Camper ausbauen (Ratgeber): Ideen, Anleitung & Kosten

Camper ausbauen (Ratgeber): Ideen, Anleitung & Kosten

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Das Internet ist voller schlauer Ratgeber zum Camper Ausbau. Eine Sache fĂ€llt dabei sofort auf: Die meisten guten Anleitungen gibt es von Menschen, die den Camper als (neuen) Lebensmittelpunkt haben. Die also eben diese Camper Ausbau Anleitungen verkaufen oder dauerhaft im Bus leben und reisen und meist vor dem Ausbau schon selbststĂ€ndig unterwegs waren. Der Punkt ist: Diese Menschen hatten meist unfassbar viel Zeit und oft auch gute WerkstĂ€tten fĂŒr ihre Projekte. Dabei geht es doch den meisten eher so: Etwas Geld ist da, etwas Zeit auch, grundsĂ€tzlich aber auch etwas zu wenig von beidem. Wie kann trotzdem ein pragmatischer Ausbau dabei herauskommen? Dieser Text hilft dir hoffentlich bei deinem Camper Bau.

Unser Artikel ist Orientierung und Ratgeber fĂŒr Quick&Dirty Ausbauten. Wenn du dir das Thema einmal “from scratch” erarbeiten willst, kauf dir lieber ein gutes E-Book, zum Beispiel den → Camper Ausbau Ratgeber von Passport Diary. Das beste daran: Wenn dir das Buch nicht gefĂ€llt, bekommst du dein Geld zurĂŒck.

Zwei Tipps vorab: Deinstallier Instagram, du willst ja schließlich mit deinem Bus reisen und ihn nicht als Online-Showroom benutzen. Oder? Und zweitens: Überschlag die Kosten und wenn du dich hier nicht verhebst, dann mach es einfach! Sonst wird es nie was.

Diese Kurzanleitung fasst die folgenden Schritte zusammen. Es lohnt sich aber, den ganzen Artikel zu lesen (denken wir). Dann kannst du das How-To ĂŒberspringen.

Time needed: 10 days.

Kurzanleitung: Wie geht man beim Camper Ausbau vor, insbesondere, wenn Zeit und Geld knapp sind?

  1. Skizze und Grundidee

    Über einem Ausbau steht meist ein gewisser Rahmen, platonisch gesprochen eine Idee: Diese Idee umfasst die Vorstellung davon, wie es sein wird mit deinem Camper am Atlantik den Wellen zu lauschen. Damit du die RealitĂ€t möglichst nah an deine Idee biegen kannst, solltest du dir erstmal einen Zettel nehmen und grundsĂ€tzliche Fragen stichpunktartig formulieren. Wo du hinwillst etwa, was der Ausbau kosten darf, wie viel Zeit du hast, solche Sachen.

  2. Zeitplan

    ÜberfĂŒhre deine Idee in einen Zeitplan. Geh dafĂŒr davon aus, dass du mehrfach Material nachkaufen musst und nicht alles gleich so klappt, wie du dir es vorstellst.

  3. Werkzeug

    KĂŒmmer dich um einen guten Ort zum Ausbauen und um das nötige Werkzeug. Mit dem falschen Werkzeug kann man sich jahrelang an friemeligen Aufgaben aufhalten.

  4. Materialien

    Wenn du einen groben Plan hast, mach ihn genauer. Welches Zubehör musst du bestellen? Wie lange dauert das? Auf was muss man warten? Die Isolierung etwa sollte schon deutlich vor dem Ausbauzeitraum bestellt werden, denn die muss als erstes rein.

  5. Einkauf

    Überleg dir gut, was du auf jeden Fall brauchst und kauf mehr davon ein. Ein wichtiger Faktor bei der Endabrechnung ist, wie sehr man am Anfang gegeizt hat. Denn wenn am Ende etwas fehlt, ist man geneigt schnell teuren Ersatz zu kaufen. Es macht also paradoxerweise Sinn, am Anfang zu viel Material zu kaufen, auch damit kein Leerlauf beim Basteln entsteht.

  6. Leg los

    Das wichtigste: Einfach machen. Es wird lÀnger dauern als du denkst. Du wirst fluchen dabei. Es wird nerven kosten. Aber am Ende wirst du stolz auf das sein, was gut geworden ist und sogar auf die kleinen Macken deines Ausbaus. Jedenfalls war es bei mir immer so.

