Camper ausbauen (Ratgeber): Ideen, Anleitung & Kosten

Camper ausbauen (Ratgeber): Ideen, Anleitung & Kosten

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Das Internet ist voller schlauer Ratgeber zum Camper Ausbau. Eine Sache fällt dabei sofort auf: Die meisten guten Anleitungen gibt es von Menschen, die den Camper als (neuen) Lebensmittelpunkt haben. Die also eben diese Camper Ausbau Anleitungen verkaufen oder dauerhaft im Bus leben und reisen und meist vor dem Ausbau schon selbstständig unterwegs waren. Der Punkt ist: Diese Menschen hatten alle unfassbar viel Zeit und oft auch gute Werkstätten für ihre Projekte. Dabei geht es doch den meisten eher so: Etwas Geld ist da, etwas Zeit auch, grundsätzlich aber auch etwas zu wenig von beidem. Wie kann trotzdem ein pragmatischer Ausbau dabei herauskommen? Dieser Text hilft dir hoffentlich bei deinem Camper Bau. Zwei Tipps vorab: Deinstallier Instagram, du willst ja schließlich mit deinem Bus reisen und ihn nicht als Online-Showroom benutzen. Oder? Und zweitens: Überschlag die Kosten und wenn du dich hier nicht verhebst, dann mach es einfach! Sonst wird es nie was. 

Camper Ausbau: Schritt für Schritt

Skizze und Grundidee

Einfach machen, habe ich im vorangehenden Absatz geschrieben? Nun ja, eine grobe Idee von der Sache herauszuarbeiten ist schon kein ganz schlechter erster Schritt. Was für einen Bulli steht für den Camper Bus Ausbau zur Verfügung? Brauche ich ein festes Bett, oder bin ich bereit, etwas Umbauaufwand am Abend gegen viel Flexibilität einzutauschen? Es sind solche Grundsatzüberlegungen, die man einmal klären sollte:

  • Will ich im Bus kochen oder ist das Wetter oft so, dass man davor oder hinten stehend kochen kann?
  • wie viel Geld habe ich eigentlich für den Ausbau?
  • Will ich eine zweite Batterie einbauen?
  • Soll der Camper als Wohnmobil angemeldet werden?
  • Wie viel Zeit habe ich für den Ausbau?
  • Welche Werkzeuge habe ich und wo baue ich aus?
  • Wo ist der nächste Baumarkt?
  • Wie viele Schlafplätze und Sitzplätze brauche ich?
  • Will ich den Camper zum Surfen oder für eine andere Sportart mit hohem Materialaufwand nutzen?
  • Will ich den Bus isolieren?

Ein Berg an Möglichkeiten türmt sich aus den Antworten auf diese Fragen auf. Gleichzeitig kann einem das Angst machen, zu beginnen. Denn für jedes Material, für alle Möbel, für den ganzen Grundriss gibt es immer 5 Alternativen. Und Camper sind fahrende Kompromisse. Wenn es gut läuft, die besten, die es gibt.

Camper ausbauen (Ratgeber): So sieht das Bett mit Rückenlehne zum Hochklappen aus
Bett mit Verkistung und Klapplehne.

Gehen wir mal davon aus, dass du eine Weile über diese Fragen sinniert hast und nun ungefähr weißt, was du für einen Ausbau haben möchtest. Ach ja, und dass du die Jagd nach dem Basisfahrzeug schon hinter dir hast.

Wir schauen uns für diesen Artikel den Ausbau eines MB 100 an. Ein Klassiker, der nur noch selten in der Wildnis gesehen wird, weil die Busse oft ein kleines Rostproblem verschleppen. Wir wollen den Camping Ausbau selber machen. Und zwar schnell und günstig, dabei trotzdem natürlich super cosy und praktisch. Und das geht so:

Die tragende Idee ist, ein Gestell aus Schubladen zu bauen, auf dem das Bett liegt. Die Küche soll in der Schiebetür sein, so dass man den Herd auf einem Schwerlastauszug hinaus ins Freie ziehen kann. Damit genug Platz für Sitzbänke bleibt, bauen wir das Bett als Klappkonstruktion. Und irgendwo müssen die Surfbretter hin. Damit das in etwa einer Woche klappen kann, verzichten wir auf Elektrik (für den Einbau einer zweiten Batterie, das Verlegen der Kabel und den Einbau von Lampen muss man mindestens zwei Tage rechnen). Der ganze Ausbau (inklusive der Materialien, die wir noch rumliegen hatten) kostete am Ende ungefähr 750 Euro. Die größte Investition: Die 9 Eurokisten und die Matratze.

