Surfen in Lissabon

Die hügelige Stadt über dem Tejo hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Reiseziele für das europäische Kurztrip-Jetset entwickelt. Die Gründe dafür sieht man an jeder Ecke und spürt sie mit jedem Schritt über das Pflaster der engen Gassen. Die eigentliche Frage ist, wie Lissabon so lange ein Geheimtipp bleiben konnte.

JahreszeitWinter/FrühlingSommer/Herbst
Beste ReisezeitDez, März und AprilSept, Oktober
WellensicherheitSehr hochHoch
Wassertemperatur13 °C18-19 °C
Lufttemp. min – max9 – 20 °C14 – 26 °C
Sonne / Regenetwa 25 % Regentageetwa 17 % Regentage

Die Tabelle bietet dir eine knappe Übersicht zu den verschiedenen Reisezeiten im Winter und im Sommer. Während es von Mai bis August nur wenig Niederschlag gibt im Jahresmittel, kann es in den Wintermonaten und speziell von Oktober bis Februar oft und ergiebig schütten. Der Alfacinho (nach dem portugiesischen Wort für Kopfsalat für die Einwohner Lissabons) nennt das dann “Regen, der aus den Gullis kommt”.

Die meisten Besucher kommen mit dem Flugzeug, der Flughafen liegt nur 5 Kilometer nördlich des Stadtzentrums und ist hervorragend an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. Mittlerweile fliegen allerdings so viele Flugzeuge die Stadt an, dass ein neuer, größerer Flughafen auf der anderen Seite des Tejo geplant wird. Für Surfer ist das keine allzu schlechte Nachricht: Die konstantesten Surfspots liegen hier, nahe des Stadtteils Almada, an der Costa da Caparica.

Hier findet jedes Jahr im Frühling ein großes Surffestival statt, in dessen Rahmen auch ein Qualifier der World Surf League stattfindet. Die Wellenqualität ist also sozusagen offiziell geprüft! Auf der anderen Seite des mächtigen Tejo, von der Altstadt in Richtung der Kasino, Tennis und Golf Stadt Cascais und darüber hinaus, liegen die Spots einer nach dem anderen vor der Uferpromenade – wo sonst kann man aus der Metro die Wellen checken?

Durch die Lage an der Tejo Mündung hat Lissabon und das nähere Umland ein extrem großes Swellfenster, so dass beinahe das Ganze Jahr konstant Wellen zu finden sind. Einige der besten Spots, die zwischen Lissabon und Cascais liegen und Südswell oder großen Nordwestswell brauchen, entfalten ihr Potential aber vor allem im Herbst und Winter. Dann sind auch weniger Touristen in der Stadt, es ist leichter eine Unterkunft zu finden und die Flüge sind günstiger.

Surfen in Lissabon: Beste Spots

Spotübersicht für Lissabon (mit Karte)

Klicke die Markierungen in der Karte an, um eine Kurzbeschreibung des jeweiligen Spots aufploppen zu lassen!

1 Praia das Macas
2 Praia Grande/Pequena
3 Guincho
4 Monte Estoril
5 Poca
6 Sao Pedro
7 Parede
8 Carcavelos
9 Santo Amaro
10 Costa da Caparica

Mittlerweile sind die allermeisten Surfspots auf die ein oder andere Weise im Internet auffindbar. Es gibt allerdings immer noch so manchen versteckten “Secret Spot”. Das sind aber mehr und mehr Spots, die nur bei ganz bestimmten Bedingungen funktionieren und vor allem deshalb nicht die Massen anziehen. Für manche Locals sind diese Spots die letzten Rückzugsorte. Darum achten wir hier darauf, nur schon einigermaßen bekannte Spots aufzuführen.

Solltest du der Meinung sein, dass ein bestimmter Spot hier nichts zu suchen hat, dann schreib uns bitte. Wir löschen ihn dann. Für die meisten von uns deutschsprachigen Festland-Ferien-Surfreisende ist das gar nicht unbedingt ein Verlust, weil uns andere Dinge wichtig sind, als für den spanischen Local. Außerdem gehört das Wellensuchen immer noch zu den schönsten Beschäftigungen auf einem Surftrip.

Spotbeschreibungen für Lissabon und Umgebung

Von Lissabon nach Westen und Nordwesten

Die Spots an der Linea, also der Metro, haben den Vor- und Nachteil ihrer Südwestausrichtung. Sie brauchen recht viel Swell, profitieren dafür aber von den vorherrschenden Nordwinden, die offshore wehen – so gibt es erstaunlich viele Bilderbuchtage nahe der Hauptstadt.

