Rip Curl E Bomb 3/2 Zip Free im Test

Rip Curl E Bomb 3/2 Zip Free – Neoprenanzug ohne Reißverschluss im Test

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Material & Verarbeitung      +++++
Features                     +++++
Flex & Tragekomfort          +++++
Wärme                        ++++
Garantie                     +++++
Herstellung & Nachhaltigkeit +++
Preis                        +++
Gesamtbewertung              4,3 / 5

Die E Bomb E6 Neos – Ohne Reißverschluss und in den Dicken 2/2 bis 5/3 zu haben – sind die High Performer unter den Rip Curl Wetties. Sorge dafür trägt das neue Neoprenmaterial E6, das tatsächlich sehr angenehm auf der Haut liegt und viel Flex bietet. Die Wärmeleistung ist ausbaufähig, genau wie die Schnelltrocknung. Beides sieht man im eigenen Haus schon besser bei den Flashbombs. Kann man nicht alles haben? Trotzdem: Mit dem ausgereiften Zip-Free Design, dem Stretch, Komfort und den durchdachten Features (Eine funktionierende Schlüsseltasche für alle Bulli und Düdo Fahrer!) ist der 3/2er Neo insgesamt ein sehr guter Anzug für wärmere Wassertemperaturen.

“Der E Bomb 3/2 Zip Free ist ein Top-Wetsuit für den europäischen Frühsommer bis Herbst.”

Tester Luca

→ Gesurft, gewaschen, getrocknet. Luca hatte den Rip Curl Neos bei zwei Wochen Sommersurf in Frankreich im Einsatz. Dafür hat uns Rip Curl den Neo kostenlos zur Verfügung gestellt. Wie objektiv kann der Test dann noch sein? Das haben wir uns auch gefragt: Lies hier mehr dazu, wie wir testen.

Der Neo

Rip Curls neuer E-Bomb Wetsuit sortiert sich an gewohnter Stelle ein: Obere Mittelschicht mit Ambitionen, könnte man sagen. Die günstigsten Wetsuits von Ripcurl hat kaum jemand auf dem Schirm, die Omega Linie. Einen 3/2 Omega gibt es schon für um die 110 Euro. Backzip natürlich. Das hat verschiedene Nachteile: Es dringt mehr Wasser ein, die Verschlüsse gehen oft selbstständig auf, häufig kommt es zu Hautirritationen am Hals. Wer einmal einen Frontzip Neo hatte, wird nicht wieder zurücktauschen. Front Zips gibts auch schon bei den ordentlichen Dawn Petrols, der nächsten Preisstufe. Danach kommen eben die E-Bombs und dann nur noch die sagenumwobenen Flashbombs.

Rip Curl E Bomb E6 im Test: Tester Luca beim Bottom Turn
Der Neo macht eine gute Figur, der Tester arbeitet immerhin noch an der eigenen.

Dabei soll der E-Bomb nicht der zweitbeste Anzug sein, sondern der Performance Suit, das Modell für Wettkämpfe, für das Wie-ohne-Neo Gefühl, der “bestmögliche Wetsuit” eben (ohne den Flausch-Flausch Komfort der Flashies). Dafür setzen die Australier auf das neueste Neopren und ein Design ohne Reißverschluss (Zip Free). Günstig ist das dann nicht bzw. nur im Vergleich mit anderen sehr teuren Neoprenanzügen: Die UVP liegt bei 289,99 Euro.

Ab ins Wasser: Der Rip Curl E-Bomb 3/2 im Test

Material & Verarbeitung

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Keine Abzüge hier: Die Verarbeitung entspricht nicht den Erwartungen, sie ist besser. Normalerweise versenge ich an den Nahtenden alle abstehenden Fäden, um ein Aufdröseln zu vermeiden. Das war hier nicht nötig, alle Nähte sind absolut vertrauenserweckend. Apropos Nähte: Die einzelnen Teile werden ja bei Wetsuits Stoß auf Stoß verklebt (Standard) und dann vernäht: Hier allerdings nur einseitig durch das Neopren (außen), so dass innen keine Nähte auftragen und kein Wasser durch die Nähte kommen kann. Die Verklebung ist außerdem dreifach, was auch immer das heißt. Klingt aber sehr fest und sieht auch so aus.