LektĂŒreempfehlungen fĂŒr den Camperausbau

Am Anfang jedes Vanlife-Traums steht eine mĂŒhsame Recherche. Dabei ist vieles vage, gerĂ€t wieder in Vergessenheit oder wird von neuen Entdeckungen ĂŒberlagert. Ein handfester Leitfaden ist deshalb eine echte Erleichterung. Der Camper Ausbau Ratgeber von Paul Nietzschke und Christina Klein lohnt sich dabei schon fĂŒr das sehr gute Kapitel zur Elektrik, um das wir uns bei unserem Ausbau ja komplett gedrĂŒckt haben. Aktuell fĂŒr 27 statt 37 Euro und mit Gratis Zusatz E-Book.

Camper ausbauen (Ratgeber): Das e-Book Camper Ausbau von Passport Diary.
Der Ratgeber des bekannten deutschen Vanlife-Magazin Passport Diary. Aktuell gibt es das ebenfalls sehr empfehlenswerte e-Book “NĂ€chster Halt Vanlife” beim Kauf umsonst dazu.

Wer gerne ein echtes Buch in die Hand nimmt, dem sei der Dolde ans Herz gelegt. Bis heute ist das Buch des WoMo-Abenteurers Ulrich Dolde das einzige wirklich ĂŒberzeugende Ausbaubuch. Warum? Weil es nicht dogmatisch die beste Lösung behauptet sondern alle Alternativen auffĂŒhrt. Deshalb ist es auch ein ziemlicher Brocken, 600 Seiten stark und nicht ganz gĂŒnstig. Über Amazon ist das Standardwerk fĂŒr den Camper- und Wohnmobilausbau fĂŒr 68 Euro zu bekommen.

Camper Ausbau Ideen: Die Ausbau-Bibel von Ulrich Dolde
Vor-Instagram-QualitÀt mit allem was es zu wissen gibt. 1400 Abbildungen, 600 Seiten, kein Bullshit.

Camper Ausbau: Schritt fĂŒr Schritt

Skizze und Grundidee

Einfach machen, habe ich im vorangehenden Absatz geschrieben? Nun ja, eine grobe Idee von der Sache herauszuarbeiten ist schon kein ganz schlechter erster Schritt. Was fĂŒr einen Bulli steht fĂŒr den Camper Bus Ausbau zur VerfĂŒgung? Brauche ich ein festes Bett, oder bin ich bereit, etwas Umbauaufwand am Abend gegen viel FlexibilitĂ€t einzutauschen? Es sind solche GrundsatzĂŒberlegungen, die man einmal klĂ€ren sollte:

  • Will ich im Bus kochen oder ist das Wetter oft so, dass man davor oder hinten stehend kochen kann?
  • wie viel Geld habe ich eigentlich fĂŒr den Ausbau?
  • Will ich eine zweite Batterie einbauen?
  • Soll der Camper als Wohnmobil angemeldet werden?
  • Wie viel Zeit habe ich fĂŒr den Ausbau?
  • Welche Werkzeuge habe ich und wo baue ich aus?
  • Wo ist der nĂ€chste Baumarkt?
  • Wie viele SchlafplĂ€tze und SitzplĂ€tze brauche ich?
  • Will ich den Camper zum Surfen oder fĂŒr eine andere Sportart mit hohem Materialaufwand nutzen?
  • Will ich den Bus isolieren?

Ein Berg an Möglichkeiten tĂŒrmt sich aus den Antworten auf diese Fragen auf. Gleichzeitig kann einem das Angst machen, zu beginnen. Denn fĂŒr jedes Material, fĂŒr alle Möbel, fĂŒr den ganzen Grundriss gibt es immer 5 Alternativen. Und Camper sind fahrende Kompromisse. Wenn es gut lĂ€uft, die besten, die es gibt.

Camper ausbauen (Ratgeber): So sieht das Bett mit RĂŒckenlehne zum Hochklappen aus
Bett mit Verkistung und Klapplehne.

Gehen wir mal davon aus, dass du eine Weile ĂŒber diese Fragen sinniert hast und nun ungefĂ€hr weißt, was du fĂŒr einen Ausbau haben möchtest. Ach ja, und dass du die Jagd nach dem Basisfahrzeug schon hinter dir hast.