Surfen in Lissabon - Monte Estoril
Ein großer Swell trifft langsam ein, in Monte Estoril brechen die Wellen ungewöhnlich weit vom Pier entfernt.

Der erst Spot von Lissabon aus, der regelmäßig (das heißt etwa 6 Mal im Winter) gesurft wird, ist Santo Amaro. Ein Reefbreak, der doch recht geschützt liegt und dementsprechend viel Swell braucht. Wenn Santo Amaro allerdings bricht, ist sie eine der besten Wellen der Region. Je mehr Wasser, desto sicherer ist die Welle, bei Low Tide surft niemand mehr. Die lange Rechte, die teilweise barrelt, läuft um die Küstenbiegung vor dem Jachthafen.

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Santo Amaro ist auch bei den Pros auf dem Zettel

Weiter westlich auf der Küstenstraße N6 folgt der Praia de Torre, ein weitgehend uninteressanter Spot, der vor allem in stürmischen Bedingungen von Surfschulen frequentiert wird, die den kurzen Weg von Carcavelos rüber laufen.

Carcavelos ist der wahrscheinlich bekannteste Spot Lissabons, der Beachbreak ist überraschend konsistent, bedenkt man seine Ausrichtung und zu allen Tiden laufen etliche Wellen schnell und hohl über die Sandbänke. Die Linken sind in aller Regel machbarer, aber die Wellen sind generell anspruchsvoll und kraftvoll. Dennoch sind viele Surfschulen hier zu finden, Anfänger können gut auf den Weißwasserwalzen vor den Sandbänken üben. Wer sich in Supertubos oder Graviere wohl fühlt, wird auch Carca mögen, die vielen Durchschnittssurfer haben mit ihren Versuchen allerdings den Begriff “German Bomb” für das von der Lippe der Welle Fallen geprägt. Offshore Wind kommt aus Nordosten.

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Das Capitulo Perfeito findet jedes Jahr an wechselnden Stränden im Großraum Lissabon statt. Eingeladene Surfer kommen an einem der besten Tage des Winters – die Waiting Period ist drei Monate lang – zusammen und lassen sich vermöbeln.

Der Spot Parede ist beliebt bei Stand-Up-Paddlern, wie beinahe überall an der Linea gibt es auch hier Bezahlparkplätze direkt vor dem Spot. Die lange Rechte ist selten sehr gut, dafür ist aber auch oft nicht so viel los. Weil es nicht ganz einfach ist, zum Lineup zu kommen, ist Parede eher ein Spot für erfahrene Surfer.

Im Vorort Sao Pedro gibt es zwei sehr beliebte Wellen, eine Rechte und ein A-Frame, beides Reefbreakes, die einfach vom Strand erreicht werden. Auch der große Parkplatz tut der Beliebtheit keinen Abbruch. Bico ist eine ziemlich behäbige Rechte, die sehr lang bricht und erstaunlich groß werden kann. Sie bricht nahe der Felsnase und es ist schon eine Herausforderung, sich eine der Setwellen zu schnappen. Viele der besseren Surfer sind 200m weiter östlich bei Bafureira, die Wellen hier brechen etwas steiler und sind besser geformt. Dafür nimmt man entweder einen langen Paddelweg in Kauf oder geht am Fuß des Restaurants an Land, was je nach Tide nicht jedem geraten sei! Bafureira war zeitweise ein Backup Spot der Frauen auf der Tour der World Surf League. Beide Spots sind am Besten bei mid-tide.

Surfen in Lissabon - Die Surfspots von Sao Pedro
Session im Sonnenuntergang an den beliebten Riffs von Sao Pedro.

In Sao Joao gibt es drei Spots: Bolina, eine bei Bodyboardern beliebte Wedge, Poca und Azarujinha. Die weitere Anfahrt lohnt sich selten, weil die Spots sehr im Swellschatten von Cascais liegen.

Das sollte man auch von Monte Estoril meinen, dem letzten Spot an dieser Küste. Direkt vor dem gleichnamigen Bahnhof bricht eine Rechte an der Mole über teilweise kaum von Wasser verdeckte Felsklötze. Deshalb ist dieser Spot vor allem bei größeren Wellen und höherer Tide zu empfehlen. Dann allerdings kann man hier überraschend gute Wellen mit überraschend wenig anderen Surfern teilen.

Surfen in Lissabon - Surfspot Monte Estoril
Angler und Touristen, aber kaum Surfer finden sich am Spot Monte Estoril kurz vor Cascais.

