Das ändert sich bei der WSL zur Saison 2022

Die WSL räumt um: was sich zur Saison 2022 ändert

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Titelbild: Poullenot für WSL, weitere Grafiken im Text von der WSL, https://www.worldsurfleague.com/

Hey, alles glänzt, so schön neu
Hey, wenn’s dir nicht gefällt, mach neu

Peter Fox, Alles neu

Anfang der vergangenen Woche verbreitete die WSL über ihre Pressekanäle die geplanten Änderungen zur Saison 2022. Die neuen Formate betreffen dabei alle Ebenen des professionellen Surfens, angefangen bei der neu organisierten und nun lokaleren Qualifier Series (QS) über die Challenger Series (CS) bis zum Aushängeschild, der Championship Tour (CT).

Das ändert sich (Zusammenfassung)

Die erste Ebene der Wettbewerbe soll in Zukunft lokaler stattfinden – dafür wird die Qualifier Series in 7 regionale Serien aufgesplittet. Die besten Surfer (je nach Region und Geschlecht 3 bis 10) qualifizieren sich dann für die Challenger Series im nächsten Jahr. Es gibt allerdings auch schon in 2022 eine CS. Die besten 12 Männer und die besten 6 Frauen der CS qualifizieren sich wiederum für die CT. Gewertet werden die besten 5 Ergebnisse der 8 Events umfassenden Serie mit Stopps rund um den Globus. Erschwerend für alle Talente: Die CS startet erst nach dem Mid-Season Cut der CT und alle, die von der Elite-Tour absteigen, können direkt wieder um die Plätze für das Jahr darauf mitsurfen.

Das ändert sich bei der WSL zur Saison 2022: Der neue Tour-Kalender

Die CT besteht in 2022 aus 10 Stopps und den dieses Jahr eingeführten Finals, bei denen die bestplatzierten Surfer im Playoff-Modus die Weltmeister aussurfen. Die Qualität der Wellen ist vielleicht der größte Gewinn für alle Zuschauer: Hawaii rutscht in die Primetime Ende Jänner, G-Land ist dabei und auch J-Bay. Mucho Gusto!

Die neuen Qualifier Series

Vielleicht die beste Idee der WSL seit einiger Zeit: Die Qualifier Series werden regionaler ausgetragen. Schon jetzt war es so, dass viele Surfer vor allem auf ihrem Kontinent tourten – die komplette Runde riesengroß über alle Kontinente ist finanziell und zeitlich logischerweise sehr aufwändig. Aber die wichtigen Events mit vielen Punkten durfte man eben nicht auslassen. Das neue Format ist also wesentlich fairer. Von Aspekten der Nachhaltigkeit ganz zu schweigen, und tatsächlich schweigt die WSL auch vorerst. Wahrscheinlich, weil mit der CS und der CT genug Bonusmeilen zusammenkommen. “Die neuen regionalen Qualifier Serien bieten mehr Gelegenheiten, lokale Stars zu fördern und reduzieren den ökonomischen Druck für die Surfer auf ihrem Weg auf die CS und die CT”, lässt sich WSL CEO Erik Logan in der Pressemitteilung zitieren.

Die sieben Regionen sind:

  • Afrika (3 Frauen / 5 Männer auf der CS)
  • Asien (6 / 6)
  • Australien/Ozeanien (8 / 10)
  • Europa (8 / 10)
  • Hawaii/Tahiti (6 / 7)
  • Nordamerika (8 / 10) 
  • Südamerika (5 / 10)

Ein paar kleine Anmerkungen dazu: In Summe qualifizieren sich über die QS 44 Frauen und 58 Männer. Allerdings sind die Startfelder auf der CS mit 96 Männern und 64 Frauen wesentlich größer. Es bleibt also viel Raum für Wildcards der Sponsoren oder für medial gut vermarktbare Boys und Girls. Außerdem wirkt die Aufteilung der Quali-Plätze wie ein Beharren auf den aktuellen Verhältnissen. Gerade hat der Surf- Journalist und Chronist Selena Masekela zusammen mit dem Südafrikanischen Label Mami Wata einen lehrreichen Bericht über das afrikanische Surfen vorgelegt. Was darin steht? Sie kommen, die Afrikaner, und es wird höchste Zeit! So hochkarätig sind die Wellen, so viel Küste haben die afrikanischen Länder, so viele mit dem Ozean eng verbundene Talente. Mit drei und 5 Plätzen wird es schwer, den “Brasilien Storm” zu kopieren. Dagegen ist fast sicher, dass wieder mehr Australier und Nordamerikaner zurück auf die Tour kommen. Erfreulich allerdings: Auch die Europäer werden mehr Plätze erobern. Manches an diesem Prozedere lässt allerdings vermuten, dass auch wirtschaftliche Überlegungen hinter den Kontingenten stehen und so hat das Ganze doch wieder ein Gschmäckle

