Surfen in Irland

Surfen in Irland: Unsere 5 Lieblingsspots

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Surfen in Irland: Wie ist das Wetter wirklich? Wo sind die besten Spots? Und was ist das Problem mit Easkey? Antworten und noch mehr Fragen gibt’s hier.

Titelfoto: Luca Brück für milchplus.de

Die Smaragdinsel – was der Titel eines Abenteuerromans von Louis Stevenson, Enid Blyton oder Eoin Colfer sein könnte, ist die nur leicht verfälschende Übersetzung von Emerald Isle, der vielleicht prägnantesten Zuschreibung für Irland. Grün in Grau, strahlend und weich zugleich, liegt die Insel zwischen Atlantik und Keltischer See.

Surfen in Irland: Ein Surfspot im County Kerry
Semi-Secret im Co. Kerry / Luca Brück für milchplus.de

Würde man Irland für ein Ziffernblatt nutzen, so müsste man nur bis 3 Uhr warten, um die Aufteilung in die beiden Irlands mit den Zeigern darzustellen: Im oberen rechten Viertel zwischen Minuten- und Stundenzeiger läge Nordirland. Die Republik Irland wäre der Rest (plus die vergessene Grafschaft Donegal). Etwas unter dem Stundenzeiger fände sich die Hauptstadt Dublin. Hier wird das Grundnahrungsmittel für eine ganze Insel gebraut, hier finden die Finalspiele der wichtigsten inselweiten Sportwettkämpfe statt, hier ist der größte Hafen der Insel und hier lebt mehr als jeder zehnte Ire.

Anreise nach Irland

Auch als Tourist ist es wahrscheinlich, dass man in Dublin das erste Mal irischen Boden betritt. Das Gros der Reisenden landet auf dem Flughafen im Norden der Stadt, es gibt drei Fährverbindungen nach England und eine nach Frankreich. Obschon der Hafen in Rosslare näher am Festland ist, sei allen Wohnmobilreisenden die Verbindung mit Irish Ferries von Cherbourg nach Dublin ans Herz gelegt. Hier findest du mehr Infos zu dieser Fähre und alle Alternativen für Irland mit dem Wohnmobil.

Surfen in Irland: Die Anreise mit der Fähre
An Bord der W.B. Yeats von Dublin nach Cherbourg. / Juli Wey für milchplus.de

Nach Dublin fliegt man von Deutschland aus mit Ryanair, Easyjet, Lufthansa oder Aer Lingus. München, Berlin und Köln/Bonn sind die Hauptziele. Aber Irland hat für eine relative geringe Einwohnerzahl und -Dichte eine recht beeindruckende Dichte an Flughäfen: Die wichtigsten neben Dublin sind bez. waren Kerry und Knock. Vor Corona wurden sie in den Sommermonaten von verschiedenen deutschen Fluglinien und Flughäfen angeflogen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Viele Flüge von den kleineren Flughäfen (Shannon, Knock, Kerry) gehen aktuell via London – Zusätzlich zum Umsteigen braucht man also einen Reisepass und muss auch die englischen Anti-Corona-Maßnahmen erfüllen. Die aktuellen Flugverbindungen zu allen irischen Flughäfen können über ein Tool von Tourismus Irland einfach abgefragt werden.

Surfen in Irland: Die Rückreise mit Irish Ferries
Vor der Rückreise in Dublin. / Juli Wey für milchplus.de

Eher ungewöhnlich ist die Anreise mit dem Zug. Aber verschweigen wollte ich es auch nicht: Der Trip von Berlin nach Sligo im Herbst 2018 hat mich etwa 150 Euro und 27 Stunden gekostet. Eine Reise entlang der Hauptroute vieler Backpacker, von Endstation zu Endstation, über Köln, Brüssel, London und Holyhead in Wales. Dank der Kombiangebote “Sail and Rail”, die sowohl von den Bahnstreckenbetreibern wie auch von den Reedereien angeboten werden, ist die Strecke von London bis Dublin oder auch Sligo überraschend günstig.

Zum Surfen nach Irland

Wer zum Surfen nach Irland fährt, der wird sich allerdings nicht lange in den Pubs, Clubs und Museen Dublins aufhalten lassen. Zu verlockend ist der Ruf der Wellen im Westen der Insel. Der glatte Kalkstein von Sligo und der horizontale Küstenverlauf rund um die Killala Bay sind für reisende Surfer*Innen die Hauptattraktionen.