Wir schauen uns fĂŒr diesen Artikel den Ausbau eines MB 100 an. Ein Klassiker, der nur noch selten in der Wildnis gesehen wird, weil die Busse oft ein kleines Rostproblem verschleppen. Wir wollen den Camping Ausbau selber machen. Und zwar schnell und gĂŒnstig, dabei trotzdem natĂŒrlich super cosy und praktisch. Und das geht so:

Die tragende Idee ist, ein Gestell aus Schubladen zu bauen, auf dem das Bett liegt. Die KĂŒche soll in der SchiebetĂŒr sein, so dass man den Herd auf einem Schwerlastauszug hinaus ins Freie ziehen kann. Damit genug Platz fĂŒr SitzbĂ€nke bleibt, bauen wir das Bett als Klappkonstruktion. Und irgendwo mĂŒssen die Surfbretter hin. Damit das in etwa einer Woche klappen kann, verzichten wir auf Elektrik (fĂŒr den Einbau einer zweiten Batterie, das Verlegen der Kabel und den Einbau von Lampen muss man mindestens zwei Tage rechnen). Der ganze Ausbau (inklusive der Materialien, die wir noch rumliegen hatten) kostete am Ende ungefĂ€hr 750 Euro. Die grĂ¶ĂŸte Investition: Die 9 Eurokisten und die Matratze.

Materialien

Holz, klar! Wenn man sich die MĂŒhe eines Selbstausbaus macht, dann soll natĂŒrlich alles etwas gemĂŒtlicher und weniger steril werden als bei professionellen Leichtbauten. Wir haben am Ende diese Materialien verbaut:

  • 3-Schicht Platte fĂŒr stabile Möbel (Tischlerplatte)
  • Verpackungssperrholz Elliot Pine in 12 und 20 mm von Bauhaus
  • Sperrholz in 5 mm fĂŒr die Verkleidung
  • SchwerlastauszĂŒge von teleskopschienen24.de
  • Eurokisten
  • Leisten aus dem Baumarkt
  • Ordentliche Holzschrauben mit Torx

Ein echter Sparhit sind die Sperrholzplatten, der Quadratmeter kostet keine 10 Euro. Allerdings ist das Holz in der 20 mm AusfĂŒhrung (und die braucht es!) schon recht schwer. Wer seinen Bus vollbasteln will, sollte auch die maximale Zuladung im Kopf haben.

Einkauf

Einige Dinge muss man im Internet bestellen, wenn man nicht in einer Großstadt wohnt. Und auch dann spricht viel dafĂŒr, schon mal auszubauen und nicht auf der Suche nach den SchubladenauszĂŒgen durch die Stadt zu fahren. Es gibt sie im Baumarkt, aber selten lang genug und auf jeden Fall viel zu teuer. Wichtig ist, rechtzeitig die Sachen zu identifizieren, die man bestellen muss (und sie dann auch sofort zu ordern).

Camper ausbauen (Anleitung): Die verbauten Holzsorten
Alle verbauten Holzsorten: Das stabile Birkensperrholz wird gerne fĂŒr Möbel verwendet (Bett-Brett oben), die kleine SchrĂ€ge Ablage ist aus Tischlerplatte und das senkrechte Brett ist aus Seekiefersperrholz.

Und dann muss man natĂŒrlich doch in den Baumarkt. DafĂŒr sollte man unbedingt eine Liste haben und immer etwas mehr kaufen, als man denkt. Die Baumarktdichte ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Weil es unser Holz nur im Bauhaus in 40 min. Entfernung gibt, wollten wir natĂŒrlich nur einmal fahren. Es wurden zwei Fahrten, aber ich denke, das geht in Ordnung. Orientierungsfragen:

  • Wie viel Holz?
  • MĂŒssen wir die Platten zuschneiden lassen oder gibt es zu Hause eine gute HandkreissĂ€ge?
  • Mit welchen Schrauben wollen wir bauen?
  • Wie viele Eurokisten in welchen GrĂ¶ĂŸen?
  • Leisten selber sĂ€gen oder kaufen?
  • Schleifmittel?!

Werkzeug

Der Ausbau wird wesentlich mehr Spaß machen, wenn du ordentliches Werkzeug hast und wenn du einen Garagenplatz hast. FĂŒr viele ist vor allem letzteres utopisch. Was du auf jeden Fall haben solltest:

Einen Akkuschrauber mit allen benötigten Bits und 2 Akkus

Ohne den geht wenig. Der Akkuschrauber sollte schon etwas Power haben, weil du in der Regel auch damit bohren wirst. NĂŒtzliches Zubehör ist ein Bithalter fĂŒr das Schnellspannbohrfutter, ein zweiter Akku, gute Bits, gute Bohrköpfe (mehrere DĂŒnne zum Vorboren!) Richtig komfortabel wird es mit einem zweiten Akkuschrauber, einerseits zum parallelen Arbeiten zu zweit, andererseits, um nach dem Bohren direkt die Schrauben reinjagen zu können.

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Eine Werkbank

Das kann eigentlich auch eine Bierbank sein, aber je stabiler, desto besser wird das Ergebnis. Du brauchst auf jeden Fall eine gute Unterlage, um WerkstĂŒcke anzeichnen, sĂ€gen und schleifen zu können.