Die weiter entfernten Strände Guincho und Praia Grande sind auch eine Erwähnung wert, vor Allem am Guincho bricht eine Rechte von erstaunlicher Qualität, wenn die Bedingungen (wenig Wind und wenn aus Osten) stimmen. Diese Strände sind sehr exponiert, bekommen viel Swell und leiden oft unter den Nordwinden. 

Die Costa da Caparica

Einst fuhren die Städter aus Lissabon mit einer Schmalspureisenbahn über die an die Golden Gate Bridge erinnernde Brücke an die Strände von Caparica. Dann bauten Investoren große Wohnblöcke mit Strandapartments und die Menschen flohen vor den Mietpreisen über den Tejo nach Almada und an die Costa und die Reichen separierten sich wieder und bauten Strandhäuser in und um Cascais und Sintra.

Surfen in Lissabon - Surfspot Costa da Caparica
Die Costa bietet ideale Bedingungen für Surf-Neulinge

Die Molen helfen den Sandbänken beim Aufbau und meist verläuft links einer Mole ein Channel mit starker Strömung in Richtung Meer und die Wellen brechen kurz und scharf links in diesen Channel und lang und etwas gediegener nach rechts. Dann lohnt es sich oft nicht, den ganzen Weg zurück zu paddeln, weswegen man sich mit dem Board unter dem Arm aufmacht, wieder nördlich rauszupaddeln. Für viele Surfer aus Lissabon ist die Costa der Lieblings- und Alltagsspot. Hier gibt es auch gute Surfshops, die deutlich günstigeres Material haben, als die Hipster auf der anderen Flussseite.

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Dieses Video bietet einen wirklich perfekten Eindruck von typischem, gutem Caparica – im Hintergrund die Mole mit dem Channel, die langen Rechten und auch die Suburbia Strandatmosphäre ist dabei.

Die Biegung der Küste von Caparica kann täuschen, Nordwind ist meist noch in Ordnung und Nordostwind ist tatsächlich (wie gegenüber in Carcavelos et. al.) offshore! Wie überall in und um Lissabon muss man hier mit Einbrüchen in Vans rechnen und es empfiehlt sich, den “Parkplatzeinweisern” etwas Geld oder auch Essen zu geben.

Surfen in Lissabon: Spot-Tipps

LevelAnfängerIntermediatesVanreisende
LieblingsspotCosta da CaparicaSao PedroPraia Grande
SilbermedailleGuinchoCosta da CaparicaGuincho
GeheimtippMonte Estoril

Conditions Checken!

Die Bedingungen an den Stränden könnt ihr bei verschiedenen Anbietern kostenlos checken, etwa auf surf-forecast.com oder magicseaweed.com. Magicseaweed hat die wahrscheinlich übersichtlichste App und bietet zusätzlich die Breakinformationen des Stormrider Surfguides. Übrigens lohnt es sich kaum, für die Pro Version zu bezahlen, weil langfristige Vorhersagen ähnlich unsicher sind, wie langfristige Wettervorhersagen allgemein. Am genauesten aufgeschlüsselt sind die Tabellen von Windguru, der ersten Adresse für Windinformationen (der Name sagt es ja schon).

Surfen in Lissabon: Surfcamps & Surf-Schulen

Als Urspot des portugiesischen Surfens gibt es in Carcavelos schon ein ganzes Surferleben lang Surfschulen. Auch an den meisten anderen Spots kann man einfach Material mieten oder Surfstunden nehmen. Surfcamps gibt es dagegen keine in Lissabon selbst, was wahrscheinlich an der hohen Rentabilität ganz normaler Hostels liegt, an den Mietpreisen und natürlich auch an dem unmöglichen Verkehr. Deshalb haben sich die Surfcamps an den anfängertauglichen Beachbreaks angesiedelt, so etwa das Lost Caparica Surf House und das Pure Camp an der Costa da Caparica.

Weitere Camps in der Nähe von Lissabon sind in Sintra mit den Stränden Praia Grande und Praia Pequena vor der Tür.

Das Lost Caparica Surf House befindet sich in der Mitte der Plancarrés Caparicas. Die weißgewaschenen Photos der cleanen Website täuschen etwas über den Charakter der Stadt, der wenig mit Lissabons Vierteln gemein hat. Doch es gibt günstige Pakete von Mai bis Oktober (7 Nächte B&B, 12*2 Stunden Surfkurs für 450 Euro) und konstant gute Lernbedingungen.