Surfen in Irland: Auf dem Weg ins Wasser in Magheroarty
Es ist nicht immer alles Sommer, Sonne, Kaktus in Irland. Und: Trotz Vorfreude nicht unachtsam werden auf den algigen Steinen. / Juli Wey für milchplus.de

Die beste Reisezeit zum Surfen in Irland

Anfänger  Fortgeschrittene Expertinnen
Juni – August September + Oktober September bis Dezember

Wenn die europäischen Küsten im Herbst die reiche Ernte der ersten Atlantikstürme einfahren, erwachen auch viele der Surf-Breaks in den Counties Clare, Sligo und Mayo zum Leben. Der vorherrschende Wind im September ist WSW – beinahe ideal. Das Problem ist dann auch nicht die Qualität der Wellen. Oder schon, in gewisser Weise: Das Paradoxe ist, dass gerade die Ballung an Wellen rund um Bundoran und der magnetische Sog, der die Wellen von Easkey auf die Surfer und ihre Busse ausübt, ungeahnte Schwierigkeiten nach sich ziehen.

Surfen in Irland: Ein Secret Spot auf der grünen Insel
Semi-Secret im County Sligo. / Luca Brück für milchplus.de

Phil, ein gut 50 Herbste zählender Engländer mit Wohnmobil und Freundin in Kerry sagt es so: “Du brauchst ein Ziel, wenn du einen Roadtrip machst.” Stimmt, das ist doch das Besondere an einem Surftrip mit dem Camper. Hier stimmt der Spruch von Weg und Ziel wirklich. Aber wenn die Wellenvorhersage für die Region um die kleine Fischerstadt Easkey mit Sternen um sich wirft, dann kann eben kaum jemand widerstehen. Und schon ist man wieder im Herzen dieses Kaltwasser-Surfparadies.

Irland und das Wetter: Übersicht über die Klimadaten und die Surfbedingungen

Die Tabellendaten sind für Bundoran, exponierte Spots sind etwas kälter. Regentage sind Tage mit mehr als 1mm Niederschlag. Man sieht: Das passiert relativ häufig. Tatsächlich regnet es in Irland ständig. Aber nur selten regnet es besonders lange. Häufig versteckt man sich in seinem Bus und sieht ein irisches Pärchen mit Hund gemütlich aus dem Auto steigen und los spazieren. Ist ja eigentlich logisch: Wenn es gerade regnet, sollte es ja gleich besser werden. April bis Juni sind die trockensten Monate. Beim Niederschlag wird das nicht so deutlich wie bei der relativen Luftfeuchtigkeit. Sie liegt dann unter 80%, sonst immer darüber.

Surfen in Irland: Die rechten Wellen von Easkey
Das Leben in einer Pfütze. / Luca Brück für milchplus.de
Wellensicherheit Wassertemperatur Lufttemperatur Regen
Januar – März sehr hoch 9°C 2°C – 9°C 13 / 120 mm
April sehr hoch 10°C 4°C – 11°C 13 / 98 mm
Mai hoch 11°C 7°C – 13°C 12 / 103 mm
Juni hoch 13°C 10°C – 16°C 13 / 108 mm
Juli mittel 14°C 11°C – 17°C 14 / 120 mm
August mittel 15°C 11°C – 16°C 15 / 125 mm
September hoch 14°C 10°C – 15°C 12 / 105 mm
Oktober hoch 12°C 7°C – 12°C 13 / 124 mm
November – Dezember sehr hoch 11°C 3°C – 9°C 13 / 130 mm

Wie überall schwanken die Wassertemperaturen gewaltig. Im Sommer und Frühherbst 2021 war das Wasser an der Westküste Irlands mit bis zu 17°C wärmer, als in der ganzen Dekade zuvor. Noch Mitte September war ich viel mit einem 3/2er Neo und Schuhen im Wasser. Eigentlich geht der Temperaturbereich von etwa 13° bis 16°C. Die Wassertemperatur an der Küste ist außerdem Wind- und Regenabhängig.

Surfen in Irland: Ein Surfer mit dickem Neo steht am Strand und spiegelt sich im nassen Sand.
Starker Westwind, Bewölkung mit eindeutiger Absicht, das heißt der 5/4er Neo mit Haube ist angesagt. / Juli Wey für milchplus.de

Worauf man sich verlassen kann: Irgendwann Ende September oder Anfang Oktober wird das Wasser schnell kälter, die Temperaturen fallen auf 14, 13, 12 Grad, was mit dem richtigen Neo kein echtes Problem ist, aber zumindest den Urlaub im Camper deutlich unangenehmer macht. Man wird nicht mehr so richtig warm. Die beste Zeit für einen Surftrip nach Irland ist also der September. Auch der August kann gute Wellen und gutes Wetter bereithalten, allerdings sollte man dann darauf gefasst sein, notfalls auch etwas anderes zu unternehmen, falls die Wellen sich zieren.