Materialien

Holz, klar! Wenn man sich die Mühe eines Selbstausbaus macht, dann soll natürlich alles etwas gemütlicher und weniger steril werden als bei professionellen Leichtbauten. Wir haben am Ende diese Materialien verbaut:

  • 3-Schicht Platte für stabile Möbel (Tischlerplatte)
  • Verpackungssperrholz Elliot Pine in 12 und 20 mm von Bauhaus
  • Sperrholz in 5 mm für die Verkleidung
  • Schwerlastauszüge von teleskopschienen24.de
  • Eurokisten
  • Leisten aus dem Baumarkt
  • Ordentliche Holzschrauben mit Torx

Ein echter Sparhit sind die Sperrholzplatten, der Quadratmeter kostet keine 10 Euro. Allerdings ist das Holz in der 20 mm Ausführung (und die braucht es!) schon recht schwer. Wer seinen Bus vollbasteln will, sollte auch die maximale Zuladung im Kopf haben.

Einkauf

Einige Dinge muss man im Internet bestellen, wenn man nicht in einer Großstadt wohnt. Und auch dann spricht viel dafür, schon mal auszubauen und nicht auf der Suche nach den Schubladenauszügen durch die Stadt zu fahren. Es gibt sie im Baumarkt, aber selten lang genug und auf jeden Fall viel zu teuer. Wichtig ist, rechtzeitig die Sachen zu identifizieren, die man bestellen muss (und sie dann auch sofort zu ordern).

Camper ausbauen (Anleitung): Die verbauten Holzsorten
Alle verbauten Holzsorten: Das stabile Birkensperrholz wird gerne für Möbel verwendet (Bett-Brett oben), die kleine Schräge Ablage ist aus Tischlerplatte und das senkrechte Brett ist aus Seekiefersperrholz.

Und dann muss man natürlich doch in den Baumarkt. Dafür sollte man unbedingt eine Liste haben und immer etwas mehr kaufen, als man denkt. Die Baumarktdichte ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Weil es unser Holz nur im Bauhaus in 40 min. Entfernung gibt, wollten wir natürlich nur einmal fahren. Es wurden zwei Fahrten, aber ich denke, das geht in Ordnung. Orientierungsfragen:

  • Wie viel Holz?
  • Müssen wir die Platten zuschneiden lassen oder gibt es zu Hause eine gute Handkreissäge?
  • Mit welchen Schrauben wollen wir bauen?
  • Wie viele Eurokisten in welchen Größen?
  • Leisten selber sägen oder kaufen?
  • Schleifmittel?!

Werkzeug

Der Ausbau wird wesentlich mehr Spaß machen, wenn du ordentliches Werkzeug hast und wenn du einen Garagenplatz hast. Für viele ist vor allem letzteres utopisch. Was du auf jeden Fall haben solltest:

Einen Akkuschrauber mit allen benötigten Bits und 2 Akkus

Ohne den geht wenig. Der Akkuschrauber sollte schon etwas Power haben, weil du in der Regel auch damit bohren wirst. Nützliches Zubehör ist ein Bithalter für das Schnellspannbohrfutter, ein zweiter Akku, gute Bits, gute Bohrköpfe (mehrere Dünne zum Vorboren!) Richtig komfortabel wird es mit einem zweiten Akkuschrauber, einerseits zum parallelen Arbeiten zu zweit, andererseits, um nach dem Bohren direkt die Schrauben reinjagen zu können.

Eine Werkbank

Das kann eigentlich auch eine Bierbank sein, aber je stabiler, desto besser wird das Ergebnis. Du brauchst auf jeden Fall eine gute Unterlage, um Werkstücke anzeichnen, sägen und schleifen zu können.