Surfen in Lissabon - Costa da Caparica
Die Zuschreibung “Surferort”, der sich die Surfcamps von Caparica ungeniert bedienen, trifft einerseits voll zu, andererseits stellt man sich die Szenerie dann eventuell anders vor.

Das Pure Camp liegt in Laufweite der Strandpromenade und bietet sonst sehr ähnliche Leistungen und Komfort wie das Lost House, wobei die ganze Anlage deutlich neuer ist. Allerdings müssen Surfkurse extra gebucht werden, was das Gesamtpaket etwas teurer macht.

In Sintra, wo weiß getünchte Villen in den Hügeln liegen und das Land etwas weiter ist, gibt es entsprechend mehr Surfcamps:

The Lodge hat ein großzügiges Gelände anzubieten, das liebevoll mit Sport- und Freizeitangeboten kuratiert wurde. Im Gegensatz zu anderen Camps vertreten die Lodge GründerInnen einen ganzheitlichen Ansatz, machen sich Gedanken über nachhaltigen Tourismus und bieten neben Surfkursen auch Kletter und Mountainbike Ausflüge an. Die Preise sind etwas unübersichtlich, weil es für alle spezielle Pakete gibt. Eine Woche Bed & Breakfast ist mit 325 Euro im Double Bedroom erschwinglich, aber nicht günstig. Das Camp ist auch im Wavetours Program.
Auch SaltyWay hat Klettern im Program, der Fokus liegt aber klar auf den Surfkursen. Mit den Surfari Paketen hat der Anbieter einen attraktiven Deal für alle, die über die ersten Stehversuche hinaus sind, sich aber nicht den ganzen Surftrip selbst  organisieren wollen. Für 345 Euro gibt es 7 Nächte, Leihmaterial und Transfers zu den Spots. Ihr spart also den Ärger mit Surfbrettern zu fliegen und braucht keinen Mietwagen. Das Camp liegt direkt am Praia das Maças.

Das DreamSea Surf House liegt etwas im Inland, ist aber dafür nicht so auf einen Spot festgelegt. Insgesamt ist dieses Camp deutlich luxuriöser und auch wesentlich teurer als die Konkurrenten.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Camps in Sintra mehr Flair haben, dafür sind die Bedingungen in Caparica in der Regel konstanter (weil nicht so Wind anfällig) und besser zum Üben. Dafür ist Caparica aber auch landschaftlich nicht so interessant und etwas abwechslungsarm. In den Sommermonaten, wenn Swell Mangelware ist, laufen auch eher an der Küste von Sintra Wellen.

Surfen in Lissabon: Bulli / Surfvan mieten

Mobil zu sein hat auch in der Umgebung von Lissabon einiges für sich. Über die N6 nach Norden und die Brücke über den Tejo nach Süden wird das Surfrevier mit dem Bulli drastisch vergrößert. Außerdem kann man sich immer nach den wechselnden Surfbedingungen, den eigenen Fähigkeiten und vor allem den persönlichen Lieblingsorten richten und die ganze Vielfalt der Küste auskosten. Man kann sogar ganz verrucht einmal nicht surfen gehen (natürlich nur, wenn es keine Wellen gibt!) und in die reiche Kultur eintauchen.

Surfen in Lissabon - Campervan mieten
Ein gemieteter Bulli von Surf-Cars.

Der Preis dafür war lange Zeit die Anreise mit dem eigenen Bus (den man natürlich erst mal kaufen und pflegen musste) Und das hat auch immer noch einiges für sich. Es ist aber auch nicht die schlechteste Idee, sich vor Ort einen Camper zu mieten: Die An- und Abreise mit dem Flugzeug verkürzt sich enorm und ist perverser Weise sogar weit günstiger, als selbst zu fahren. Die Camper sind überwiegend gut gewartet und zuverlässig. Und man bekommt von vielen Vermietern sehr gute Informationen zu Stehplätzen und Stränden an die Hand. Außerdem kann man einiges an Material aus einer Hand dazu buchen, wenn man das möchte. Im Vergleich zum Urlaub in einer gemieteten Unterkunft, fällt so viel organisatorischer Aufwand weg.

Mit den klassischen Wohnmobilvermietern möchte ich mich hier nicht beschäftigen, weil sie in aller Regel deutlich teurer sind, und auch sonst nicht auf die Bedürfnisse von Surfern eingehen.