Unsere 5 Lieblings-Surfspots in Irland

Irland hat weit mehr Wellen als die im Surfer- und JGA-Dorf Bundoran, die die weite Reise lohnen. Der nur knapp 700 Einwohner zählende Ort Lahinch im County Clare ist ein klassisches Surferdorf, von einfachen Reefbreaks bis zu ziemlich üblen Slabs finden sich hier für Surferinnen aller Level Wellen.

Surfen in Irland: Zwei Typen schauen aufs Meer
Es ist nicht immer leicht, den Neo bei Wind und Wetter anzuziehen. Aber der Ausblick hilft. / Juli Wey für milchplus.de

Der Ring of Kerry, eine Küstenstraße im Südwesten der Insel, ist vor allem bei Motorradfahrern und Bustouristen bekannt. Dabei liegt hinter fast jeder Kurve der Panoramastraße ein spannender Surfspot. Zugegeben, einige davon brauchen die großen Stürme des Winters, um wirklich zu funktionieren. Auch die längste Welle Irlands bricht hier, eine der nicht allzu zahlreichen rechten Wellen: Inch Reef, so der etwas irreführende Name.

Easkey Right

Rechter Reefbreak, 2 bis 12 Fuß, West- Nordswell, SO-Wind ist offshore
→ Oft vermischen sich die Swells und große Cleanup-Sets spülen über das Riff. Die Strömung geht meist unter dem Peak vorbei. Crowds.

Surfen in Irland: Easkey Right mit einem Surfer darauf, zwei weitere sind auf dem Weg ins Wasser
An guten Tagen wird gekreiselt: Ins Wasser, aus dem Wasser, Welle rauf, Welle runter. / Luca Brück für milchplus.de

Die allermeisten der bekannteren Surfspots in Europa kommen mit dem Ortsnamen oder einer eindeutigen Zuschreibung aus: Mundaka, Rodiles, Thurso, La Graviere, Supertubos, Arrifana, Moliets und so weiter. In Easkey geht das nicht. Das kleine Fischerdorf hält gleich zwei regionale Klassiker bereit: Eine Linke, die noch aus dem kleinsten Westswell eine surfbare, boulige Welle macht und eine Rechte, die kaum 300 Meter weiter über den flachen Kalkstein hinein in Richtung Hafen läuft.

Rein und raus aus dem Wasser ist nicht ganz ungefährlich, die meisten tragen deshalb auch im Sommer Reef-Booties. Am Besten soll die Welle bei Lowtide sein. Und vielleicht stimmt das auch. Aber bei kleineren Swells bis 6 Fuß geht auch alles außer High und wenn es größer wird läuft die Welle auch dann noch. Die Welle sei selten fantastisch, schreibt der Stormrider in einem halbgaren Versuch, die Leute davon abzubringen. Genau das aber garantiert für Intermediates den Surfspaß: Eine fordernde, nicht zu heftige Welle, die relativ konstant bricht. Und dann sind da noch die Parkbuchten mit Blick auf die Welle und das Waschhäuschen, dass ehrenamtlich gereinigt wird. Easkey ist ein Vanmagnet, komm nicht zu früh, denn du wirst nicht mehr weg kommen.

Kilcummin Harbour

Linker Pointbreak über Geröll, 3 bis 15 Fuß, West- bis Nordswell, SW-Wind ist offshore
→ Anlaufstelle im Sturm und oft voll, bei Nordwestswell einfacher, heftige Strömung und Barrels bei West

Surfen in Irland: Kilcummin Harbour ist ein Surfspot für die großen Weststürme
Setwellen sind oft rar in Kilcummin, hier werden mindestens drei Surfer überrascht und durchgewaschen. / Luca Brück für milchplus.de

Kilcummin hat ein auch für Irland besonderes Set-Up. Hier, am Rand der Killala Bay, fährt man steil hinunter in den kleinen Hafen, läuft auf den kleinen Landvorsprung und schaut hinaus auf die Steilküste der Landzunge. So weit das Auge blickt, rollen die Wellen erst über Kalkstein, dann über große, rund geschliffene Steinbrocken, bis weit in die Bucht. Doch in den seltensten Fällen ist die Welle von vorneweg surfbar. Kilcummin ist der Zufluchtsort bei Weststürmen, Südwestwind ist straight offshore, aber auch WNW ist kein echtes Problem. Über den Hafen kommt man relativ einfach ins Line-Up, auch wenn die Strömung stark sein kann. Der Ort ist besonders und auch die Welle kann einen der längsten und schnellsten linken Ritte deiner Karriere bereithalten. Aber die perfekten Bedingungen sind nicht ganz leicht zu fassen, oft schaffen es nur die großen Sets bis zum Spot und zu viele Surfer drängen sich dann darum; Nordswell lässt die Wellen in Sections brechen; zu viel Wasser ist schlecht, aber bei zu wenig Wasser wird die Insight richtig unangenehm. Ein Spot, den man sich erarbeiten muss.