Rip Curl E Bomb im Test: Der Neo zeigt beim Trocknen innere Werte
Gut vernäht, wichtige Stellen verklebt und mit einem sehr dehnfähigen Textil kaschiert: Die Verarbeitung ist nicht zu beanstanden.

Der Neo ist aus E6 Thermoflex, einem sehr leichten Neopren mit extrem viel Stretch. Besonders beanspruchte Stellen sind mit Neopren Streifen getaped. Innen ist das Neopren blau kaschiert, wie und mit was genau weiß ich nicht, es liegt aber angenehm auf der Haut.

Features

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Was soll schon dran sein an so einem Neo? Der neue E-Bomb hat

eine weiterentwickelte Halskrause: beim ersten Anziehen verspüre ich eine leichte Beklemmung. Das ist schon recht eng. Andererseits: Nach ein paar Minuten habe ich den Gedanken vergessen und freue mich darüber, dass hier tatsächlich mal etwas so wasserdicht ist, wie behauptet.

eine Schlüsseltasche an neuer Stelle mit Magnetverschluss: Jetzt, da es kaum noch nicht elektronische Schlüssel gibt, funktioniert die Schlüsseltasche endlich. Früher platzte irgendwann der Reißverschluss auf, das wurde durch Weglassen effektiv verhindert. 

Zip-Free Design: Muss man das noch erklären? Es gibt halt keinen Reißverschluss mehr. Das Anziehen wird dadurch minimal aufwendiger, ansonsten fällt noch auf, dass der Anzug “auf Halbmast”, also halb angezogen auf die Hüfte gezogen deutlich enger sitzt. Die Befürchtung ist, dass die zusätzliche Beanspruchung die Haltbarkeit verkürzt. Wir behalten das im Auge. Der Verdacht, dass deutlich mehr Wasser eindringt, bestätigt sich indes nicht, im Gegenteil. Zieht man die Gummikordel ordentlich an, kommt überhaupt kein Wasser mehr in den Anzug! Dafür hebt sich der linke Arm auch nicht mehr so uneingeschränkt, wie versprochen. Man geht also einen Mittelweg.

Rip Curl E Bomb im Test: Das Verschlusssystem Hydro Lock
Das Verschlusssystem des E Bomb: Eine Gummikordel, die durch eine Schnalle gesichert wird. Funktioniert sehr gut, siehr auch stabil aus, aber ob das besser/länger hält, als die Front-Zips?

Keine Nähte unter den Achseln und auf den Schultern: Das ist mir überhaupt nicht aufgefallen, weder negativ noch positiv; also eben vielleicht doch irgendwie positiv.

Flex & Tragekomfort

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Wahnsinn: Nochmal 20% mehr Stretch als die E5 Neos. Ehrlich gesagt, das wäre mir kaum aufgefallen. Klar, der Anzug ist super stretchy, aber echte Einschränkungen hatte ich auch mit den alten E-Bombs nie. So viele Airs habe ich allerdings auch nicht gerissen. Das der Anzug ein hervorragendes Tragegefühl hat, unterschreibe ich sofort. Wichtiger für mich als die 20% Stretch Gewinn und die 15% Gewichtseinsparung ist aber, dass der Neo langfristig beweglich bleibt und nicht steif wird. Das Wichtigste ist da die Pflege, das ist mir schon klar. Es kommt aber auch auf die chemischen Verfahren und Stoffe an, die beim Aufschäumen des Kautschuks verwendet werden. Dazu mehr, wenn ich mehr weiß.

Einige Rezensenten schreiben, sie hätten beim Surfen vergessen, überhaupt einen Neo zu tragen. Oder so ähnlich. Das ist natürlich Quark, das Leben ist tatsächlich besser in Boardshort, wie die Konkurrenz wirbt. Aber wenn leere Line-Ups und längere Sessions der Lohn für das Wetsuit-Tragen sind, dann immer her damit! Und man könnte mit dem E-Bomb tatsächlich vergessen, dass man einen Wetsuit anhat, wenn man nie in Boardshorts surft.