Camper ausbauen (Ratgeber): Eine Werkbank ist sehr sinnvoll.
Ein guter Arbeitsplatz trÀgt wesentlich zum Erfolg deines Ausbaus bei.

Eine StichsÀge

FĂŒr Kreisausschnitte und feine SĂ€gearbeiten brauchst du eine StichsĂ€ge. Bei den Dingern merkt man QualitĂ€tsunterschiede ĂŒbrigens recht schnell: Die SĂ€geblĂ€tter hĂŒpfen aus der FĂŒhrung oder der Pendelhub ist zu klein fĂŒr das Brett. Mit Akku natĂŒrlich komfortabel, besser ist aber du hast Strom und einen Stecker.

Eine HandkreissÀge

Hier gilt Àhnliches wie bei der StichsÀge. Eine gute HandkreissÀge lÀsst Gehrungsschnitte zu, hÀlt aber auch stabil auf 0 Grad, wenn man das will. Mit Akku ist nur sinnvoll, wenn du weit weg von der nÀchsten Steckdose ausbaust.

Weiteres Werkzeug

  • Exzenterschleifer mit Schleifmittel
  • SchlĂŒssel und Schraubendreher
  • Lacke und Pinsel
  • Schere und Cutter
  • Maßband und Meter

Zeitplan

Das könnte natĂŒrlich auch frĂŒher gemacht werden. Aber jetzt hat man das Holz in der Hand, weiß, was man sĂ€gen muss und sieht, wie einfach sich die Bretter in Nut und Feder fĂŒgen oder nicht. Leitfragen und wichtige Erkenntnisse:

  • Es gibt immer das richtige Werkzeug fĂŒr eine Arbeit. Lohnt es sich noch, es zu kaufen oder zu leihen?
  • Will ich es deutlich einfacher haben oder perfekt? Die fixe Idee umzusetzen ist fast immer sehr aufwendig, aber wenn man immer nur die einfachste Lösung umsetzt, kommt eben ein anderer Bus dabei heraus.
  • Auf alle ZeitschĂ€tzungen sollte man noch 30% aufschlagen

Der große Einkauf fĂŒr einen einfachen Ausbau frisst einen halben Tag. Isolierung und Verkleidung einen ganzen. Drei Tage fĂŒr Möbel. Zwei fĂŒr Elektrik. Und dann noch einen fĂŒr Kleinarbeiten. Plus 30 %, da sind wir eben bei einer Woche, ohne die Elektrik. Ein aufwendiger Ausbau dauert schnell mehrere Monate, auch wenn man nicht nur am Wochenende Zeit hat. Es ist sinnvoll, sich die Zeit zu nehmen, aber man braucht auch eine Urlaubsdeadline, denn sonst findet man immer weiter Dinge, die man noch optimieren kann.

Mein Camper Ausbau

Isolierung und Verkleidung

Der logische erste Arbeitsschritt, wenn man vom Entkernen absieht. Das gĂ€ngigste Isoliermaterial ist Armaflex. Wir haben den Bus, der ja zur HĂ€lfte aus Fenstern besteht, mit den Resten aus einem anderen Busprojekt isoliert. Weil es eben da war. Man hĂ€tte auch darauf verzichten können, schĂ€tze ich. Das Material ist sehr einfach zu verarbeiten und klebt ziemlich gut. Wenn man die selbstklebende AusfĂŒhrung nimmt, wozu eindeutig geraten sei! Wenn der Bus viel FlĂ€che hat, kostet die Isolierung schnell ungefĂ€hr 300 Euro. Und das bei einer relativ dĂŒnnen Isolierung mit 19 mm Armaflex.

An dem Zeug fĂŒhrt aber eigentlich kein Weg vorbei. Wenn du deinen Camper nicht isolierst, kondensiert die Luftfeuchtigkeit an allen KĂ€ltebrĂŒcken, an den Scheiben, an den Blechen, tropft von der Decke und lĂ€uft in die TĂŒren. GĂŒnstigere Materialien wie Mineralwolle verhindern das auch nicht und reiben den Lack auf. Und Armaflex ist, wenn es flĂ€chig verklebt wird, direkt noch eine Dampfsperre.

→ nicht so entscheidend, wenn man nur im Sommer an den Atlantik will
→ Pflicht bei Dauernutzung in Herbst und Winter
→ Nimm einfach Armaflex. Alles andere ist Murks.