Lacan Bay

Beachbreak, Linker Reefbreak, 1 – 8 Fuß, Nordwest- Nordswell, Südwinde sind offshore
→ Malerischer Spot, Anfängerwellen aber Achtung vor der Strömung

Surfen in Irland: Die Lacan Bay ist eine malerische Bucht im County Mayo. Rundherum gibt es den ein- oder anderen Spot zu entdecken.
Am hinteren Ende ist eine Flussmündung, die Bucht ist fast Zwei Kilometer breit. Nicht zu sehen ist das Linke Riff am Ostende der Bucht. / Luca Brück für milchplus.de

Einmal über den Hügel von Kilcummin liegt Lacan Bay. Der Spot ist auch von der anderen Seite der Bucht zu erreichen. Oft sieht man hier Delfine planschen. Die Bucht ist relativ flach, weshalb die Sandbänke oft nicht besonders gut liegen. Das macht den Spot zu einem guten Anfängerstrand. Aber Achtung: Geht nicht unbeaufsichtigt, wenn ihr noch wenig Erfahrung habt. Die Strömungen können stark sein. Die malerische Bucht ist auch ohne Wellen einen Abstecher wert und lädt zu den typisch irischen Strandspaziergängen ein. Die Wellen sind immer etwas kleiner, als die Vorhersage-Apps behaupten.

Falcarragh Beach

Beachbreak, 1 bis 8 Fuß, West bis Nordswell, Südwinde sind offshore
→ Vielseitiger, guter Beachbreak mit vielen Peaks zum wählen. Unterschiedliche Strömungen, beim Fluss aufs Meer, dann nach Osten.

Surfen in Irland: Ein Beachbreak im Norden von Donegal, Falcarragh Beach mit zwei Surfern und ein Regenbogen über Horn Head.
Im Hintergrund das Horn Head, ein wichtiger Brutplatz für Seevögel, eine archäologische Fundstätte und ein Ort, den jede Irin aus dem Radio kennt: Hier treffen die Island-Tiefs als erstes auf Land. / Juli Wey für milchplus.de

Während die Strände rund um Easkey und Bundoran meist sehr swellabgewandt sind und deshalb auch Schwierigkeiten haben, gute Sandbänke abzulagern (Ausnahme natürlich Tullan), ist Falcarragh im Nordwesten der Insel ein echter Swellmagnet. Ein eiskalter, torfiger Fluss färbt das Wasser in der Mitte der Bucht braun und sorgt für übel hohle Wellen. Auch der Parkplatz ist hier, manchmal wird die kleine Straße nach Regenfällen abgeschnitten. Die Locals gehen immer östlich der Flussmündung ins Wasser, “just a stupid thing”, sagt einer, ist halt so. Je nach Tide sind die Wellen im Stil der fiesen europäischen Beachbreaks: Barrels, dicke Lippen, Closeouts (Lowtide) oder lang und gemächlich, wobei meist die Rechten bevorzugt werden (kurz vor Hightide). Die Narosa Surfschule unterrichtet hier, wenn es klein ist, und bei Südwind ist der Spot ein Favorit der (wenigen) Locals.

Magheroarty Reef

Linker Pointbreak über Steine, 3 bis 15 Fuß, Südostwinde sind offshore
→ Sehr guter linke Wellen, mittel konsistent. Ziemlich wenig Wasser unter der Welle, speziell bei Lowtide am Peak

Surfen in Irland: Magherourty ist ein Hafen im Norden von Irland. Von hier fahren die Fähren nach Tory Island. In der Bucht ist ein Beachbreak, links vom Hafen ein Pointbreak.
Der Pier ist fest in den Krallen einer Möwengöng, aber die Wellen dahinter sind den Weg wert. / Luca Brück für milchplus.de

Einer der Trümpfe im Quartett von Nord-Donegal. Direkt neben dem Fähranleger geht ein Boulderriff weit in die Bucht hinein. West- bis Nordwestswell schält sich darum, bis die Wellen beinahe senkrecht zu sich selbst laufen. Da sollte man allerdings schon ausgestiegen sein, die Strömung am Hafen ist teilweise wirklich mies. Vorsicht auch vor der Tory-Fähre und Fischerbooten. Einige Surfer springen von der Hafenmauer, wir sind über die Steine gewatschelt. “Das ist keine Welle, die du beim ersten Mal durchschaust”, sagt einer der Locals. Etwas mehr Wasser als Lowtide, eher nicht Hightide, so die etwas schwammige Tidenangabe. Ross von Narosa sagt nur: “Wenn eine Welle da ist, dann paddel raus!”.