Camper ausbauen (Ratgeber): Eine Werkbank ist sehr sinnvoll.
Ein guter Arbeitsplatz trägt wesentlich zum Erfolg deines Ausbaus bei.

Eine Stichsäge

Für Kreisausschnitte und feine Sägearbeiten brauchst du eine Stichsäge. Bei den Dingern merkt man Qualitätsunterschiede übrigens recht schnell: Die Sägeblätter hüpfen aus der Führung oder der Pendelhub ist zu klein für das Brett. Mit Akku natürlich komfortabel, besser ist aber du hast Strom und einen Stecker.

Eine Handkreissäge

Hier gilt ähnliches wie bei der Stichsäge. Eine gute Handkreissäge lässt Gehrungsschnitte zu, hält aber auch stabil auf 0 Grad, wenn man das will. Mit Akku ist nur sinnvoll, wenn du weit weg von der nächsten Steckdose ausbaust.

Weiteres Werkzeug

  • Exzenterschleifer mit Schleifmittel
  • Schlüssel und Schraubendreher
  • Lacke und Pinsel
  • Schere und Cutter
  • Maßband und Meter

Zeitplan

Das könnte natürlich auch früher gemacht werden. Aber jetzt hat man das Holz in der Hand, weiß, was man sägen muss und sieht, wie einfach sich die Bretter in Nut und Feder fügen oder nicht. Leitfragen und wichtige Erkenntnisse:

  • Es gibt immer das richtige Werkzeug für eine Arbeit. Lohnt es sich noch, es zu kaufen oder zu leihen?
  • Will ich es deutlich einfacher haben oder perfekt? Die fixe Idee umzusetzen ist fast immer sehr aufwendig, aber wenn man immer nur die einfachste Lösung umsetzt, kommt eben ein anderer Bus dabei heraus.
  • Auf alle Zeitschätzungen sollte man noch 30% aufschlagen

Der große Einkauf für einen einfachen Ausbau frisst einen halben Tag. Isolierung und Verkleidung einen ganzen. Drei Tage für Möbel. Zwei für Elektrik. Und dann noch einen für Kleinarbeiten. Plus 30 %, da sind wir eben bei einer Woche, ohne die Elektrik. Ein aufwendiger Ausbau dauert schnell mehrere Monate, auch wenn man nicht nur am Wochenende Zeit hat. Es ist sinnvoll, sich die Zeit zu nehmen, aber man braucht auch eine Urlaubsdeadline, denn sonst findet man immer weiter Dinge, die man noch optimieren kann.

Mein Camper Ausbau

Isolierung und Verkleidung

Der logische erste Arbeitsschritt, wenn man vom Entkernen absieht. Das gängigste Isoliermaterial ist Armaflex. Wir haben den Bus, der ja zur Hälfte aus Fenstern besteht, mit den Resten aus einem anderen Busprojekt isoliert. Weil es eben da war. Man hätte auch darauf verzichten können, schätze ich. Das Material ist sehr einfach zu verarbeiten und klebt ziemlich gut. Wenn man die selbstklebende Ausführung nimmt, wozu eindeutig geraten sei! Wenn der Bus viel Fläche hat, kostet die Isolierung schnell ungefähr 300 Euro. Und das bei einer relativ dünnen Isolierung mit 19 mm Armaflex. An dem Zeug führt aber eigentlich kein Weg vorbei. Wenn du deinen Camper nicht isolierst, kondensiert die Luftfeuchtigkeit an allen Kältebrücken, an den Scheiben, an den Blechen, tropft von der Decke und läuft in die Türen. Günstigere Materialien wie Mineralwolle verhindern das auch nicht und reiben den Lack auf. Und Armaflex ist, wenn es flächig verklebt wird, direkt noch eine Dampfsperre.

→ nicht so entscheidend, wenn man nur im Sommer an den Atlantik will
→ Pflicht bei Dauernutzung in Herbst und Winter
→ Nimm einfach Armaflex. Alles andere ist Murks.

Übrigens: Vor der Wärmeisolierung kommt die Schallisolierung, wenn man das will. Dafür klebt man eine Schwerschicht aus (zum Beispiel) Alubutyl auf die Bleche, damit sie nicht so schwingen. Man muss nicht alles vollkleben, ein Richtwert ist 20% der Fläche. Dieser Ratgeber hat sich umfassend mit dem Thema Isolierung beschäftigt.