Übrigens: Vor der WĂ€rmeisolierung kommt die Schallisolierung, wenn man das will. DafĂŒr klebt man eine Schwerschicht aus (zum Beispiel) Alubutyl auf die Bleche, damit sie nicht so schwingen. Man muss nicht alles vollkleben, ein Richtwert ist 20% der FlĂ€che. Dieser Ratgeber hat sich umfassend mit dem Thema Isolierung beschĂ€ftigt.

Bei der Verkleidung groß in Mode sind Nut und Feder Bretter. Das sieht natĂŒrlich auch gut aus und ist gĂŒnstig. Nachteile: Etwas Gewicht und es trĂ€gt auf. Und wenn man es ĂŒbertreibt, sieht der Camper aus wie ein Hobbykeller aus den 80ern. Wer diese Variante wĂ€hlt, sollte einen Leistenrahmen darunter setzen. Weiß ich aus Erfahrung. Das Holz arbeitet, dehnt sich aus und verbiegt sich an Stellen, an denen man es zuletzt erwarten wĂŒrde. 

Camper ausbauen (Anleitung): Die Verkleidung aus Sperrholz
Sperrholzverkleidung sieht gut aus und ist leicht, aber auch teuer und schwer einzupassen.

Wir haben diesmal mit Sperrholz verkleidet und auch nur unterhalb der Fenster. Auch das ist nicht ganz trivial, man muss zum Beispiel die Löcher fĂŒr die Befestigung im Blech sauber treffen. Aber naja, es war machbar.

→ Isolierung und Verkleidung haben ungefĂ€hr 200 Euro gekostet. Also hĂ€tten, wenn wir das Armaflex noch hĂ€tten kaufen mĂŒssen. Wer weniger Fenster hat, muss aber deutlich mehr Geld einplanen.

Bett und Stauraum

Der ganze Camper Umbau basierte wesentlich auf dieser Idee: Das Bett soll lĂ€ngs verlaufen, damit man die Beine ausstrecken kann. Und um an die FlĂ€che darunter zu kommen, verkisten wir alles. In der Praxis haben wir statt Bettpfosten zwei dĂŒnne Holzrahmen gebaut, die sich an den SeitenwĂ€nden an die Verkleidung schmiegen.

Camper ausbauen (Anleitung): Mit einem flachen Rahmen geht der Möbelbau oft einfacher.
Einer der beiden Rahmen. Das Rechteck steht hinter dem Radkasten.

FĂŒr die Schubladen aus Kisten haben wir zwei 1,25 m lange und 90 cm hohe Bretter aus dem Verpackungsperrholz gesĂ€gt. Und dann Leisten darauf montiert, so dass die Kisten auf diesen Leisten laufen können und jeweils an den Leisten darĂŒber verkanten, anstatt aus dem Bus zu fallen.

Legt man die Platte zum montieren auf die Seite, geht das ganz einfach. Wichtig ist auch, horizontal den Raum richtig zu deuten: Sind die Bretter zu eng beieinander, dann klemmen die Kisten, zu weit dĂŒrfen sie schon gar nicht sein, denn dann wĂŒrden die Kisten ja einfach durchfallen.

Camper ausbauen (Ratgeber): Das Regal aus Eurokisten.
Die Montage der Kistenleisten. Durch auflegen der Kisten ergeben sich die AbstÀnde ganz einfach.

Diese Bauweise hat im Vergleich mit festen Schienen einige Vorteile: Sie ist gĂŒnstiger, leichter zu bauen, leichter und die Kisten lassen sich auch rausnehmen. DafĂŒr ist es nicht ganz so komfortabel und man darf vor dem Losfahren nicht vergessen, die Kisten zu sichern.

Eurokisten gibt es in drei relevanten GrĂ¶ĂŸen fĂŒr dieses Vorhaben:

  • 60 x 40 x 22
  • 60 x 40 x 32
  • 60 x 40 x 42

Man macht sich das Leben deutlich leichter, wenn man auf einer Ebene die gleichen Kisten verbaut. Wir haben an einer Stelle stattdessen nach hinten eine große Kiste und nach innen zwei kleine gesetzt – und mussten natĂŒrlich dann auch die Leisten in der Mitte splitten.

Oben auf die Kistenbretter haben wir einen Lattenrost verschraubt. Und hintendran ein Brett aus Birkensperrholz zum Hochklappen, so dass man auch die inneren Kisten gut erreicht. Damit die Kisten nicht nach vorne schießen, sind sie mit Bandschlingen gesichert. Hier gibt es bestimmt auch andere praktikable Lösungen, nur vergessen sollte man es nicht.

