschuhe werden als letzte Maßnahme angelegt (und kommen auch bei der Anzieh-Orgie als letztes, man braucht ja die Finger). Es gibt Fingerlinge, 3-Finger Handschuhe und Fäustlinge. In dieser Reihenfolge nimmt die Beweglichkeit ab und dafür die Wärmeleistung zu.

Achte unbedingt darauf, dass die Handschuhe wasserdicht sind, also blingenäht, getaped und versiegelt. Durch die lange Naht kommt sonst viel Wasser in den Handschuh und dann bringen sie kaum etwas.

Unterschiede zwischen den Wetsuits für verschiedene Sportarten

Wetsuits zum Surfen

Wetsuits zum Surfen müssen sehr flexibel sein und warm halten. Die Beanspruchung der Surfanzüge ist enorm. Dabei sind die Surfer überwiegend im Wasser, nur der Oberkörper ist beim Warten auf Wellen außerhalb des Wassers und im Wind. Gute Anzüge sind recht stabil und überwiegend kaschiert. Manchmal gibt es Glatthaut-Neopren im Brust- und Rückenbereich, damit hier keine Verdunstung stattfindet.

Rip Curl nutzt dafür jetzt ein Thermo Shield, das stabiler als einfaches Glatthaut Neopren sein soll. Schließlich sind Surfanzüge am Torso dicker als an Armen und Beinen – denn die Extremitäten sollen beweglich bleiben.

→ haltbar
→ unterschiedliche Dicken
→ sehr flexibel

Neoprenanzug im Test: Eine Wetsuit zum Surfen
Ein Wetsuit zum Surfen muss warm halten und flexibel sein. Selbst wenn man von einem Air soweit entfernt ist, wie Kelly Slater von einem Vokuhila.

Wetsuits zum Kiten & Windsurfen

Diese Wetsuits sind denen zum Wellenreiten sehr ähnlich. Allerdings kauft man sie tendenziell etwas dicker als Surfanzüge. Und bei den teuren Anzügen wird besonders darauf geachtet, dass der Oberkörper außen schnell trocknet.

→ haltbar
→ sehr flexibel
→ unterschiedliche Dicken
→ außen vermehrt schnell trocknend

Wetsuits zum SUPen

Hier sind die Anforderungen ganz ähnlich denen beim Kiten: Man braucht Beweglichkeit in den Armen aber Wärme in der Körpermitte. Und vor allem: Sie sollen schnell trocknen, wenn man doch nass wird, damit es keine Kühlung durch Verdunstung gibt. Spezielle SUP Wetsuits gibt es aber noch nicht. Es ist daher sinnvoll, bei Kite-Wetsuits und bei den Surfanzügen zu schauen.

Und nach welcher Dicke soll man suchen? Das kommt darauf an, wo und wann man mit dem SUP unterwegs ist. Auf Seen und Flüssen ist es oft nicht so windig und auch wenn man in Frühjahr und Herbst unterwegs ist, reicht meist ein 4/3 mm Neo. Weil das Paddeln doch ganz schön warm macht und die Wärme erstmal eben im Wetsuit hängt. Und weil man nicht so oft nass wird.

→ gibt es nicht
→ bei Kitesuits oder Surf-Wetsuits suchen
→ an der Luft-Temperatur orientieren

Wetsuits zum Tauchen & Schnorcheln

Tauch Wetsuits sind eine etwas andere Sache. Diese Wetsuits müssen unter hohem Wasserdruck warm halten. Daher werden sie deutlich dicker produziert. Außerdem müssen sie nicht so flexibel sein. Tatsächlich sollte man sich ohnehin nur langsam und wenig bewegen, um Sauerstoff zu sparen. Deshalb sind Wetsuits zum Tauchen meist überall gleich dick.