Bei der Verkleidung groß in Mode sind Nut und Feder Bretter. Das sieht natürlich auch gut aus und ist günstig. Nachteile: Etwas Gewicht und es trägt auf. Und wenn man es übertreibt, sieht der Camper aus wie ein Hobbykeller aus den 80ern. Wer diese Variante wählt, sollte einen Leistenrahmen darunter setzen. Weiß ich aus Erfahrung. Das Holz arbeitet, dehnt sich aus und verbiegt sich an Stellen, an denen man es zuletzt erwarten würde. 

Camper ausbauen (Anleitung): Die Verkleidung aus Sperrholz
Sperrholzverkleidung sieht gut aus und ist leicht, aber auch teuer und schwer einzupassen.

Wir haben diesmal mit Sperrholz verkleidet und auch nur unterhalb der Fenster. Auch das ist nicht ganz trivial, man muss zum Beispiel die Löcher für die Befestigung im Blech sauber treffen. Aber naja, es war machbar.

→ Isolierung und Verkleidung haben ungefähr 200 Euro gekostet. Also hätten, wenn wir das Armaflex noch hätten kaufen müssen. Wer weniger Fenster hat, muss aber deutlich mehr Geld einplanen.

Bett und Stauraum

Der ganze Camper Umbau basierte wesentlich auf dieser Idee: Das Bett soll längs verlaufen, damit man die Beine ausstrecken kann. Und um an die Fläche darunter zu kommen, verkisten wir alles. In der Praxis haben wir statt Bettpfosten zwei dünne Holzrahmen gebaut, die sich an den Seitenwänden an die Verkleidung schmiegen.

Camper ausbauen (Anleitung): Mit einem flachen Rahmen geht der Möbelbau oft einfacher.
Einer der beiden Rahmen. Das Rechteck steht hinter dem Radkasten.

Für die Schubladen aus Kisten haben wir zwei 1,25 m lange und 90 cm hohe Bretter aus dem Verpackungsperrholz gesägt. Und dann Leisten darauf montiert, so dass die Kisten auf diesen Leisten laufen können und jeweils an den Leisten darüber verkanten, anstatt aus dem Bus zu fallen.

Legt man die Platte zum montieren auf die Seite, geht das ganz einfach. Wichtig ist auch, horizontal den Raum richtig zu deuten: Sind die Bretter zu eng beieinander, dann klemmen die Kisten, zu weit dürfen sie schon gar nicht sein, denn dann würden die Kisten ja einfach durchfallen.

Camper ausbauen (Ratgeber): Das Regal aus Eurokisten.
Die Montage der Kistenleisten. Durch auflegen der Kisten ergeben sich die Abstände ganz einfach.

Diese Bauweise hat im Vergleich mit festen Schienen einige Vorteile: Sie ist günstiger, leichter zu bauen, leichter und die Kisten lassen sich auch rausnehmen. Dafür ist es nicht ganz so komfortabel und man darf vor dem Losfahren nicht vergessen, die Kisten zu sichern.

Eurokisten gibt es in drei relevanten Größen für dieses Vorhaben:

  • 60 x 40 x 22
  • 60 x 40 x 32
  • 60 x 40 x 42

Man macht sich das Leben deutlich leichter, wenn man auf einer Ebene die gleichen Kisten verbaut. Wir haben an einer Stelle stattdessen nach hinten eine große Kiste und nach innen zwei kleine gesetzt – und mussten natürlich dann auch die Leisten in der Mitte splitten.

Oben auf die Kistenbretter haben wir einen Lattenrost verschraubt. Und hintendran ein Brett aus Birkensperrholz zum Hochklappen, so dass man auch die inneren Kisten gut erreicht. Damit die Kisten nicht nach vorne schießen, sind sie mit Bandschlingen gesichert. Hier gibt es bestimmt auch andere praktikable Lösungen, nur vergessen sollte man es nicht.

Das fertige Kistenregal. Die Kisten halten auch fast ganz ausgezogen noch selbst. Für mich gewinnt die Low-Budget-Verkistung den Vergleich mit den Schubladenschienen, weil es günstiger, leichter und schneller gebaut ist.