Das fertige Kistenregal. Die Kisten halten auch fast ganz ausgezogen noch selbst. FĂŒr mich gewinnt die Low-Budget-Verkistung den Vergleich mit den Schubladenschienen, weil es gĂŒnstiger, leichter und schneller gebaut ist.

Links neben dem Bett, ĂŒber dem Radkasten sind große KleiderfĂ€cher mit Eingriffen von oben.

→ Wenn man etwas Durchladen möchte, im Winter etwa Skis oder Snowboards, kann man einfach eine Ebene Kisten aus dem Auto nehmen. Die Kisten haben rund 100 Euro gekostet, die Matratze in zwei Teilen kostet um die 140 Euro und das Holz knapp 50.

KĂŒche

Genau wie die Eurokisten gehört auch die KĂŒchenkonstruktion mittlerweile fix zu unserem Fundus an Wohnmobil Kastenwagen Selbstausbau Ideen. Was ist eigentlich ein Camper in Abgrenzung von einem Wohnmobil? FĂŒr mich ist wesenhaft, dass das Leben zu einem großen Teil im Freien stattfindet. Die HecktĂŒren stehen offen und lassen Wind vom Meer hinein, und an der SchiebetĂŒr stehend kann man eben kochen.

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Und wenn man draußen kochen will, nimmt man einfach den Kartuschenkocher hinaus und kommt an alle GewĂŒrze, Öle und Kochutensilien im KĂŒchenblock auch von draußen gut dran.

Camper ausbauen (Ratgeber): Die KĂŒche
Der Auszug fĂŒr den Kocher und im Hintergrund Bett mit Stauraum.

Der Vorteil des Kartuschenkochers ist auch, dass er ohne GasprĂŒfung auskommt. Viele Wohnmobilvermieter setzen in ihren Campern auch darauf.

Der KĂŒchenblock ist stabil, hat nach vorne StaufĂ€cher, die mit Holzleisten und einer TĂŒr gesichert sind und ganz oben ein Brett, das sich nach draußen ausziehen lĂ€sst. Ausgezogen passt dann noch ein Schneidebrett dahinter. FĂŒr die Konstruktion haben wir zunĂ€chst den Boden und die WĂ€nde gesĂ€gt und zusammengeschraubt und dann mit allerlei Flaschen, PfeffermĂŒhlen und Kochlöffeln ĂŒberlegt, wie die FĂ€cheraufteilung aussehen soll.

Camper ausbauen (Ratgeber): Der KĂŒchenblock.
Der KĂŒchenblock noch ohne sichernde TĂŒr.

→ Der Kocher kostet etwa 40 Euro, das Holz fĂŒr die KĂŒche auch etwa so viel.
→ Was unsere Meinung nach alles in der WoMo-KĂŒche Platz finden muss: Die KĂŒchen Grundausatattung fĂŒr den Camper

BĂ€nke und Tisch

Die eine Bank schließt sich an den KĂŒchenblock an und ist direkt hinter dem Fahrersitz. Der Deckel sitzt dank innenliegender Leisten fest und kann einfach abgehoben werden. Hier passt auch noch eine ganze Menge GepĂ€ck rein! GegenĂŒber haben wir einfach eine Alukiste gestellt. Die lĂ€sst sich herausnehmen und verstellen und war praktischerweise auch schon einbaubereit. Der Tisch ist zum Klappen und ruht stabil auf einem Ikea Schreibtischbein zum einschrauben. Klappbeine sind wahrscheinlich praktischer aber auch teurer. Alternativ hĂ€tte man auch den Camping Tisch drinnen nutzen können, so viel Platz ist da. Der Nachteil wĂ€re natĂŒrlich, im Regen erstmal den Campingtisch aufklappen zu mĂŒssen.

Camper ausbauen (Ratgeber): Die SitzbÀnke.
Eine der beiden SitzbĂ€nke. Die Griffe sind aus Bandschlingen und durch ein Kissen nicht zu spĂŒren.

→ Der Tisch kostet mit Bein etwa 50 Euro.