Irland: Spot-Tipps für Anfänger, Fortgeschrittene und Van-Reisende

Anfänger Intermediates Vanreisende
Lieblingsspot Rossnowlagh Easkey Right Easkey
Silbermedaille Tullan Bundoran, Tullan Kilcummin Harbour
Geheimtipp Achill Island Falcarragh

Die ganze lange Küste mit ihren zahllosen Buchten, Halbinseln, Flussmündungen und Stränden ließen sich perfekt zu einem Roadtrip nach Phils Geschmack verbinden. Denn sie werden von einer spektakulären Küstenstraße erschlossen, dem Wild Atlantic Way. Dabei handelt es sich nicht um eine alte Handelsroute, die wäre das Gegenteil von direkt. Vielmehr ist der Wild Atlantic Way eine der erfolgreichsten Werbemaßnahmen von Tourism Ireland überhaupt. Die ganzen alten Donkey Roads wurden unter dem klingenden Namen vereint und mäandern nun gemeinsam von Kinsale im County Cork bis zur nordirischen Grenze bei Derry, schlängeln sich die über 2600 Kilometer entlang des von endlosen Stürmen zerfaserten Küstenverlaufs.

Surfen in Irland: Cnoc Fola, Bloody Foreland am Wild Atlantic Way, eine rostige Wegmarke und der Autor Luca Brück
Stilvolle Wegmarken und eine Tafel mit anekdotischen Informationen zu Land und Leuten am Aussichtspunkt für das Bloody Foreland. / Juli Wey für milchplus.de

Wo das Meer auf das Land trifft, so verorten sie sich selbst im Nordwesten rund um Cnoc Fola. Hier steht eine der ersten Wild Atlantic Way Wegmarken, übergroß, gezackt und in der verwitternden Optik rostenden Stahls weist sie das “Bloody Foreland” aus. Ausnahmsweise geht der Name nicht auf eine Schlacht zurück, oder auf den Untergang irgendeiner spanischen Schaluppe. Nein, wenn einem die Gnade eines wolkenlosen irischen Sonnenuntergang zu Teil wird, blickt man hier auf eine weite Gerölllandschaft, die sich unterhalb von Meenalough ins Meer ergießt und rötlich im Abendlicht schimmert. Ein wenig ist es wohl auch der Mythos, die Erwartung, die hier den Blick bestimmt. Ross von der Narosa Surf School versteht jedenfalls nicht, warum wir die etwas holprige Straße von Magheroarty aus nach Westen wollen – “morgen früh werden die Wellen in Falcarragh ziemlich fantastisch sein”, sagt er.

Surfen Lernen in Irland

Überhaupt versorgen die Locals aus dem Norden der Grafschaft Donegal uns großzügig mit Surf- und Strandtipps. Noch ist die Region nicht wirklich auf dem Radar der wachsenden Zahl der Kaltwassersurfer. Während die Wellen von Easkey & Co. vor allem für Intermediates eine Fülle an guten und zuverlässigen Reefbreaks bietet, lässt einen ein Blick in den Postkartenständer des Centra in Dunfanaghy das besondere Potential der Grafschaft Donegal schnell erahnen: Eine malerische Bucht versteckt sich hier hinter der anderen. Es gibt unzählige Strände in allen Ausrichtungen, manche swellabgewandt, manche echte Swellmagnete. Obwohl es auf jeden Fall auch einige Spots für ambitionierte Surfer gibt, ist der Küstenabschnitt mit seinen verwinkelten Halbinseln und schroffen Landzungen vor allem auch für Anfänger ein lohnendes Ziel. Die wilden Wasser sollten allerdings mit Surflehrer erkundet werden.

Surfen in Irland: Eine Gruppe Spaziergänger am Strand von Keel auf Achill Island
Ein typischer irischer Strand mit viel zu dünn bis gar nicht bekleideten Badegästen, vielen Strangängern und den weiß getünchten Häusern im Cottage-Stil als Backdrop: Keel Beach auf Achill Island. / Luca Brück für milchplus.de

Ein weiteres Ziel zum Surfen lernen in Irland ist Bundoran, wo in Kombination mit Surf- auch Sprachkurse angeboten werden und eventuell auch mal so etwas wie eine Party steigt. Auch in Lahinch gibt es das volle Angebot an Verleih und Surfkursen. Beliebt bei Iren ist die Halbinsel Achill Island, hier reicht ein schöner Campingplatz ans Meer. Zwischen den Wellen von Keel Beach und den Campern stehen nur ein paar Schafe und der Surf-Container der lokalen Surfschule. 