Links neben dem Bett, über dem Radkasten sind große Kleiderfächer mit Eingriffen von oben.

→ Wenn man etwas Durchladen möchte, im Winter etwa Skis oder Snowboards, kann man einfach eine Ebene Kisten aus dem Auto nehmen. Die Kisten haben rund 100 Euro gekostet, die Matratze in zwei Teilen kostet um die 140 Euro und das Holz knapp 50.

Küche

Genau wie die Eurokisten gehört auch die Küchenkonstruktion mittlerweile fix zu unserem Fundus an Wohnmobil Kastenwagen Selbstausbau Ideen. Was ist eigentlich ein Camper in Abgrenzung von einem Wohnmobil? Für mich ist wesenhaft, dass das Leben zu einem großen Teil im Freien stattfindet. Die Hecktüren stehen offen und lassen Wind vom Meer hinein, und an der Schiebetür stehend kann man eben kochen. Und wenn man draußen kochen will, nimmt man einfach den Kartuschenkocher hinaus und kommt an alle Gewürze, Öle und Kochutensilien im Küchenblock auch von draußen gut dran.

Camper ausbauen (Ratgeber): Die Küche
Der Auszug für den Kocher und im Hintergrund Bett mit Stauraum.

Der Vorteil des Kartuschenkochers ist auch, dass er ohne Gasprüfung auskommt. Viele Wohnmobilvermieter setzen in ihren Campern auch darauf.

Der Küchenblock ist stabil, hat nach vorne Staufächer, die mit Holzleisten und einer Tür gesichert sind und ganz oben ein Brett, das sich nach draußen ausziehen lässt. Ausgezogen passt dann noch ein Schneidebrett dahinter. Für die Konstruktion haben wir zunächst den Boden und die Wände gesägt und zusammengeschraubt und dann mit allerlei Flaschen, Pfeffermühlen und Kochlöffeln überlegt, wie die Fächeraufteilung aussehen soll.

Camper ausbauen (Ratgeber): Der Küchenblock.
Der Küchenblock noch ohne sichernde Tür.

→ Der Kocher kostet etwa 40 Euro, das Holz für die Küche auch etwa so viel. 

Bänke und Tisch

Die eine Bank schließt sich an den Küchenblock an und ist direkt hinter dem Fahrersitz. Der Deckel sitzt dank innenliegender Leisten fest und kann einfach abgehoben werden. Hier passt auch noch eine ganze Menge Gepäck rein! Gegenüber haben wir einfach eine Alukiste gestellt. Die lässt sich herausnehmen und verstellen und war praktischerweise auch schon einbaubereit. Der Tisch ist zum Klappen und ruht stabil auf einem Ikea Schreibtischbein zum einschrauben. Klappbeine sind wahrscheinlich praktischer aber auch teurer. Alternativ hätte man auch den Camping Tisch drinnen nutzen können, so viel Platz ist da. Der Nachteil wäre natürlich, im Regen erstmal den Campingtisch aufklappen zu müssen.

Camper ausbauen (Ratgeber): Die Sitzbänke.
Eine der beiden Sitzbänke. Die Griffe sind aus Bandschlingen und durch ein Kissen nicht zu spüren.

→ Der Tisch kostet mit Bein etwa 50 Euro.

Wühlkiste mit Tipps

Im Frühling 2020 wurden zeitweise 30% mehr Wohnmobile neu zugelassen als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Auch die Camper-Vermietungen haben enormen Zulauf und sind auf Monate ausgebucht. Und wer einen Sprinter selber ausbauen möchte, merkt auch schnell, dass die Preise für die Transporter durch die Decke gegangen sind. Ähnlich wie in anderen Bereichen des Lebens ist Corona hier nicht alleine verantwortlich für die Explosion des Campermarktes. Aber die Pandemie verstärkt und beschleunigt eine Entwicklung, die sich über die letzten Jahre Bahn brach: Dass Campen plötzlich nicht mehr eine entweder spießige oder unbequeme Urlaubsform ist. Auch, weil wir natürlich längst nicht mehr campen. Wir glampen heute oder haben eben einen komfortablen Bus. Die Frage, welche Autos zum Camper umbauen am besten geeignet sind, erweitert sich daher auch um den Aspekt der Finanzierbarkeit. Schlau ist, wer dem Trend voraus ist, aber es kann auch helfen, einmal einen Blick zurück zu werfen. Gerade bei kleinen Campern gibt es noch viele bezahlbare Optionen als Basis wie etwa einen Opel Zafira, Fiat Doplo, Ford Connect oder viele viele andere.