→ dicker und überall gleich
→ weniger flexibel
→ kaschiert um vor Beschädigungen zu schützen

Checkliste zum Neo Kauf

Diese Fragen solltest du dir stellen, bevor du einen Neoprenanzug kaufst:

✓ Wo willst du surfen?
✓ Wann möchtest du Surfen gehen?
✓ Welche Wassertemperatur ist da?
✓ Wie kälteempfindlich bist du?
✓ Ist dir die Haltbarkeit oder die Performance wichtiger?
✓ Wie oft möchtest du den Wetsuit benutzen?
✓ Wie viel Geld kannst du ausgeben?

Wenn du unseren Ratgeber gelesen hast und diese Fragen beantworten kannst, solltest du wissen, welche Dicke und Features dein Wunsch-Wetsuit haben muss.

Wetsuit Empfehlungen

Dieser Guide soll dir durch seine Wissenstiefe und den Blick hinter die Marketingbegriffe helfen, den richtigen Neo zu finden. Eine spezielle Empfehlung zu geben ist schwierig, weil es mindestens 50 Wetsuit Marken gibt. Und die haben alle möglichen Wetsuit Typen und Dicken. Dazu kommt, dass der beste Neoprenanzug für dich häufig der ist, der dir am besten passt. Und die Anforderungen sind individuell ganz unterschiedlich.

An dieser Stelle empfehle ich daher einige Wetsuits, die meines erachtens ein gutes Preis- Leistungsverhältnis haben oder wirklich herausragende Eigenschaften. Und dann erwähne ich einige weitere mit einer Kurzeinschätzung. Es gibt da draußen aber noch so viel mehr Surfanzüge! Wirklich Sinn machen Empfehlungen daher nicht und wenn du auf einer Website zahlreiche Amazon-Links siehst, dann weil der Blog sich damit finanziert.

Neoprenanzug im Test: Ripcurls wärmste Anzüge, die Flashbombs

Die Flashbomb Wetsuits von Rip Curl: Warm und super schnell trocknend

Ziemlich kostspielig aber auch verdammt gut: Die Flashbombs haben mehrfach den Brachenpreis “Wetsuit of the Year” gewonnen. Dabei sticht vor allem das E5-Flash-Lining Thermo Innenfutter hervor. So schnell trocknet kaum ein Konkurrent. Die Flashbombs gibt es in verschiedenen Dicken und als Chest Zip, Zip Free und auch mit Backzip. Es sind die wärmsten Anzüge von Rip Curl, andere Anzüge sind mehr auf Performance ausgelegt.

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Neoprenanzug im Test: Die Patagonia Anzüge aus Yulex

Yulex von Patagonia: Die aktuell umweltverträglichsten Wetsuits

Patagonia macht schon viel richtig mit ihren Neoprenanzügen: Der Polymeranteil ist zu mindestens 85% aus Naturkautschuk. Und die Provenienz dieses Kautschuks wird auch kontrolliert. Dabei sind die Anzüge ähnlich warm wie konventionelle Wetsuits, oft sogar wärmer. Das liegt vor allem an der hervorragenden Verarbeitung. Dafür gelten sie oft als etwas steifer als das Hochleistungs-Neoprene anderer Marken. Richtig nachhaltig kann ein Wetsuit aber gar nicht sein. Das sieht auch Patagonia so. Das wichtigste Kriterium ist daher die Haltbarkeit und auch hier sind die Patagonia Wetsuits sehr gut. Und das lässt dann auch den sehr hohen Preis besser verkraften.

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Neopreanzug im Test: Der Preisleistungssieger Deeply

Die Premium Linie von Deeply: Preis/Leistungs-Sieger

Die Deeply Wetsuits werden im Online Shop verkauft – und vor Ort in den Sportdiscounter-Filialen von Sportzone. Wetsuits der portugiesischen Marke sind der Daily Driver für viele Locals von Afife bis Sagres. Die Anzüge sind richtig gut und vor allem sind sie richtig günstig. Immer im Herbst ist zudem Abverkauf im Online Shop. Achtung: Die Anzüge fallen recht klein aus.