Counties Beginner-Strände
Donegal Dunfanaghy, Marble Hill, Rossnowlagh, Tullan
Sligo Strandhill, Dunmoran Beach, Streedagh
Mayo Lacan Bay, Balderra, Keel Beach
Clare Fanore, Lahinch, Spanish Point
Kerry Brandon Bay, Ballybunion

Mit einem Klick auf diesen Link wirst du zu einer Google-Maps-Liste mit  mit den meisten Surfschulen in Irland weitergeleitet.

Packen für Irland: Was muss für den Surftrip in den Camper?

Du kennst deinen Camper besser als ich. Aber ein paar Dinge sind doch recht Irland-spezifisch. Die Liste versteht sich nicht als vollständige Packliste, sondern führt auf, was uns aufgefallen ist. 

  • Wetterfestes Change-Towel

Change Robes sind ja ein allseits beliebtes Geschenk. Die meisten davon sind aber einfach Handtücher mit Kapuze. In Irland tragen die meisten Surfer*Innen eine gefütterte Change Robe von Dryrobe. Das war halt die erste Firma, die die Dinger gemacht hat. Mittlerweile gibt es sie auch von Mystic, FCS und anderen Surf-Firmen. Es lohnt sich auch, mal bei den verrückten Winterschwimmern zu schauen, die haben so was auch, mitunter etwas günstiger.

Surfen in Irland: Gute Kleidung ist essentiell
  • Große Surfbretter

Pack die größten Boards ein, die du hast. Die Wellen sind nicht unbedingt immer gigantisch, aber oft. Dazu kommt, dass du einen dicken Wetsuit und Schuhe anhast, auch das bringt Gewicht aufs Board und schränkt die Paddel-Power ein. Jedes Jahr werden meine Boards etwas größer, die der wirklich shreddenden Eng- und Irländer sind aber noch länger.

Surfen in Irland: Ein Surfer mit orangenem Surfbrett am Strand von Easkey
Ordentliche Wellen und starker offshore: Wenig Boards unter 35 Litern sieht man im Wasser. / Luca Brück für milchplus.de
  • Dicke Neos

Eh klar, man braucht schon eine ordentliche Gummischicht für Irland. Was man aber erst realisiert, wenn man es erlebt, ist der windchill. An windigen Tagen kühlt man besonders schnell aus. Außerdem gibt es deutliche Wassertemperaturunterschiede zwischen exponierten und geschützten Spots. Viele Spots sind außerdem Reef- und Pointbreaks, an denen zwar oft viel gepaddelt werden muss, manchmal aber auch lange Setpausen zu überstehen sind. Daher sind für den September ein 4/3er und ein 5/3 mit Kapuze eine gute Basis für lange Sessions.

Surfen in Irland: Ein Neo trocknet über dem Seitenspiegel von einem MB 407D
  • Ohrstöpsel

Das kalte Wasser in den Ohren kann auf Dauer zum berüchtigten Surfers Ear führen. Dabei wächst der Knorpel in die Ohrmuschel. Es ist aber auch sonst deutlich leichter, sich zu erkälten oder sogar Bakterien und Viren im Wasser einzusammeln, wenn man nichts im Ohr hat. Die besten Ohrstöpsel macht nach wie vor Surf Ears.

  • Mülleimer zum Trennen

Irland hat eine lange, unrühmliche Geschichte des Mülls. Klar, eigentlich hat die jede westliche Gesellschaft. Anders als in Deutschland wird der Müll aber nicht wöchentlich abgeholt und ist dann weg, also aus den Augen. Das passiert auch, aber nur freiwillig und von privaten Entsorgungsfirmen organisiert. Abgerechnet wird neuerdings nach Gewicht. Es heißt also Müll sparen, auch für die Iren. Damit der ganze Müll nicht in öffentlichen Eimern landet, gibt es davon nur wenige. Und die, die es gibt, haben sehr kleine Öffnungen. Allerdings gibt es in großer Zahl Glas- und Dosencontainer. Beides sollte man also separat sammeln, auch im Camper. In vielen Läden kann man hinter der Kasse bereits Verpackungsmüll entsorgen. Der Rest muss in Säcken bei Deponien abgegeben werden.

  • Repair Kit

Es gibt schon einige gute Surfshops. Aber einerseits sind die oft nicht da, wo du gerade bist. Und andererseits sind deren Lieferketten wegen Corona und dem Brexit auch stark beeinträchtigt. Es lohnt sich sowieso immer, vor dem Trip ein schönes Repair Kit mit gutem Schleifpapier und ähnlichem zusammenzustellen. Für Irland und seine vielen Reefbreaks gilt das definitiv auch.