Rip Curl E Bomb im Test: Die Linken Wellen von la Sauzaie

Übrigens: Der Neo ist so dehnbar, dass es Sinn ergibt ihn etwas kleiner als gewöhnlich zu kaufen. Ich trage L bei 1,85 m und 80 Kg. MT wäre eine Option gewesen, die ich bei Gelegenheit noch nachteste.

Anprobieren ist natürlich zu empfehlen, ansonsten hat Rip Curl aber auch eine recht ausgeklügelte Größentabelle, um die ideale Neogröße zu bestimmen.

Wärme

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Das neue Neopren Thermoflex E6 soll nicht nur sehr stretchy, sondern auch sehr warm sein. Der subjektive Eindruck ist da zwiegespalten. Bei angegebenen 21 Grad Wassertemperatur und leichtem Wind in Montalivet hatte ich es irgendwann kühl – bei 17 Grad Wassertemperatur in la Sauzaie dagegen fühlte ich mich wie im warmen Sand sitzend. Insgesamt sind die Testbedingungen keine wirkliche Herausforderung für den Temperaturcheck: Man paddelt viel gegen die ewige französische Strömung, das Wasser hat um die 20 Grad und die Luft deutlich über 30. Da ist es eher bemerkenswert, dass ich es nie zu warm hatte. Insgesamt scheint die Temperaturspanne, in der man diesen Anzug tragen kann, recht hoch zu sein. Für mich würde ich schätzen: 14 – 22 Grad. Ob das an dem mythischen Neopren liegt? Ich denke, es liegt vor allem an der sehr guten Passform. Ist ja egal, solange es wärmt, könnte man sagen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Ich schließe daraus: Der Neo sollte möglichst gut passen! Also entweder anprobieren oder wirklich genau die verschiedenen Größentabellen checken. Für kältere Wassertemperaturen würde ich Wärme über Stretch bewerten und zu einem Flashbomb oder einem anderen dezidiertenen Kaltwasserneo greifen.

Rip Curl E Bomb im Test: Wie warm hält der Anzug?
An Reefbreaks wie hier muss man oft lange auf Wellen warten, ohne sich viel zu bewegen. Da geht es an die Kernkompetenz des Wetsuits.

Garantie

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Wie gut wird der Gewährleistungsanspruch umgesetzt und gibt es eine Garantie? Fragen, die man beim Kauf hintenanstellt, die aber recht akut werden können. Rip Curl gibt drei Jahre Garantie auf die Nähte und ein Jahr auf alle Materialien. In dieser Zeitspanne repariert Rip Curl deinen Neo. Das ist eine sehr ordentliche Garantie Regelung, jedenfalls vergleichsweise. Beim Kauf über Rip Curl Europe gibt es die Rücksendeettiketten dazu.  Um Anspruch auf die Garantie zu haben, muss der Kaufbeleg von einem lizensierten Händler vorgelegt werden. Auf der Website von Rip Curl findet sich eine Liste dieser Händler. Wenn du deinen Neo in einem Outlet kaufst, halbiert sich die Garantiezeit.

Herstellung & Nachhaltigkeit

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Ein unangenehmer Aspekt für alle Surfer*Innen. Das pure Erleben der Elemente ist ja der rote Faden in der ewigen Erzählung vom Surfen durch die Welt und das Leben. Gerade dieser Lebensstil aber gefährdet den Status Quo. Natürlich hat das Surfen diese kognitive Dissonanz nicht exklusiv, aber hier ist es doch recht frappierend. Neoprenanzüge und Surfboards, die beiden unverzichtbaren Bestandteile einer Surfausrüstung, sind dabei die größten Lässlichkeiten. Neben dem Reisen an sich natürlich. Bei Neos ist das Problem zum Einen das Ausgangsmaterial, letztlich nämlich Erdöl, aber auch die eingesetzten Chemikalien, um den Neo dehnbar, leicht und haltbar zu bekommen. 

Der E-Bomb ist dabei aus klassischem Umweltsünder-Neopren. Relativierend kann man anführen, dass im Jahr 300000 Tonnen synthetischer Kautschuk produziert werden. Nur ein Bruchteil wird für Neos verwendet, das meiste landet in Autos.