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Neoprenanzug im Test: Der Ripcurl E-Bomb

Ripcurls E6 Wetsuits: Der gute alte E-Bomb

Wie viele andere Marken hat Ripcurl verschiedene Preisklassen, um möglichst alle Kunden bedienen zu können. Der E-Bomb war lange der beste Anzug, den man sich leisten konnte. Heute wird aber differenziert: Die Flashbombs sind die extrem warmen Komfort Anzüge, der E6 ist der Performer und auf maximale Dehnbarkeit ausgelegt. Ich habe ihn hier eingefügt, weil wir den Ripcurl E6 Zipfree im Test schon ausführlich auf Herz und Leber getestet haben.

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Neoprenanzug im Test: Der ONeill Reactor

O Neill Reactor 3/2

Der Reactor von O Neill ist einer der absoluten Verkaufsschlager. Nicht nur, aber vor allem auch auf Amazon. Klar: Man fragt sich schon, wieso man einen 300 Euro Neo kaufen sollte, wenn es auch für 70 geht. Die Antwort: Preis/Leistung ist zwar wahnsinnig gut. Trotzdem wirst du ihn geschenkt nicht nehmen, wenn du mal einen wirklich guten Neo anhattest. Wenn der Reactor richtig passt, also eng sitzt, geht der Backzip oft auf. Für den Sommerurlaub in Frankreich i.O. und trotzdem würde ich lieber einen besseren kaufen. Und: O Neill produziert den Reactor nicht mehr als Full Suit. Die angebotenen Anzüge lagern alle schon eine Weile. Und das ist für das Neopren ziemlich ungünstig, zumal der Reactor ohnehin schon recht steif ist.

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Neoprenanzug im Test: Der XCEL Axis X

XCEL Axis X 3/2 Front Zip

Die Girls, Boys und restlichen Geschlechter von XCEL sind absolute Kaltwasser-Spezls. Mit irgendwelchen schlechtsitzenden Wetsuits mit Flatlock Nähten geben die sich gar nicht erst ab. Und so hat schon das Einsteigermodell die typischen Qualitätsindikatoren: GBS Nähte dreifach geklebt und getaped) und Chest-Zip zumindest wahlweise). Wer eine solide Marke ohne den typischen Marketing Überbau sucht, ist bei XCEL gut aufgehoben. Ach ja: XCEL macht nur Wetsuits, nichts anderes.

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Oft gefragt

Was ist die beste Dicke für einen Neoprenanzug?

Das kommt darauf an, wo du ihn benutzt. Eine gute Allround-Dicke ist 3/2 mm. Das bedeutet, dass der Wetsuit am Torso 3 mm dick ist und an Armen und Beinen 2 mm. Wenn der Wetsuit gut verarbeitet ist und vor allem gut passt, kann man damit in Wassertemperaturen von 15°C bis 21°C surfen.

Wie suche ich einen Wetsuit aus?

Zunächst musst du dir überlegen, wofür du ihn brauchst. Entscheidend sind hier die Wassertemperaturen. Es kommt aber auch auf die Sportart an und darauf, wie oft du ihn brauchst. Dann informierst du dich über die Unterschiede beim Material und der Qualität – zum Beispiel in diesem Guide. Am Ende suchst du die Schnittmenge zwischen deinem Budget und den Wunsch-Features wie 4/3, GBS Nähte und Innenfutter. Für welche Marke du dich entscheidest, sollte davon abhängen, welcher Wetsuit dir am besten passt. Du solltest also mehrere anprobieren.

Wie weit dehnt sich der Wetsuit mit der Zeit beim Tragen im Wasser?

Das Neopren dehnt sich kaum. Nur dort, wo du regelmäßig dran ziehst, etwa beim An- und Ausziehen. Allerdings fühlt er sich nass deutlich größer an, als trocken. Beim Anprobieren sollte er also schon sehr eng sitzen. Nach einigen Jahren wird der Neo übrigens steif. Das liegt an einer Eigenschaft des Elastomers Chloropren-Kautschuk.

Ergibt es Sinn Neopren mehrlagig zu tragen und ist das gleichwertig zu einem dickeren Wetsuit?