Die Profis: Indie Campers

Indie Campers hat auch in Lissabon einen Fahrzeugpool. Der groß skalierte Anbieter hat schnelle Busse mit pragmatischen und unkaputtbaren Ausbauten im Angebot. Preislich sind die Ducatos aber oft recht gehoben. Indie Campers bieten durch den cleveren Ausbau mehr Platz für Gepäck und Sperrgut – wie etwa Longboards –  als Konkurrenten. Auch zu dritt oder viert sind die Busse eine gute Idee und meist noch günstiger, als “richtige” Wohnmobile. Weil die Preise dynamisch generiert werden – also in Abhängigkeit von der Nachfrage – lohnt es sich auf jeden Fall, die eigenen Reisedaten in den Rechner zu hauen und eventuell auch ein bisschen damit zu spielen: Vielleicht bietet sich ein Gabeltrip von A nach B an, oder eine Woche später kostet der Bus nur die Hälfte…

Mit unlimitierten Kilometern und 24/7 Rückgabe Dropoff hat sich IndieCampers gut an Surfreisende angepasst.

Die T6 Verrückten: Mr. Vancamper

Europe-by-Van hat ausschließlich VW T6 California im Programm – als Standardausführung oder in einer extra großen Ausführung. Auch hier habt ihr die Möglichkeit, den Bulli woanders abzugeben, als ihr ihn abholt. Außerdem habt ihr durch einen großen Anbieter mit standardisierten Fahrzeugen natürlich eine recht hohe Sicherheit, dass ihr keine Probleme mit der Kiste bekommt. Den größeren Sexappeal haben allerdings andere.

Die Originale: Hanggtime

Hanggtime vermietet VW Busse des Typs T3 (Bullis), was an sich schon mal fantastisch ist. Der Gedanke, einen schnellen Bus zu mieten, weil man nur wenig Zeit hat, kann ja paradoxer Weise auch das Gegenteil bewirken, weil man aus dem Gehetze des Alltags dann gar nicht entfliehen kann. Das kann euch mit einem Bulli eher nicht passieren. Bei Hangtime kann man außerdem Surfbretter und weiteres Zubehör dazu buchen, allerdings ist so ein Westfalia Ausbau nicht wirklich geeignet um sie ideal zu verstauen. Außerdem muss die verfügbarkeit und die Preise des Zubehörs vorher individuelle abgeklärt werden. Dafür haben die Bullis halt Character, was man schon daran sieht, dass sie Namen haben. Preislich liegen die Bullis etwas günstiger, mit Versicherung ab 80 Euro in der Nebensaison (dann, wenn die Wellen gut sind). Wer die Zeit hat, sich zu informieren fährt mit einem kleineren, lokalen Anbieter wie Hanggtime gut und relativ günstig.

Alternativen zu den großen Anbietern

Die individuellste Variante ist, über eine Plattform wie paulcamper einen Van “privat” anzumieten. Paulcamper tritt dabei nur als Vermittler auf und stellt die Versicherung der Fahrzeuge. Hier ist es noch am Wahrscheinlichsten, ein Schnäppchen zu machen. Außerdem gibt es häufig viel gutes und campererprobtes Zubehör. Die Vermieter sind schließlich selbst Reisende. Das erhöht allerdings im Schadensfall oder bei Missverständnissen über die Mietmodalitäten auch das Konfliktpotential. Die private Anmietung oder die Miete über eine vermittelnde Plattform benötigt also am meisten Organisation, dafür kann man sich seine Vermieter und den Van aber auch selbst aussuchen.
Wegen der Versicherung und weil viele, die ihren Bus in Portugal vermieten, in dieser Zeit dann selbst in einem Hotel unterkommen oder sich einen Mietwagen nehmen ist aber auch bei dieser Variante wenig unter 60 Euro die Nacht zu machen.Einen größeren Überblick über das Thema “Surfvan mieten” habe ich hier zusammengestellt.

Surfen in Lissabon: Sonstige Reisetipps

Lissabon ist natürlich nicht nur der Wellen wegen eine beliebte Reisedestination. So beliebt, dass zeitweise drei Kreuzfahrtschiffe parallel im Hafen liegen und die Gäste von einem über das andere müssen für den Landgang. Um ehrlich zu sein, platzt die Stadt aus den Nähten, die touristischen Kleider können kaum so schnell geweitet werden, wie die Leute kommen. Ein guter Tipp ist daher auf jeden Fall, die Hauptreisezeiten zu meiden. Fährt man unvorbereitet und in pingeliger Erwartung nach Lissabon, kann es einem nämlich passieren, dass man eine Lissabon Erfahrung macht, wie der Protagonist aus Fado, einer Kurzgeschichte des famosen schweizer Autors Peter Stamm: Zu Essen gibt es zu teuren Fisch, der auf der anderen Seite der Welt gefangen wurde, irgendjemand lockt einen in einen Club, wo dann überhaupt nichts los ist, der Eintritt ist allerdings lächerlich hoch und man steht drei Stunden für eine Tramfahrt an. Und dann kauft man auch noch Oregano für 10 Euro das Gramm. Besser ist, man geht nicht mit zu vielen fixen Plänen und offenen Augen los und durch die Stadt.