→ Nach Alternativen schauen. Leg dich nicht auf einen speziellen Bus fest, sondern versuch verschiedene Alternativen abzuwägen.

Trotzdem gibt es auch viele Missverständnisse. Hätten Busse ein Selbstwertgefühl, Instagram würde den allermeisten einen heftigen Knacks verpassen. Wir sehen Kakteen vor weißen Azulejos, Kerzen allerorts, freischwebende Lampenschirme und anderen Blödsinn. Wenn in einem Van nichts rumliegt außer je einem ungelesenen Exemplar On the Road (Kerouac), Into the Wild (Krakauer) und Walden (Thoreau), dann ist alles an dem Bild gestellt. Klar, man muss auch mal träumen dürfen, aber mach dir bewusst, dass der Traum möglicherweise keine uns zugängliche Realität abbildet, sondern letztlich auch nur der Finanzierung eines Influencers oder einer Bloggerin dient.

→ Lass dich von schönen Ausbauten inspirieren, behalte aber im Kopf, dass diese Ausbauten auch wegen der medialen Verwertung so geworden sind, wie sie sind.

Camper ausbauen (Ratgeber): Der Camper on the Road
Endlich unterwegs! Ein Camper sollte einfach nicht so aussehen, als wäre er mit der Pinzette aufgeräumt worden.

Als noch nicht so viele Camper auf den Straßen unterwegs waren, klopfte früher oder später fast immer jemand an, um sich unseren Ausbau anzuschauen und danach den eigenen vorzuführen. Ein Pärchen fuhr mit einem nicht mal halbfertigen Bus herum. Ein doppelter Boden war drin (für Surfmaterial) und ein Bett. Und dann waren noch Holzplatten an die Wand geschnallt. Die beiden waren der Meinung, dass das Holz sich so an die Luftfeuchtigkeit gewöhnt und sich dann später, wenn es verbaut wird, nicht so verzieht. Ein schlauer Gedanke, trotzdem: Nein, danke. Ich denke, der Aufwand beim WoMo Eigenbau sollte in einem gesunden Verhältnis zu den Reiseplänen stehen. Beim ersten Bus Innenausbau gilt das ganz besonders. Vieles von dem, was du auf Bildern oder in Videos gesehen hast, wird sich als gar nicht so praktikabel erweisen. Auf der anderen Seite wirst du bestimmt auch Dinge vermissen.

→ Investiere Zeit und Geld in Isolierung und Verkleidung und die wichtigsten Möbel. Aber lass dir auch Freiheiten für Anpassungen, denn vieles lernt man erst unterwegs.

Auf unserer ersten großen Reise hatten wir kaum Geld (schon die drei Euro Parkgebühr auf einer kantabrischen Wiese ärgerten uns) und auch keinen Wasserkanister. Da war es ein kleiner Gottesbeweis, dass uns in Asturien jemand an der Nase ansah, dass wir Durst litten und uns einen 20 L Kanister schenkte. Der hat es dann auch noch 5000 Kilometer gemacht, aber irgendwann fangen die Dinger immer an zu tropfen.

→ Kauf dir einen Wasserkanister mit Ausgusshahn oben, so dass er nicht tropfen kann. Auch zwei oder drei kleine sind eine Idee, denn dann kann man zwischen Trinkwasser und Spülwasser unterscheiden.

Du willst den Bus ausbauen, um damit zum Surfen zu fahren? Dann brauchst du natürlich Platz für die Boards. Die einfachste Lösung ist oft, auf einem der Radkästen eine Durchlade zu bauen. Außerdem lohnt es sich, den Neos einen Platz zum Hängen einzurichten. Auch andere spezifische Überlegungen sind richtige Game-Changer. Aber verkopf dich nicht zu sehr, denn alles muss sich erstmal in der Praxis beweisen.