Die neue Challenger Series

Ich fürchte, ich schrieb schon einmal vom Uefa Cup des Surfens. Man sollte sie sich sparen, die Fußballmetaphern. Aber wie dann sagen, was ist? Fangen wir mal mit den Rahmeninfos an: 

Die neue CS besteht aus 8 Stopps, Männer und Frauen sind gemeinsam unterwegs:

  • Gold Coast, Australia // 7 – 15 Mai
  • Manly, Australia // 17 – 24 Mai
  • Ballito, South Africa // 20 – 27 Juli
  • Huntington Beach, USA // 30 Juli – 7 August
  • Ericeira, Portugal // 1 – 9 Oktober
  • Landes, France // 15 – 23 Oktober
  • Piha, New Zealand // 5 – 13 November
  • Haleiwa, Hawai’i // 26 November – 7 Dezember

Die besten 5 Ergebnisse werden addiert. Bei jedem Event surfen 96 Männer und 64 Frauen. Das heißt für viele wohl: One, two, Barbecue. Es nehmen die besten Surfer der CS teil, außerdem bekommen die Absteiger der CT Startplätze. Und dann wird es noch einige Wildcards geben. Die besten 5 Frauen und 10 Männer bekommen ihr Ticket für die CT 2023. 

Die Änderungen der WSL zur Saison 2022: Der neue Kalender für die CS
Mit der Professionalisierung rückt die Spitze im Surfen näher zusammen. In vergangenen Jahren hätte dieses Setup auch als erste Wahl für die Dream Tour durchgehen können. Viel viel professionelles Surfen im Stream also, ein Glück ist selber surfen noch spaßiger… // Grafik von der WSL

Auf der Haben-Seite: Die Events werden spannend zum Anschauen. Gute Spots, guter Zeitplan, viele Heats mit 4 oder sogar 5 Surfern, ergo viele Wellen. Soll: Wer aufgepasst hat, sieht es hier schon, das Event in Hossegor ist von der CT geflogen und nun Teil der CS. Für die vielen Franzosen auf der CS mit guten Aussichten ist das allerdings keine ganz schlechte Nachricht. Darüber hinaus muss allerdings wieder gereist werden, vielleicht sogar mehr als früher. Denn statt 6 10000-Punkte-Events gibt es nun eben 8 obligatorische Termine für alle Surfer, die den regulären Weg auf die CT suchen. Was noch ins Auge fällt: Mit dem Start im Mai nach den Events der CT in Australien wird das Projekt CT für Nachwuchssurfer wohl noch schwieriger. Denn die 12 Männer und 8 Frauen von der CT wollen mit Sicherheit auch wieder zurück auf die Dream Tour. Viel Action und ein erheblicher Umbau, damit am Ende wieder die ewig gleichen Namen auf der ganz großen Bühne unterwegs sind. 

Die neue Championship Tour

Nach zähen Jahren schon vor Corona hat die WSL nun das Momentum für sich genutzt und einen Gutteil der Viruslast abgeschüttelt – jedenfalls scheint das die Hoffnung der Verantwortlichen zu sein und so tönt es auch aus den Bekanntmachungen. Eine der großen Auseinandersetzungen drehte sich darum, die Tour nicht mehr in den traditionsreichen Wellen von Pipeline, Hawaii, zu beschließen, sondern ebendort zu beginnen. Und dann auch noch einen guten Monat später, wenn der Sand im Riff meist liegt, wie er soll.

Kritik gab es daran wegen der Rücksichtslosigkeit, mit der die WSL ihre Planungen gegenüber den lokalen Behörden und Strukturen durchsetzen wollte. Und beim letzten Versuch scheiterte die Nummer denn auch mit einem Knall. Mit einem eigenen Qualifier Kontingent und dem finalen Event dürften die North-Shore-Locals einigermaßen beschwichtigt worden sein. Jedenfalls kommt es nun genau so, wie von der WSL avisiert.