Top 5 Lissabon Tipps

5: Die Feira das Ladras: Auch wenn der Flohmarkt in der Alfama in den letzten jahren wesentlich touristischer geworden ist, sollte man auf jeden Fall einen Gang darüber einplanen (Samstags).

4: Pasteis aus der Manteigaria: Es ergibt keinen Sinn, extra nach Belém zu fahren und sich dort in die Schlange zu stellen. Die besten Pasteis gibt es meiner Meinung nach in den Filialen der Manteigaria. Die Einheimischen können sich in dieser Frage auch nicht einigen, das jährliche Ranking wechselt munter.

3: Free Walking Tour: Eine schöne Möglichkeit, zu Beginn der Reise die Stadt zu erkunden, sind die Free Walking Tours. Mittlerweile gibt es einige Anbieter, von Beginn an da und nach wie vor mit sehr guten Bewertungen versehen ist der Anbieter Chill-Out Free Tours (die mit den gelben recycelten Taschen mit einer Tram drauf). Die klassische drei stündige Tour geht vom Praça Luís de Camões bis auf den Miradouro de Santa Catalina.

Surfen in Lissabon
Trocknende Wäsche vor einem Balkon in Lissabon.

2: Portugiesisch sprechen: Es lohnt sich immer, einige Brocken der Landessprache zu üben, portugiesisch schreckt dabei viele ab, weil es so vernuschelt daherkommt. Ein guter Trick ist deshalb auch, sich erstmal mit einem Kanister Rotwein aus dem Supermarkt (Alle Vorbehalte gegen die Verpackungseinheit sind übrigens unbegründet, ein Abgleich mit den Flaschenweinen gibt Aufschluss über den Inhalt) den Sonnenuntergang über dem Tejo anzuschauen. Danach ist dann die Aussprache wunderbar ins Unkenntliche poliert und die Verständigung gelingt. Wer interessiert ist, findet hier einen sehr guten Podcast zum Lernen!

1: Alles machen, aber anders: Zum Beispiel die Schrägaufzüge: Eine tolle Fotokulisse, aber anstehen und 3 Euro noch etwas für die 300m? Ähnliches gilt für die Tram 28. Dabei gibt es noch andere alte Bahnen, etwa die 12. Oder eben die Pasteis. Ein typisches Gericht ist das Bitoque, nicht die Dourade! Oder wer weiß schon, dass man den O Saft in der Padaria Portuguesa immer im Menü kaufen muss (Das gilt übrigens für viele Dinge). Villeicht ist das Wichtigste bei einem Trip nach Lissabon, sich genug Zeit zu nehmen und nichts erzwingen zu wollen und siehe da: está tudo a correr às mil maravilhas!

Surfen in Lissabon: Fazit

Lissabon ist eine großartige Stadt mit reicher Geschichte, die man den abgegriffenen Kacheln und den vermoosten Fassaden in der Baixa ansieht, wie man die salzige Luft schmeckt und leider auch überall die Rollkoffer auf dem Pflaster hört. Die Portugiesen sind zwiegespalten, schließlich seien die Touristen und mit ihnen das Geld gerade rechtzeitig gekommen, um viele der alten Häuser im Zentrum zu retten. Gleichzeitig können sie sich das Leben in ihrer Hauptstadt aber nicht mehr leisten und haben auch nicht mehr wirklich die Gnade der Nebensaison, seit das ganze Jahr Urlaubszeit ist.

Wer explizit zum Surfen in die Region kommt, mietet sich am Besten in Sinta oder Caparica ein und macht von dort einen Abstecher in die Stadt. Aber auch anders herum bietet es sich an: Während des Lisboa Trips die Bedingungen checken und dann mit der Metro kurzentschlossen an den Strand fahren.

Surfen in Lissabon - Eine der alten Schrägbahnen
Von außen schöner, als von innen: Die Schrägbahnen, eine der Touristenattraktionen der charmanten Stadt.

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