WĂŒhlkiste mit Tipps

Im FrĂŒhling 2020 wurden zeitweise 30% mehr Wohnmobile neu zugelassen als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Auch die Camper-Vermietungen haben enormen Zulauf und sind auf Monate ausgebucht. Und wer einen Sprinter selber ausbauen möchte, merkt auch schnell, dass die Preise fĂŒr die Transporter durch die Decke gegangen sind. Ähnlich wie in anderen Bereichen des Lebens ist Corona hier nicht alleine verantwortlich fĂŒr die Explosion des Campermarktes. Aber die Pandemie verstĂ€rkt und beschleunigt eine Entwicklung, die sich ĂŒber die letzten Jahre Bahn brach: Dass Campen plötzlich nicht mehr eine entweder spießige oder unbequeme Urlaubsform ist. Auch, weil wir natĂŒrlich lĂ€ngst nicht mehr campen. Wir glampen heute oder haben eben einen komfortablen Bus. Die Frage, welche Autos zum Camper umbauen am besten geeignet sind, erweitert sich daher auch um den Aspekt der Finanzierbarkeit. Schlau ist, wer dem Trend voraus ist, aber es kann auch helfen, einmal einen Blick zurĂŒck zu werfen. Gerade bei kleinen Campern gibt es noch viele bezahlbare Optionen als Basis wie etwa einen Opel Zafira, Fiat Doplo, Ford Connect oder viele viele andere.

→ Nach Alternativen schauen. Leg dich nicht auf einen speziellen Bus fest, sondern versuch verschiedene Alternativen abzuwĂ€gen.

Trotzdem gibt es auch viele MissverstĂ€ndnisse. HĂ€tten Busse ein SelbstwertgefĂŒhl, Instagram wĂŒrde den allermeisten einen heftigen Knacks verpassen. Wir sehen Kakteen vor weißen Azulejos, Kerzen allerorts, freischwebende Lampenschirme und anderen Blödsinn. Wenn in einem Van nichts rumliegt außer je einem ungelesenen Exemplar On the Road (Kerouac), Into the Wild (Krakauer) und Walden (Thoreau), dann ist alles an dem Bild gestellt. Klar, man muss auch mal trĂ€umen dĂŒrfen, aber mach dir bewusst, dass der Traum möglicherweise keine uns zugĂ€ngliche RealitĂ€t abbildet, sondern letztlich auch nur der Finanzierung eines Influencers oder einer Bloggerin dient.

→ Lass dich von schönen Ausbauten inspirieren, behalte aber im Kopf, dass diese Ausbauten auch wegen der medialen Verwertung so geworden sind, wie sie sind.

Camper ausbauen (Ratgeber): Der Camper on the Road
Endlich unterwegs! Ein Camper sollte einfach nicht so aussehen, als wÀre er mit der Pinzette aufgerÀumt worden.

Als noch nicht so viele Camper auf den Straßen unterwegs waren, klopfte frĂŒher oder spĂ€ter fast immer jemand an, um sich unseren Ausbau anzuschauen und danach den eigenen vorzufĂŒhren. Ein PĂ€rchen fuhr mit einem nicht mal halbfertigen Bus herum. Ein doppelter Boden war drin (fĂŒr Surfmaterial) und ein Bett. Und dann waren noch Holzplatten an die Wand geschnallt. Die beiden waren der Meinung, dass das Holz sich so an die Luftfeuchtigkeit gewöhnt und sich dann spĂ€ter, wenn es verbaut wird, nicht so verzieht. Ein schlauer Gedanke, trotzdem: Nein, danke. Ich denke, der Aufwand beim WoMo Eigenbau sollte in einem gesunden VerhĂ€ltnis zu den ReiseplĂ€nen stehen. Beim ersten Bus Innenausbau gilt das ganz besonders. Vieles von dem, was du auf Bildern oder in Videos gesehen hast, wird sich als gar nicht so praktikabel erweisen. Auf der anderen Seite wirst du bestimmt auch Dinge vermissen.

→ Investiere Zeit und Geld in Isolierung und Verkleidung und die wichtigsten Möbel. Aber lass dir auch Freiheiten fĂŒr Anpassungen, denn vieles lernt man erst unterwegs.

Auf unserer ersten großen Reise hatten wir kaum Geld (schon die drei Euro ParkgebĂŒhr auf einer kantabrischen Wiese Ă€rgerten uns) und auch keinen Wasserkanister. Da war es ein kleiner Gottesbeweis, dass uns in Asturien jemand an der Nase ansah, dass wir Durst litten und uns einen 20 L Kanister schenkte. Der hat es dann auch noch 5000 Kilometer gemacht, aber irgendwann fangen die Dinger immer an zu tropfen.

→ Kauf dir einen Wasserkanister mit Ausgusshahn oben, so dass er nicht tropfen kann. Auch zwei oder drei kleine sind eine Idee, denn dann kann man zwischen Trinkwasser und SpĂŒlwasser unterscheiden.

Du willst den Bus ausbauen, um damit zum Surfen zu fahren? Dann brauchst du natĂŒrlich Platz fĂŒr die Boards. Die einfachste Lösung ist oft, auf einem der RadkĂ€sten eine Durchlade zu bauen. Außerdem lohnt es sich, den Neos einen Platz zum HĂ€ngen einzurichten. Auch andere spezifische Überlegungen sind richtige Game-Changer. Aber verkopf dich nicht zu sehr, denn alles muss sich erstmal in der Praxis beweisen.