Nach den ersten 5 Events, die mit 36 Männern und nur 18 Frauen starten, werden die dann letztplatzierten Surfer von der Tour gekegelt: 12 Männer und 8 Frauen werden verabschiedet, wenn auch dank des Modus womöglich nur bis zum nächsten Jahr (siehe die neue CS). 

Nach zehn Events geht es in die WSL Finals, die wie in diesem Jahr und im Jahr darauf auch 2022 von Rip Curl gesponsert werden. Ob das Format genau das gleiche bleibt, wird sich zeigen und auch vom Erfolg der diesjährigen Finals abhängen. 

Das Format in 2021 und bis auf Widerruf auch 2022: Die besten fünf Männer und Frauen qualifizieren sich für die Finals. Zunächst surfen die fünftplazierten gegen die viertplatzierten. Die jeweiligen Gewinner dürfen direkt wieder ran: Gegen die drittplatzierten. Die Gewinner aus diesen Heats surfen mit den zweitplatzierten um das zweite Finalticket. Das erste gehört den WM-Führenden nach der Regular Season. Das große Finale ist dann ein Best-Of-3 Match mit traditionellen Heats. Immerhin ein kleines Zugeständnis daran, dass am Ende einer langen Saison die besten Surfer ganz oben stehen sollten. Trotzdem wird natürlich die Tagesform entscheiden, schließlich soll die ganze Action auch an einem Tag durchgezogen werden.

Die Location für die Finals 2022 ist noch geheim, die Malediven könnten aber ein heißer Tipp sein.

Der Tourkalender für die World Surf League 2022

  • Pipeline, Hawai’i // 29 Januar – 10 Februar
  • Sunset, Hawai’i // 11 – 23 Februar
  • Peniche, Portugal // 3 – 13 März
  • Bells Beach, Australien // 10 – 20 April
  • Margaret River, Australien // 24 April – 4 Mai

Mid-Season Cut – Die Startfelder mit 36 Männern und 18 Frauen werden auf 24 Männer und 12 Frauen reduziert.

  • G-Land, Indonesien // 28 Mai – 6 Juni
  • Trestles, USA // 15 – 22 Juni
  • Saquarema, Brasilien // 27 Juni – 4 Juli
  • Jeffreys Bay, Südafrika // 9 – 18 Juli
  • Teahupo’o, Tahiti // 11 – 21 August

Die besten 5 aus den Rankings fahren zu den Finals, es gibt zwei Streichergebnisse.

  • Rip Curl WSL Finals, TBA // 7 – 18 September

Was ist davon zu halten?

Von der WSL kann sich so mancher Vereins- oder Verbandsboss etwas abschauen: Die Super-League, hier ist sie. Nach der Hälfte der Events sind nur noch 24 Männer und 12 Frauen übrig. Und entschieden wird die ganze Sause an einem einzigen Tag im September. Zu erwarten sind also vor allem gute Bilder und Videos, wahrscheinlich deutet sich früh an, wer am Ende um den Titel surft. Bei den Frauen sind sogar 5 aus 12 bis zum Schluss dabei. Und weil die Finals planbar Content liefern, wird der Rest der Saison Makulatur. Dafür gibt es den Mid-Season-Cut, fast niemand kann sich sicher sein, die zweite Saisonhälfte zu überleben. Die Sprecher aus dem Athletenlager werden angetan zitiert. “Wegen des neuen Mid-Season-Cuts zählt jedes Event”, so Connor Coffin. Tatiana Weston Webb freut sich indes darüber, dass die Männer und Frauen Events alle gemeinsam abgehalten werden. Die WSL hatte ja bereits 2019 für Schlagzeilen gesorgt, als sie die Preisgelder der Frauen auf die Höhe der Männer-Boni anhoben. Allerdings scheint der Preis dafür zu sein, dass einfach immer weniger Frauen in die Nähe derselben kommen. Nach der Ochsentour durch die QS muss man nun ja auch in der CT unter die besten 5 kommen – Trotz der Konkurrenz von oben, die mit einem finanziellen Puffer etwas gelassener surfen kann.