Surfen in Irland: Surfbrett Reparatur am Strand
  • Ersatzfinnen, Leashs und viel Surfwachs

Surfwachs kostete im Herbst in Irland bis zu 4,50 Euro je Block. Das sind immerhin 50% zusätzlich auf die UVP. Auch andere Essentials waren deutlich teurer als gewohnt. Es lohnt sich also, schon im Vorfeld günstige Ersatz-Leashes und Finnen und genug Wachs zu shoppen (wenn man das Surf-Wachs nicht selber machen will), so dass man auch dem ein oder anderen Iren aushelfen kann.

  • H-Milch

Nirgends geht es den Kühen so gut wie in Irland. Dank des milden Klimas kommen Rinder auf wenig Stall- und viel Wiesenzeit. Es wird auch viel Milch getrunken. Vollmilch gibt es aber nur frisch. Haltbare Milch hat in aller Regel nur ein halbes Prozent Fett. Wer gerne Müsli am morgen hat und nicht alle zwei Tage einkaufen gehen möchte, sollte sich spätestens in Frankreich versorgen.

  • Bücher

Irland ist nicht der richtige Ort, um von einem Spot zum nächsten zu hetzen. Das kann man so machen, und dank der akkuraten Wellenvorhersagen hat man damit auch oft Erfolg. Aber oft verändern sich die Bedingungen auch, manchmal stürmt es tagelang, selten genug kann sich der Wetterbericht entscheiden, verspricht stattdessen “sonnige Abschnitte”. Kurz, es braucht schon etwas Geduld für Irland, Langmut auch genannt, die Fähigkeit, ruhig zu sitzen und den Regen Regen sein zu lassen. Dabei hilft gute Reiselektüre. Und so wie ein gutes Surfboard eines ist, dass dir Spaß bereitet, ist natürlich auch gute Reiselektüre die, die dich unterhält.

Surfen in Irland: Was ins Gepäck gehört
Wollpulli, Ersatzleash, Thermosbecher und Lesestoff: Die Kurzpackliste für Irland / Luca Brück für milchplus.de

Es gibt aber auch spezifische Irland-Lektüre, die hier empfohlen sein soll: “Irisches Tagebuch” von Heinrich Böll ist ein schmaler Band über die Eigenheiten der Iren, der Familie Böll und natürlich über das Wetter. Und obschon sich alles verändert hat seit den Reisen der Bölls, wirkt vieles so präsent wie die ewig an die Küsten brandenden Atlantikwellen. Wer im Westen Irlands unterwegs ist, und das sind gut beratene Surfer*innen, der wird sich auf den Spuren von Nicole Quint wiederfinden. Für ihre bei Picus verlegte “Lesereise Westirland” bereiste sie den Wild Atlantic Way. Sie schreibt poetisch und fast ohne Kitsch über das, was sie sieht und liefert die Art von Hintergrundinfos, die in Surfblogs meist fehlen. Als drittes sei noch die “Gebrauchsanweisung für Irland” von Ralf Sotscheck genannt. Die Reihe rühmt sich einer persönlichen und im besten Sinne des Wortes abwegigen, anekdotischen Herangehensweise an die Reiseführerrei.

  • Thermoskanne

In Italien bestellt man keinen Tee, in Irland keinen Café. Eigentlich ganz einfach, in der Praxis ist man dann doch oft zu globalisiert sozialisiert. Im Camper sollte eine Thermoskanne nicht fehlen. Dann hat man nach dem Surf direkt etwas zum Aufwärmen.

  • Gasherd-Toaster

Brot wird im Camper doppelt so schnell alt wie zu Hause. Und auch noch so irrational. Erst lätschig, dann hart. Beide Zustände lassen sich mit einem Aufsatz für den Herd in den Griff bekommen.

Fazit 

Weit ab vom Trek der Surf-Karawane in den Süden ist Irland ein besonderes Reiseziel, nicht nur für Surfer. Es ist nicht wirklich kalt hier oben, aber die feuchte Luft und der ewig brausende Wind kriechen dir in die Knochen. Es ist vielfarbig grau, bis ein Regenbogen spektakulär die leuchtende Weite aus Torf, Wiese, Fels und weißgetünchten Häusern überspannt. Aber wo ein Regenbogen ist, ist auch Regen. Und die Wege sind weit in Irland, viele Straßen klein, viele Fahrzeuge langsam. Du wirst die Insel trotzdem ins Herz schließen. Die Wellen haben vielfach eine Qualität, die man sonst nicht oft findet. Auch die Menschen haben eine Herzlichkeit, die sich so nur aus der Schroffheit der Landschaft und einer etwas demütigen Haltung zum Leben, Universum und dem ganzen Rest erklärt. Jedenfalls wird man immer offen und interessiert angesprochen, ist auch im Wasser willkommen, selbst wenn einige Spots mittlerweile doch deutlich voller sind, als noch vor 5 Jahren.