Camper ausbauen (Ratgeber): SportgerÀte schon in der Planung mitdenken.
An die Decke, / Besen! Besen! / Seids gewesen

→ Starke Neodyme eignen sich zum Neo AufhĂ€ngen, unten kann man eine Change Mat zum Zuziehen als Tropfeimer benutzen. Kaminöfen oder Dieselheizungen gehen ĂŒbrigens eine perfekte Symbiose mit trocknenden Neos ein und sorgen fĂŒr ein angenehmes Raumklima.

Wie schon an anderer Stelle geschrieben, geht der Trend zum Kartuschen-Kocher. Ich kann die Vorteile natĂŒrlich sehen, finde aber auch meine große Gasflasche sehr bequem. Was allerdings Ă€rgerlich ist, ist dass die großen Muldenkocherhersteller immer denken, man will nur mal einen Kaffee im Bus kochen. Die liefern einfach nicht die Power, die ich haben will!

→ Kochfelder fĂŒr den Hausgebrauch liefern oft deutlich mehr Power und sind außerdem gĂŒnstiger. Die Piezo ZĂŒndung muss man ja nicht verwenden.

Gesamtkosten

Was kostet der Wohnmobil Selbstausbau? Da gibt es absolut keine richtige Antwort. Eine Kiste mit Kocher und eine Matratze kann man fĂŒr 200 Euro gut in den Familienvan schrauben. Wer aber einen vollwertigen Wohnmobilausbau plant, ist alleine fĂŒr die Elektronik 2000 Euro los.

Unser Ausbau, der fĂŒr einen mehrmonatigen Surftrip durch Frankreich rĂŒsten sollte, hat etwa 650 Euro gekostet. Wir haben aber auch keine Elektronik gekauft, beim Holz gespart und bei der Isolierung nicht wirklich ernst gemacht.

Ich wĂŒrde sagen, dass man fĂŒr einen ordentlichen Camper Ausbau etwa 2000 Euro einplanen sollte. Es geht natĂŒrlich auch noch viel teurer, wenn man will.

Grobe Richtwerte fĂŒr den Sprinter Ausbau:

Isolierung (Armaflex 19 mm, 20 qm) 200 Euro
Verkleidung (Nut und Federn) 200 Euro
Möbel (Bett, Kisten, Kleinteile) 400 Euro
KĂŒche (Kocher, Pumpe, Kanister) 350 Euro
Elektrik (Batterie, Kabel, Lampen) 500 Euro
Stoffe und Sonstiges 300 Euro

HĂ€ufige Fragen

Was ist das beste Basisfahrzeug fĂŒr einen Camper?

Das kommt auf den Geldbeutel und den Einsatzzweck an. Das beste Fahrzeug ist immer das, das du hast. Bei den gebrauchten Kastenwagen sind vor allem Ford Transit, Renault Master, Fiat Ducato und Peugeot Boxer beliebt. Auch weil der VW Crafter und der Mercedes Sprinter deutlich teurer sind. Vom VW Transporter oder der Caravelle nicht zu reden.

Was kostet der Camper Ausbau?

Einen einfacher Ausbau mit einem Bett, einer Kochgelegenheit und etwas Stauraum kann man mit 300 Euro realisieren. Allerdings ohne RĂŒcksicht auf eine richtige Isolierung oder hochwertiges Holz. Der gĂŒnstigste Ausbau inkl. einer zweiten Batterie, den ich kenne, kostete etwa 1000 Euro. FĂŒr einen schönen Ausbau muss man mit etwa 2000 Euro rechnen. Es geht aber natĂŒrlich auch noch deutlich teurer.

Wie lange dauert es, einen Bus auszubauen?

Wenn man einfach nur los will, dann ist an einem Wochenende ein Camper zusammengezimmert. Realistischer ist aber, dass man sich zwei Wochen Zeit nimmt. Und auch dann ist der Ausbau weit entfernt davon, Preise auf der Caravan oder bei Instagram zu gewinnen. Wer einen hochwertigen Ausbau plant und alle Werkzeuge hat, sollte mit etwa 20 Arbeitstagen rechnen.

Welche Werkzeuge braucht man fĂŒr den Ausbau?

Es geht nicht ohne Akkuschrauber. Auch fast ein Muss: StichsĂ€ge, HandkreissĂ€ge und Exzenterschleifer. Dazu ein Werkzeugkoffer mit Maßband und Schraubendrehern etc.

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