Manches ist verbessert, die Qualifier werden fairer, weil man in der Nähe der Heimat surfen kann, ohne wichtige Events zu verpassen. Für den ein oder anderen Sportler gilt das allerdings nicht, Leon Glatzer, der Surfer aus Pavones in Costa Rica, der für “Team D” bei der Olympischen Premiere des Surfens dabei war, muss logischerweise auf die Europäische Tour. Für ihn nicht der nächste Weg. Insgesamt sorgen die geplanten Neuerungen für mehr gute Videos und Bilder und besser planbare Übertragungen. Nachdem dieses Jahr etliche Events erst spät terminiert wurden (klar: wegen der Einschränkungen durch Corona) und noch später Sponsoren fanden, sind die Finals immerhin schon jetzt geregelt und werden von Rip Curl mitfinanziert.

Sportlich dürfte es noch schwerer werden, sich für die Tour zu qualifizieren. Zu lange is die Ochsentour durch alle Instanzen. Allerdings wird es auch andere Wege auf die Tour geben. Das Reality/Game-Show Format “The Ultimate Surfer” zum Beispiel. Und man kann sich als Surfer ja auch ohne die allmächtige WSL finanzieren. Vielleicht werden auch die World Surfing Games der ISA noch zum Gegenspieler – Vom Flair her war das diesjährige Event jedenfalls der große Gewinner vor der Olympia-Premiere. 

Die Zementierung der Verhältnisse über ein doppeltes Qualifikations-Szenario von oben und einen steinigen Weg von unten hilft nicht nur dabei, die Stars zu schützen und Marken zu bilden, sondern hält auch das afrikanische Surfen nochmal ein paar Jahre auf. Das ist schade und wird hoffentlich von der WSL durch verbesserte Kontingente in der nahen Zukunft noch korrigiert.

Zu den Finals wurde schon viel geschrieben. Die meisten Kommentatoren empfinden das Konzept als unfair gegenüber den Führenden. Eine Saison im Surfen soll ja gerade Höhen und Tiefen und die unterschiedlichsten Wellen abbilden. Das alles auf einen Tag herunterzubrechen erscheint absurd. So sehe ich das auch. Allerdings: Der Gesamtführende hat schon die besten Chancen, auch den Titel in die Luft zu stemmen. Warten wir’s also ab.

FAQ

Was ändert sich bei der World Surf League?

Zur kommenden Saison soll ein dreistufiges System aus lokalen Qualifier Serien, Challenger Tour und Championship Tour etabliert werden. Außerdem wird der Mid-Season-Cut wieder eingeführt, nach 5 Events steigen 12 Männer und 8 Frauen ab in die CS. Wie in 2021 werden die Weltmeister auch 2022 an einem Tag mit einem Playoff-Modus ausgesurft. Erstmals werden die Events der CT und der CS für Männer und Frauen gemeinsam ausgetragen.

Wo wird gesurft?

Die CT hat 2022 10 Events in 7 Ländern, Hawaii und Australien bekommen zwei Stopps, außerdem sind Portugal, Indonesien, Brasilien, Südafrika, die USA und Tahiti dabei. Die Wellenqualität dürfte sich durch den neuen Kalender nochmal erhöhen, speziell die Events im der zweiten Saisonhälfte werden wenig Starter und gute Wellen haben. Andererseits sieht man immer wieder die gleichen Match-Ups.

Wer profitiert von den Neuerungen?

Die Sportler, die bereits auf der Tour sind, haben gute Chancen, sich auch wieder zu qualifizieren. Sie müssen sich nicht mehr zwischen QS und CT aufreiben. Auch die Surfer, die gerne zum Ende der Saison aufdrehen, sind natürlich favorisiert. Medina ist da eigentlich immer am Start, auch Italo kann sich sehr gut auf ein Event fokussieren. So richtig wird sich aber erst noch zeigen, welche Auswirkungen die Änderungen haben. Und natürlich hängt viel von der Location ab.

Wie kann man die Events verfolgen?

Auf dem Desktop lassen sich alle Events über die Website der WSL verfolgen. Außerdem werden die Stopps auf dem Youtube Channel der WSL übertragen. Es bleibt aber offen, ob hier noch Änderungen bekannt werden. Speziell die Finals riechen etwas nach einem Pay-per-View Konzept. 

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