Camper ausbauen (Ratgeber): Sportgeräte schon in der Planung mitdenken.
An die Decke, / Besen! Besen! / Seids gewesen

→ Starke Neodyme eignen sich zum Neo Aufhängen, unten kann man eine Change Mat zum Zuziehen als Tropfeimer benutzen. Kaminöfen oder Dieselheizungen gehen übrigens eine perfekte Symbiose mit trocknenden Neos ein und sorgen für ein angenehmes Raumklima.

Wie schon an anderer Stelle geschrieben, geht der Trend zum Kartuschen-Kocher. Ich kann die Vorteile natürlich sehen, finde aber auch meine große Gasflasche sehr bequem. Was allerdings ärgerlich ist, ist dass die großen Muldenkocherhersteller immer denken, man will nur mal einen Kaffee im Bus kochen. Die liefern einfach nicht die Power, die ich haben will!

→ Kochfelder für den Hausgebrauch liefern oft deutlich mehr Power und sind außerdem günstiger. Die Piezo Zündung muss man ja nicht verwenden.

Gesamtkosten

Was kostet der Wohnmobil Selbstausbau? Da gibt es absolut keine richtige Antwort. Eine Kiste mit Kocher und eine Matratze kann man für 200 Euro gut in den Familienvan schrauben. Wer aber einen vollwertigen Wohnmobilausbau plant, ist alleine für die Elektronik 2000 Euro los.

Unser Ausbau, der für einen mehrmonatigen Surftrip durch Frankreich rüsten sollte, hat etwa 650 Euro gekostet. Wir haben aber auch keine Elektronik gekauft, beim Holz gespart und bei der Isolierung nicht wirklich ernst gemacht.

Ich würde sagen, dass man für einen ordentlichen Camper Ausbau etwa 2000 Euro einplanen sollte. Es geht natürlich auch noch viel teurer, wenn man will.

Grobe Richtwerte für den Sprinter Ausbau:

Isolierung (Armaflex 19 mm, 20 qm) 200 Euro
Verkleidung (Nut und Federn) 200 Euro
Möbel (Bett, Kisten, Kleinteile) 400 Euro
Küche (Kocher, Pumpe, Kanister) 350 Euro
Elektrik (Batterie, Kabel, Lampen) 500 Euro
Stoffe und Sonstiges 300 Euro

Häufige Fragen

Was ist das beste Basisfahrzeug für einen Camper?

Das kommt auf den Geldbeutel und den Einsatzzweck an. Das beste Fahrzeug ist immer das, das du hast. Bei den gebrauchten Kastenwagen sind vor allem Ford Transit, Renault Master, Fiat Ducato und Peugeot Boxer beliebt. Auch weil der VW Crafter und der Mercedes Sprinter deutlich teurer sind. Vom VW Transporter oder der Caravelle nicht zu reden.

Was kostet der Camper Ausbau?

Einen einfacher Ausbau mit einem Bett, einer Kochgelegenheit und etwas Stauraum kann man mit 300 Euro realisieren. Allerdings ohne Rücksicht auf eine richtige Isolierung oder hochwertiges Holz. Der günstigste Ausbau inkl. einer zweiten Batterie, den ich kenne, kostete etwa 1000 Euro. Für einen schönen Ausbau muss man mit etwa 2000 Euro rechnen. Es geht aber natürlich auch noch deutlich teurer.

Wie lange dauert es, einen Bus auszubauen?

Wenn man einfach nur los will, dann ist an einem Wochenende ein Camper zusammengezimmert. Realistischer ist aber, dass man sich zwei Wochen Zeit nimmt. Und auch dann ist der Ausbau weit entfernt davon, Preise auf der Caravan oder bei Instagram zu gewinnen. Wer einen hochwertigen Ausbau plant und alle Werkzeuge hat, sollte mit etwa 20 Arbeitstagen rechnen.

Welche Werkzeuge braucht man für den Ausbau?

Es geht nicht ohne Akkuschrauber. Auch fast ein Muss: Stichsäge, Handkreissäge und Exzenterschleifer. Dazu ein Werkzeugkoffer mit Maßband und Schraubendrehern etc.

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