Surfen in Irland: Kühe reiben sich an der Mauer eines kleinen Schreins.

Viele Spots sind aber weit weg von größeren Städten, so dass sie ruhig bleiben, auch an guten Tagen. Und alleine der Aufwand, den du betreiben musst für zwei gute Wochen Irland, laden den Trip mit Wellen-Wertschätzung auf. Man darf nur den Fehler nicht machen, zu viel zu erwarten, oder ganz bestimmte Bedingungen. Wer nach Irland reist, der sollte auf alles gefasst sein, das gilt für das Wetter wie für die Wellen. Die beste Zeit ist der September, auch April und Mai können lohnende Monate sein.

FAQ zum Surftrip nach Irland

Wann ist die beste Zeit, um in Irland zu surfen?

Die beste Reisezeit für Surfer ist, will man das so pauschal sagen, der Herbst, also die Monate September und Oktober. Das Wasser ist dann relativ erträglich, auch die Chance auf etwas sanfteren Wind und die ein- oder andere trockene Stunde besteht. Und die Swells kicken regelmäßig. Anfänger sollten sich auf die sogenannten Sommermonate stürzen. Dann gibt es ein großes Angebot an Surfkursen und Verleihmaterial, die Wellen sind sanfter und etwas wärmer, jedenfalls im August.

Wie sind die Wellen in Irland?

Irland ist vor allem für seine krassen Big-Wave-Spots bekannt. Mullaghmore Head, Crab Island, Aileens, es gibt tatsächlich einige davon. Die Insel liegt einfach denkbar provokant im Weg der atlantischen Winterstürme. Es gibt aber auch eine ganze Reihe dezidierter Intermediate-Spots. Sorge dafür tragen die flachen Kalksteinplatten, über die die Wellen kraftvoll aber nicht zu hohl brechen. Allerdings sind die Wellen schon oft groß. Das muss man mögen. Die durchschnittliche Swellgröße im September sind 8 Fuß, also fast drei Meter. Es gibt auch einige gute Beachbreaks. Die besseren sind aber alle weit im Norden, in Donegal und Nordirland zu finden.


Was ist das Besondere an Irland?

Irland ist immer noch off the grid. Die Fähren kosten etwa 200 Euro für einen Weg. Das hält viele der üblichen Surfbums ab. Und auch nicht surfende Wohnmobilfahrer verirren sich nicht dauernd auf eine Fähre. In der Folge ist die Insel von den Wogen des Massentourismus weitgehend verschont geblieben, einzig Dublin kann das Liedchen vom Städtetripper summen. Wer auf die Insel übersetzt, sollte auf alles gefasst sein. Das betrifft die Wellen, die es wirklich in jeder Größe und Geschmacksrichtung gibt und das Wetter. Verlassen kann man sich auf die Herzlichkeit der Iren und eine fantastische Pubkultur. Dafür kann es auch unangenehm sein, zum Surfen nach Irland zu fahren, kalt und roh und windig.

Wie kommt man am Besten nach Irland?

Wer mit dem Wohnmobil oder mit dem Auto anreist, hat die Wahl zwischen der sogenannten Landbrücke via England und Wales und der Seebrücke über Frankreich. Eine relativ entspannte Option ist die Fähre von Dublin nach Cherbourg. Flüge gehen aktuell vor allem nach Dublin, von München, Hamburg, Zürich, Köln, Memmingen und Berlin aus.

Was sind die besten Orte zum Surfen in Irland?

Irland ist eine Insel, surfen kann man rundherum. Die besten Spots sind an der Westküste, von der Dingle-Halbinsel bis hinauf nach Donegal. Weil die Wellen besonders zuverlässig brechen und der vorherrschende Wind cross-offshore ist, fahren viele reisende Surfer nach Bundoran und Umgebung. Nominell hat das County Clare noch mehr besonders gute Surfspots. Die verbleibenden Regionen, also Kerry, der Nordwesten von Donegal, Galway und Mayo sind nicht besonders erschlossen und es gibt einen haufen Spots zu entdecken — wenn man geduldig ist und auch mal durch Regen und Matsch wandert.

Regnet es in Irland wirklich jeden Tag?

Beinahe. Dass es wirklich den ganzen Tag trocken ist kommt vor, ist aber dann schon ein Ereignis. Oft regnet es nicht besonders stark, nieselt eher. Vor allem: Wenn es regnet, regnet es selten besonders lange. Trotzdem kommt es während eines vierwöchigen Surftrips praktisch nicht vor, dass man den Tisch zum Essen nach draußen stellt.

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