Die andere Frage ist, ob man einen Neoprenanzug Produzenten dafür abstrafen möchte, dass er gut darin ist, was er tut. Wenn ich Restauranttester bin, lasse ich ja auch die geringen Löhne der Kellner außen vor. Oder ist das zu bequem?

Der andere Aspekt dieser Kategorie soll die Arbeitsbedingungen der Produzenten bewerten. Das ist nicht ganz einfach. Rip Curl hat in Thailand schon seit 1989 eine eigene Fabrik, in der die Wetsuits gefertigt werden. Dazu gibt es einen selbst auferlegten Kodex für die Arbeitsbedingungen in der Fabrik. Die Wetsuits werden also unter annehmbaren Bedingungen produziert. Wie genau lässt sich allerdings schwer überprüfen. Besonders progressiv liest sich aber auch der eigene Kodex nicht. Vor Jahren gab es außerdem einen Skandal, als herauskam, dass Snowboardjacken für Rip Curl in Nordkorea gefertigt wurden.

Für einen Neoprenanzug braucht man übrigens etwa einen Liter Kautschuk (kommt natürlich auf die Dicke an). Entscheidender als die Herstellung ist letztlich, wie lange der Neo hält und wie er recycelt wird. Das soll kein Freibrief für eine bedenkenlose Herstellung sein. Es soll vielmehr deutlich machen, dass jeder Konsum an sich kritisch ist. Für Surfer*Innen, die ja beinahe lebenswichtig auf Neopren angewiesen sind, heißt das: Überleg dir, was du brauchst und kauf dann etwas Ordentliches. Und pflege deinen Neo!

Preis

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Der Neo kostet laut Website 289,99. Ist er das Geld wert? Vergleichbare Produkte liegen in der Nähe, oft leicht darüber. Trotzdem ist das viel Geld, speziell für einen Sommeranzug. Für den Testtrip nach Frankreich hätte es auch ein wesentlich günstigerer Neo getan, in der Vergangenheit ging es ja auch. Ob man bereit ist, den Komfortgewinn zu bezahlen, muss man letztlich selbst entscheiden. Die Verarbeitung deutet auf jeden Fall auf eine lange Haltbarkeit bei guter Pflege hin. Ich halte den Preis angesichts der Features, Materialien und Qualität für einen angemessenen Marktpreis. Trotzdem ziehe ich Punkte ab, weil der Neo definitiv günstiger sein könnte. Oder, noch besser: Ein Teil des Kaufpreises sollte in die weitere Verbesserung der Produktionsbedingungen gehen und in die Kompensation der Ressourcen, die für die Wetsuits verbraucht werden.

Fazit zum E-Bomb

Im Sommertest hat der Neo mühelos mein Herz gewonnen. Ohne Frage ist der Wetsuit richtig gut. Immer noch nicht ganz sicher bin ich mir, ob die Entwicklung zum Zip Free Design so ein revolutionärer Fortschritt ist, wie versprochen. Hängt finde ich am Ende neben der eintretenden Wassermenge (das hat der Neo sehr gut im Griff) vor allem an der Haltbarkeit. Da steht das Langzeitfazit noch aus.

Rip Curl E Bomb im Test: Für wen ist der Wetsuit das Richtige?

Die Frage beim Rip Curl E6 ist, wer diesen Anzug eigentlich braucht. Pros, klar. Möchtegern Pros, auch gut. Ansonsten muss man sich nichts vormachen: Den Zugewinn an Stretch merkt man am Tragegefühl, das eigene Surfen wird dadurch aber nicht automatisch besser. 
Wer selten surft braucht diesen Anzug nicht, wer in kälterem Wasser unterwegs ist, sollte sich bei den Flashbombs umsehen. Der 3/2 Neo ist durch die sehr gute Passform ein sehr guter Allrounder für milde Wassertemperaturen. In Spanien etwa für Juni bis November. Das richtige also für ausgedehnte Herbst- und andere Vielsurfer mit Hang zum Komfort-Neo.

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