Gleichwertig ist das nicht, nein. Man kann Neopren unter den Wetsuit anziehen, muss aber darauf achten, dass dadurch kein Wasser eindringt. In der Praxis heißt das, dass die untere Lage kleiner sein sollte, also eine Weste oder ein Top mit kurzen Armen. Damit du beweglich bleibst ist eigentlich die Weste die einzige Option, sonst werden dich die verschiedenen Lagen behindern. Eine Weste (besonders mit Kapuze) kann aber funktionieren.

Der Neoprenanzug ist sehr eng am Hals und an den Handgelenken. Gehört das so?

Ja, das muss so sein. Natürlich soll dir nichts einschlafen, aber eng müssen die Öffnungen schon sein. Sonst kommt Wasser in den Anzug und dann ist die isolierende Wirkung weitgehend futsch. Im Wasser fühlt sich der Anzug üblicherweise besser an. Und die meisten gewöhnen sich an den straffen Sitz.

Wie funktionieren Wetsuits?

Im Neopren sind Gasbläschen eingeschlossen. Dadurch isoliert das Material sehr gut und reflektiert deine Körperwärme. Es braucht auch keine dünne Wasserschicht dafür, das ist ein Mythos. Am besten funktionieren Wetsuits sogar, wenn kein Wasser eindringt.

Was heißt 3/2?

Die Zahlen geben die Dicke des Neoprens in Millimetern an. Die erste Zahl steht für die Dicke am Torso, die zweite für die Dicke an Armen und Beinen. Manchmal werden auch drei Zahlen genannt. Dann meint die zweite die Beine und die dritte die Arme. Die Arme sind immer am dünnsten, weil sie am beweglichsten sein müssen.

Gibt es nachhaltige Wetsuits?

Nein. Die Wetsuit Produktion ist ein dreckiges Geschäft. Das Hauptübel ist natürlich das Neopren. Es wird aus Erdöl und unter dem Einsatz giftiger Chemikalien gemacht. Das beliebte Ersatzprodukt Limestone-Neoprene ist kaum besser, denn um das Calcium auszulösen wird das Gestein auf fast 2000°C erhitzt. Und die Chemikalien sind auch dieselben. Yulex von Patagonia ist momentan das beste Material, es wird hauptsächlich aus Naturkautschuk gemacht. Aber auch hier kommen problematische Chemikalien und Materialien zum Einsatz. Das beste, was du tun kannst, ist also einen guten Wetsuit zu kaufen und den Neoprenanzug gut zu pflegen.

Neoprenanzug im Test: Luca und trocknende Neoprenanzüge
Falls es noch Fragen gibt: Ich bin dann mal Zeitung lesen.

Fazit

Junge, was für ein Höllenritt! Das Thema Wetsuits ist undankbar. Für Konsumenten und für die Natur. Es ist fast unmöglich, hinter das Marketing Bla-Blub zu steigen. Und der Umfang des Angebotes lässt einen erst recht in Ohnmacht erstarren. 

Was haben wir gelernt? Wetsuits isolieren und sind zum Surfen essentiell. Sie sind aber mies für die Umwelt. Deshalb sollten wir beim Kauf überlegen, das Geld für einen Anzug aus Naturkautschuk in die Hand zu nehmen. Noch wichtiger ist aber, den Wetsuit so gut zu pflegen, dass er uns lange warm hält.

Für die Wärme ist die Dicke des Neoprens entscheidend. Je dicker desto wärmer. Aber auch: Je dicker, desto unbeweglicher. Außerdem wichtig: Das kein Wasser durch den Verschluss und die Nähte kommt. Das ist bei den gehobenen Wetsuits der mittleren Preisklasse eigentlich meistens gegeben. 

Gut ist auch, wenn der Neoprenanzug innen mit Polyestergewebe kaschiert ist. Das ist flauschig, wärmt und trocknet schnell.

Einen schlechten Wetsuit zu kaufen ist wirklich ziemlich sinnlos. Kofste billich, kofste zwemal. Es gibt aber günstige Wetsuits, die den Markenprodukten kaum oder nur in Details nachstehen. Das sind: Deeply, Need Essentials, SRFCE und Decathlon.

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